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       # taz.de -- Nachruf auf Ruth Weiss: Sie nannten sie „Ruth Weiss-heit“
       
       > Die jüdischstämmige Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Ruth
       > Weiss ist im Alter von 101 Jahren gestorben.
       
   IMG Bild: Ruth Weiss spricht 2023 während einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Landtag von Nordrhein-Westfalen
       
       [1][Ruth Weiss] strahlte Humor, Lebensweisheit und eine herzliche
       Zugewandtheit aus, manche nannten sie deshalb auch „Ruth Weiss-heit“. Noch
       mit hundert Jahren wirkte sie lebendiger als viele Jüngere. Vor Kurzem 101
       geworden, starb die jüdische Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin
       am vergangenen Freitag in ihrer Wahlheimat Dänemark. Sie hinterließ dort
       ihren Sohn mit dessen Familie sowie etwa 80 Bücher: autobiografische Werke,
       mehrere Bände über jüdische Geschichte sowie Kinderbücher, Romane und
       Krimis mit der Hauptperson „Miss Moore“.
       
       Ruth Weiss wurde 1924 in eine jüdische Familie im bayerischen Fürth
       hineingeboren und musste deshalb 1936 mit ihrer Familie nach Südafrika
       fliehen. Dort schrieb sie als Wirtschaftsjournalistin für britische und
       südafrikanische Zeitungen und erhob ihre Stimme gegen Rassismus und
       Diskriminierung.
       
       Deshalb wurde sie ausgewiesen, zuerst aus Südafrika, dann 1968 aus dem
       damaligen Rhodesien. Danach lebte sie in London, Köln und Münster. In ihrem
       letzten, erst vor Kurzem erschienenen Buch „[2][Erinnern heißt Handeln –
       Mein Jahrhundertleben für Demokratie und Menschlichkeit“] schreibt sie: Die
       beiden Erfahrungen in Nazideutschland und im rassistischen Südafrika
       „ergänzten und verstärkten sich gegenseitig und brachten mich zu einer
       konsequenten Haltung gegenüber jeglicher Art von Ausgrenzung. Mein Handeln
       war das Schreiben, meine Waffe war die Feder, oder besser gesagt: die
       Schreibmaschine. Als Journalistin wollte ich die Ungerechtigkeit bekämpfen,
       Missstände aufdecken, Fakten für sich sprechen lassen.“ Im südlichen Afrika
       hatte sie so das Vertrauen der Befreiungsbewegungen gewonnen und eine
       wichtige Rolle bei der Vorbereitung einer Verhandlungslösung mit dem
       Apartheidregime gespielt.
       
       In Deutschland hielt sie als Zeitzeugin der Nazizeit und Autorin des Buches
       „Meine Schwester Sara“ in Hunderten von Schulen Lesungen ab und motivierte
       junge Menschen, wachsam zu sein gegenüber den Gefahren von
       Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus. Auch zum
       Israel-Palästina-Konflikt erhob sie ihre Stimme.
       
       ## 7. Oktober und Krieg in Gaza
       
       In „Erinnern heißt Handeln“ schrieb sie: „Beide Völker, das jüdische wie
       das arabisch-palästinensische, haben das Recht, in Palästina zu leben! Und
       so sehr ich den abscheulichen, durch nichts zu rechtfertigenden
       Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 verurteile und seine jüdischen
       Opfer beklage und betrauere, so sehr beklage und betrauere ich auch das
       Leid und den Tod der vielen unschuldigen zivilen Opfer von Israels Krieg im
       Gazastreifen, vor allem der vielen Kinder. Der Hass, der durch jedes
       weitere Todesopfer immer weiter wächst, wird die Tragödie für beide Völker
       nur noch weiter verlängern.“ Sie habe jedoch die Hoffnung, dass der
       Konflikt ähnlich wie in Südafrika beigelegt werden könne.
       
       Ruth Weiss wurde 2005 für den Friedensnobelpreis nominiert, zusammen mit
       anderen 999 Friedensfrauen im Rahmen der Schweizer Initiative „1000
       Peacewomen Across the Globe“. [3][2023] [4][verlieh ihr] [5][der
       südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa den höchsten Nationalorden
       Südafrikas.] In Aschaffenburg wurde eine Realschule nach ihr benannt. Und
       2024 erhielt sie das Große Bundesverdienstkreuz. Aus ihrem riesigen
       Freundeskreis entstand die „Ruth Weiss Gesellschaft“. „Wir verneigen uns in
       Liebe und Dankbarkeit vor diesem großen Menschen“, schrieb der
       Vereinsvorstand zu ihrem Tod.
       
       8 Sep 2025
       
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