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       # taz.de -- Das Biber-Comeback: Landwirte wollen Geld für Biber-Schäden
       
       > Einige tausend Biber gibt es wieder in Deutschland. Sie helfen der
       > Artenvielfalt, aber Bauern melden Verluste – und wollen den Nager
       > schießen dürfen.
       
   IMG Bild: Biber mit Eidenzweig
       
       Göttingen taz | Als um das Jahr 2000 die ersten Wölfe nach Deutschland
       zurückkehrten, wurde das als großer Erfolg für den Artenschutz gefeiert.
       Weil sie auch Weidetiere reißen, rufen Bauern- und Jägerverbände inzwischen
       nach Obergrenzen und „wolfsfreien Zonen“, noch in diesem Jahr könnten die
       Raubtiere ins Jagdrecht aufgenommen werden.
       
       Wiederholt sich die Geschichte nun bei den Bibern? Im 19. und 20.
       Jahrhundert nahezu verschwunden, ist Meister Bockert heute wieder in vielen
       ursprünglichen Verbreitungsgebieten anzutreffen.
       
       Der Bestand wird deutschlandweit auf einige tausend Exemplare geschätzt.
       Zunächst weithin als Rückkehrer begrüßt, melden Landwirte nun auch hier
       [1][lautstark Bedenken an]. Sie klagen darüber, dass Biber durch das
       Dämmebauen und Aufstauen der Flussläufe Flächen unter Wasser setzen und
       angenagte Bäume auch schon mal in Getreide- oder Rapsfeldern landen.
       
       Eine Wiese, auf der kein Heu geerntet werden kann, ein Kartoffelacker, auf
       dem die Knollen im Boden verfaulen, und Wege, die von umgestürzten Bäumen
       blockiert werden – all dies sind dem Landvolk Niedersachsen zufolge
       Beispiele für Folgen der Biberaktivitäten.
       
       ## Bauern wollen Geld
       
       „Das sind Kosten, auf denen die Landwirte oder die Realverbände sitzen
       bleiben“, sagt Kai Rodewald, stellvertretender Vorsitzender des
       Kreislandvolkverbands Hildesheim. Der Frust unter den Betroffenen sei
       entsprechend groß.
       
       Das Landvolk fordert von der Politik einen finanziellen Ausgleich durch von
       Bibern verursachte Schäden. Eine zügige und unkomplizierte Entschädigung
       durch die Landesregierung, unabhängig von der Betriebsgröße, sowie
       individuelle Ansätze wie Tauschflächenlösungen und die verlässliche
       Finanzierung von vorbeugenden Maßnahmen seien nötig.
       
       Doch damit nicht genug. In Niedersachsen müsse es eine regelmäßige
       Bestandsaufnahme der Biberpopulation geben, verlangt der Verband. Bei
       „ausreichenden Zahlen“ müsse der Biber ins Jagdrecht aufgenommen und sein
       Schutzstatus gesenkt werden.
       
       Bislang sind Biber sowohl nach dem Bundesnaturschutzgesetz als auch nach
       der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie streng geschützt. Das
       bedeutet: Es ist verboten, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu
       verletzen, zu töten oder ihre Lebensräume zu zerstören.
       
       ## Biber sind gut für die Artenvielfalt
       
       [2][Naturschützer verwahren sich] gegen eine Absenkung des Schutzstatus und
       eine Bejagung der Biber. „Das sind doch super Naturschützer“, sagt der
       [3][Göttinger Biologe und Biber-Experte Bertram Preuschhof].
       
       Durch ihre fleißige Bautätigkeit und das Aufstauen von Bächen schüfen sie
       vielfältige Lebensräume wie Kleingewässer, Totholz und Feuchtwiesen, in
       denen sich Libellen, Amphibien und Reptilien, Fische und Vögel wohlfühlten.
       Wo der Mensch viel Geld und Energie für den Erhalt der Biodiversität
       aufwenden müsse, helfe der Biber zum Nulltarif.
       
       22 Aug 2025
       
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