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       # taz.de -- Sozialhilfe in Hamburg: Für die armen Leute nur das Allerbilligste
       
       > Die Pauschale für die Erstausstattung von Wohnungen wurde seit 20 Jahren
       > nicht erhöht. Trotz beachtlicher Inflation, kritisieren Aktivisten.
       
   IMG Bild: Gebrauchtes Geschirr aus dem Sozialkaufhaus: Reicht Hamburgs Pauschale dafür?
       
       Hamburg taz | Preissteigerungen setzen vor allem den armen Menschen zu.
       Drum schrieb die neue rot-grüne Koalition in Hamburg im April in ihren
       Koalitionsvertrag, dass sie eine Erhöhung jener Pauschalen „prüfen“ wird,
       die die Empfänger von Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und Bürgergeld
       für die Erstausstattung ihrer Wohnung bekommen.
       
       Doch prüfen heißt in Hamburg nicht erhöhen. Das Sozial-Bündnis [1][„Hamburg
       traut sich was]“ hat durch Recherchen im Archiv der Stadt festgestellt,
       dass diese Pauschalen sogar seit 2005 nie erhöht wurden. Auch die
       Erstausstattung für Kleidung bei Schwangerschaft und Geburt blieb 20 Jahre
       gleich.
       
       „Wir gratulieren zu 20 Jahren…Wegschauen, Ignoranz, Gleichgültigkeit und
       Ausgrenzung“, heißt es nun ironisch auf einer bunten Postkarte, die [2][das
       Bündnis aus engagierten Sozialarbeitern] an die Sozialbehörde und die
       Parteien in der Hamburgischen Bürgerschaft schickte. Denn statt der 809
       Euro, die es seit 2005 für Möbel und Hausrat für die Betroffenen gibt,
       müsste diese Summe bei Berücksichtigung der Inflation heute 1.202,62 Euro
       betragen.
       
       Der CDU-Sozialpolitiker Andreas Grutzeck hatte im Juni eine [3][Anfrage zum
       Thema] gestellt und erfahren, dass die letzte Prüfung, ob 809 Euro reichen,
       2015 erfolgte. Die letzte Prüfung der Ausstattungshöhe für Schwangere
       erfolgte 2009. Beides ist also mehr als ein Jahrzehnt her. Doch bevor nun
       zügig einer Erhöhung erfolgt, führt die zuständige Behörde erst mal eine
       „Marktanalyse“ durch.
       
       ## Behörde will erstmal prüfen
       
       Dies antwortete die Hamburger Senat der Linken-Abgeordneten Olga Fritzsche,
       die im Juli [4][in einer Anfrage] nachbohrte. Die Linksfraktion habe schon
       mehrfach Anträge für eine Anhebung der Pauschalen auf ein realistisches
       Niveau gestellt, sagt Fritzsche. „Dass der Passus als Prüfauftrag im
       Koalitionsvertrag steht, ist der reine Hohn. Wie lange kann man denn so
       etwas prüfen?“.
       
       Fest steht, die Höhe dieser Leistungen liegt in der Hand der Städte und
       Kommunen. Für „Hamburg traut sich was“ ist die lange Untätigkeit der
       Hamburger Sozialbehörde Ausdruck einer Missachtung der Lebensrealität von
       Menschen, die von Einkommensarmut betroffen sind. „In anderen Großstädten
       sind die Pauschalen höher“, sagt Bündnis-Sprecher Wolfgang Völker.
       
       In Nürnberg etwa erhält eine alleinstehende Person 1.230 Euro für die bei
       Bezug einer Wohnung anzuschaffenden Posten wie Küchen- und Flurmöbel,
       Schlafzimmermöbel, Wohnzimmersitzgelegenheiten, Bettzeug und Hausrat. Auch
       in Köln, Stuttgart, Leipzig und Berlin gibt es dafür Pauschalen von weit
       über 1.000 Euro, in München sogar mehr als 2.000 Euro. Es gibt allerdings
       auch Städte wie Bremen, die wie Hamburg deutlich darunter bleiben.
       
       Doch mittlerweile wächst in Hamburg die Einsicht, dass hier Handlungsbedarf
       besteht. Die Sozialbehörde äußert sich zwar nicht zu der Frage, warum der
       Betrag seit 20 Jahren nicht erhöht wurde, verweist aber auf ihre jetzt
       gestartete Marktanalyse. „Konkret wird angeschaut, welche Anschaffungen
       typischerweise bei der Erstausstattung anfallen und wie sich die
       entsprechenden Kosten in den vergangenen Jahren entwickelt haben“, sagt
       Sprecher Wolfgang Arnhold.
       
       ## Armutsbetroffene treffen Kostensteigerungen besonders hart
       
       Auch die SPD-Fraktion befürwortet eine Überprüfung angesichts der hohen
       Inflation. Ihr Sozialpolitiker Baris Önes betont aber, dies müsse
       sorgfältig geschehen, „denn das Ergebnis muss am Ende überprüfbar und
       angemessen sein“. Die Grünen sehen indes dringenden Handlungsbedarf.
       
       „Die Kostensteigerungen der letzten Jahre sind ein großes Problem für viele
       Menschen in Hamburg. Armutsbetroffene Gruppen trifft das besonders hart“,
       sagt die Grüne Abgeordnete Kathrin Warnecke. „Wenn Frauen länger im
       Frauenhaus bleiben, weil sie sich die Ausstattung für eine neue Wohnung
       nicht leisten können, haben wir ein echtes Problem.“ Das Gleiche gelte für
       Menschen aus dem Housing-First-Programm, Menschen mit Behinderung oder
       Alleinerziehende.
       
       Olga Fritzsche sagt: „Wer 2025 noch auf der Basis von Beträgen aus 2009
       oder 2015 kalkuliert, hat die Realität völlig aus dem Blick verloren.“
       Nötig sei deshalb eine automatische Anpassung an die Inflation. „Alles
       andere ist Hinhaltetaktik auf dem Rücken der Schwächsten.“
       
       CDU-Politiker Andreas Grutzeck sagt, die Analyse bleibe abzuwarten, diese
       aber müsse „endlich durchgeführt werden“. Indes warnt Bündnis-Sprecher
       Wolfgang Völker davor, bei einer Marktanalyse nach dem Motto „Geiz ist
       geil“ zu verfahren oder „was am billigsten ist, ist gut für die Armen“.
       
       Denn Möbel, die schnell kaputt gehen oder Geräte, die viel Energie
       verbrauchen, nützten wenig. Und es sollte auch gefragt werden, unter
       welchen Bedingungen billige Möbel produziert werden. „Ich habe auch kein
       Problem damit, Gebrauchtmöbel zu nutzen“, sagt Völker. „Aber ich habe ein
       Problem, wenn dies nur von den Armen verlangt wird.“
       
       2 Sep 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Sozialbuendnis-stellt-Forderungen/!5654153
   DIR [2] https://hamburgtrautsichwas.de/
   DIR [3] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/91150/23_00523_wie_sehr_setzt_sich_rot_gruen_wirklich_fuer_eine_verbesserung_der_sozialen_teilhabe_ein#navpanes=0
   DIR [4] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/92800/23_00979_erstausstattung_wann_kommt_die_ueberfaellige_anpassung_durch_den_senat#navpanes=0
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Kaija Kutter
       
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