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       # taz.de -- Angebliche Anstiftung zu Mord: Hohe Strafe für Oppositionschef in Tschad
       
       > Succès Masra wird zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er soll einen blutigen
       > Landkonflikt angestachelt haben.
       
   IMG Bild: Succes Masra 2024 im Wahlkampf
       
       Berlin taz | Tschads bekanntester Oppositionsführer bleibt bis auf Weiteres
       hinter Gittern. [1][Succès Masra], Gründer und Anführer der
       Oppositionspartei Les Transformateurs, wurde am Samstag in der Hauptstadt
       N’Djamena zu 20 Jahren Haft verurteilt.
       
       Damit ist der wichtigste Kritiker von Präsident [2][Mahamat Déby] zum
       Schweigen gebracht. Der 41-jährige Masra hatte den friedlichen
       Demokratieprotest in Tschad angeführt, nachdem der ebenfalls 41-jährige
       Déby zum Präsidenten ausgerufen worden war. Débys Vater und Vorgänger
       Idriss Déby wurde im Jahr 2021 nach 31 Jahren an der Macht getötet. Masra
       musste ins Exil gehen, nachdem bei der Niederschlagung von Protesten am 20.
       Oktober 2022 über 300 Menschen starben. 2023 kehrte er im Rahmen eines
       Friedensabkommens zurück und wurde überraschend Premierminister.
       
       Aber als er bei der Präsidentschaftswahl vom Mai 2024 [3][gegen Déby
       kandidierte,] wurde er entlassen. Er verlor die Wahlen gegen Déby, seine
       Partei boykottierte danach die Parlaments- und Kommunalwahlen und blieb
       außerhalb der Institutionen. Das konnte nicht lange gutgehen.
       
       Den Anlass, Succès Masra kaltzustellen, boten blutige Zusammenstöße im Dorf
       Mandakao im äußersten Südwesten Tschads am 14. Mai dieses Jahres. Ein
       Streit zwischen Bauern der Ethnie der Ngambaye und Viehzüchtern der
       Peul-Volksgruppe über die Demarkation von Weide- und Ackerland eskalierte.
       Nach offiziellen Angaben starben 42 Menschen, zumeist Frauen und Kinder der
       Peul. Solche Landkonflikte sind in Afrikas gesamter Sahelzone häufig und
       werden üblicherweise in Tschads Politik ignoriert, aber diesmal nutzte es
       die Regierung, um gegen die Opposition vorzugehen – denn Succès Masra ist
       selbst Ngambaye.
       
       ## Angebliche Anstiftung zu Mord
       
       Territorialminister Limat Mahamat sprach am 16. Mai von einem „geplanten,
       organisierten und methodisch ausgeführten Massaker“, ausgelöst durch „eine
       Videoaufzeichnung, die zu Hass und Revolte gegen als Fremde bezeichnete
       Bevölkerungen aufrief“. Der Aufruf stamme von Succès Masra, so die
       Justizbehörden. Der Oppositionsführer wurde festgenommen und wegen
       Aufwiegelung und Anstiftung zum Mord vor Gericht gestellt.
       
       Im Prozess wurde bekannt, die Videobotschaft stamme vom Mai 2023 und habe
       die Ngambaye allgemein aufgefordert, jedem den Schusswaffengebrauch zur
       Selbstverteidigung beizubringen. Ein Zusammenhang mit dem Massaker vom Mai
       2025 sei nicht ersichtlich, so Masras Anwälte. Objektive Aufklärung war
       nicht möglich – Journalisten, die selbstständig in Mandakao recherchieren
       wollten, wurden festgenommen. Während des Prozesses gab es fünf Kilometer
       entfernt ein weiteres Massaker – diesmal von Peul an Ngambaye-Bauern, 17
       Menschen starben.
       
       Vor Aktivisten von Les Transformateurs verlas Masras Stellvertreter
       Bedoumra Kordjé am Samstagabend eine Botschaft des Verurteilten aus der
       Haft. „Ich bin auf Dienstreise und komme bald zurück“, erklärte Masra
       darin. Sie werden länger warten müssen.
       
       10 Aug 2025
       
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