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       # taz.de -- Waldbrände in Griechenland: Feuerhölle Hellas
       
       > Wegen Gluthitze, extremer Dürre und starker Winde brennen vielerorts die
       > griechischen Wälder. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz, nun soll die EU
       > helfen.
       
   IMG Bild: Ein Löschflugzeug versprüht Wasser auf einem Hügel in Thymari, südlich von Athen
       
       Athen taz | Am Sonntag standen die griechischen Behörden abermals vor einem
       weiteren äußerst schwierigen Tag bei der Brandbekämpfung. In insgesamt elf
       griechischen Regionen bestand eine sehr hohe [1][Gefahr für Waldbrände].
       Mancherorts herrschten Temperaturen bis 45 Grad. Eine Vielzahl von
       Waldbränden, die in den letzten Tagen gewütet haben, waren dabei noch gar
       nicht gelöscht.
       
       „Die staatlichen Behörden haben einen gigantischen Kampf geführt“, schreibt
       der griechische [2][Premierminister Kyriakos Mitsotakis] am Sonntag auf
       Facebook. An die Betroffenen der Brände gerichtet fügt er hinzu: „Wir
       stehen an der Seite derer, deren Eigentum zerstört worden ist.“
       
       Doch erst einmal gilt es, gegen die Feuersbrunst in vielen Teilen
       Griechenlands vorzugehen. Hellas’ Kräfte reichen dafür offenkundig nicht
       mehr aus. Nun hat Athen die Europäische Union um Hilfe gebeten.
       Insbesondere Löschflugzeuge sollen die Griechen im Kampf gegen die Feuer
       unterstützen.
       
       Am schwierigsten gestaltete sich die Lage auf der Insel Kythira, die
       südlich der Halbinsel Peloponnes liegt. Dort waren am Sonntag fünf
       Flugzeuge im Einsatz. Die Einwohner von Kythira baten aus Angst vor einer
       Ausweitung der Feuerwalze indes um Verstärkung. Viele Inselbewohner nehmen
       selber an der Brandbekämpfung teil, um ihre Häuser und sonstiges Eigentum
       vor den Flammen zu retten – bis an den Rand der Erschöpfung.
       
       ## „Albtraumhafte Zustände“
       
       Der Bürgermeister von Kythera, Efstratios Zarchalakis, erlitt am
       Samstagabend einen Ohnmachtsanfall während der Koordinierung des Einsatzes
       zur Löschung des Brandes auf der Insel. Er wurde sofort in das Athener
       Krankenhaus Evangelismos gebracht, unterzog sich dort einer Reihe
       medizinischer Untersuchungen und wurde anschließend in eine kardiologische
       Klinik eingeliefert.
       
       Andernorts entspannte sich die Lage an der hellenischen Feuerfront am
       Sonntagfrüh wieder. Zuvor hatte sich der Samstag dramatisch entwickelt.
       Griechische Medien sprachen von „albtraumhaften Zuständen“.
       
       Am Sonntag kämpfte die griechische Feuerwehr noch gegen vereinzelte
       Brandherde im Ort Pissona auf der Insel Euböa, Molos in der Region Lakonien
       (Peloponnes) sowie Aetos in der Region Messenien (Peloponnes), ebenso in
       den Außenbezirken der westkretischen Stadt Chania, einer der
       Tourismushochburgen Griechenlands. Dort hat die Feuerwalze eine gewaltige
       Zerstörung hinterlassen.
       
       ## Ein Trend der letzten Jahre
       
       Häuser, Bienenstöcke, Vieh und eine Kirche fielen dem Feuer zum Opfer.
       Verbrannte Erde, zerstörte Häuser, beschädigte Autos: Dieses Bild bot sich
       dem Beobachter nach einem Waldbrand im attischen Kryoneri. Die Ortschaft
       liegt nur 20 Kilometer nordöstlich der Athener Innenstadt.
       
       Auffällig ist die hohe Anzahl an Waldbränden, die binnen kürzester Zeit
       ihren Anfang nahmen. Am Sonntag waren innerhalb von 24 Stunden in ganz
       Griechenland 52 Brände ausgebrochen. 10.282 Hektar wurden in diesem Jahr
       bereits durch die Flammen zerstört, wie das Europäische
       Waldbrandinformationssystem (Effis) erfasst. Die Effis-Datenbank zählt nur
       Waldbrände, die eine Fläche von mindestens 30 Hektar betreffen. Unzählige
       kleinere Waldbrände bleiben unberücksichtigt.
       
       Griechenland ist [3][seit einigen Jahren] verheerende Waldbrände gewöhnt.
       2021 brannten 85 Großbrände 130.744 Hektar nieder. Es folgten 22.480 Hektar
       im Jahr 2022, 174.773 Hektar im Jahr 2023 und 41.948 Hektar im Jahr 2024.
       Unter dem Strich belief sich die zwischen 2021 und 2024 verbrannte Fläche
       auf enorme 369.945 Hektar. Das entspricht 3.699 Quadratkilometern oder der
       Gesamtfläche der drei Bundesländer Saarland, Hamburg und Bremen.
       
       Und es geht weiter. Für Montag, den 28. Juli hat die griechische Feuerwehr
       für die Regionen Attika (Großraum Athen), Westgriechenland, Peloponnes,
       Mittelgriechenland, Thessalien sowie Kreta erneut ein sehr hohes
       Brandrisiko der zweithöchsten Risikokategorie 4 vorhergesagt.
       
       27 Jul 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Ferry Batzoglou
       
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