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       # taz.de -- Verhaftungswelle in Mali: Generäle inhaftiert, Spekulationen um Putschversuch
       
       > In Malis Hauptstadt Bamako werden hochrangige Militärangehörige
       > festgenommen. Von einer versuchten „Destabilisierung der Institutionen“
       > ist die Rede.
       
   IMG Bild: Trotz Repressionen und Verhaftungen gibt es auch Unterstützer von General Assimi Goita in Mali
       
       Berlin taz | Nach fast genau fünf Jahren Militärherrschaft weckt eine Reihe
       von Verhaftungen von Generälen Spekulationen über einen neuen Putschversuch
       in Mali. Bis zu 55 Menschen, die meisten davon hochrangige
       Militärangehörige, sollen in den vergangenen Tagen in der Hauptstadt Bamako
       verhaftet worden sein. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sprach eine
       Quelle im Sicherheitsapparat von einem „Versuch der Destabilisierung der
       Institutionen“.
       
       Der bekannteste Inhaftierte ist [1][General Abass Dembélé], lange Jahre an
       vorderster Front beim Kampf der malischen Streitkräfte gegen
       Tuareg-Rebellen und islamistische Gruppen und 2024 zum General befördert.
       Ende 2020 war Dembélé Militärgouverneur der zentralmalischen Region Mopti
       geworden, die besonders von Gewalt betroffen ist.
       
       Ende Mai dieses Jahres wurde er von der Militärregierung abgesetzt. Schon
       damals sagten manche ihm nach, er sei populärer als der Staatschef.
       
       Soldaten holten den General am frühen Sonntagmorgen in der Militärbasis
       Kati außerhalb von Bamako ab. „Um 4 Uhr morgens halten drei Pick-ups vor
       seinem Haus in Kati“, [2][berichtete der malische Journalist Serge Daniel]
       unter Berufung auf Militärquellen. „Zwei Feldwebel salutieren vor der Tür
       und bitten Abass mitzukommen. Der General lächelt und folgt ihnen.“
       
       ## Seit fünf Jahren regiert das Militär
       
       Kati war [3][am 18. August 2020 Ausgangspunkt der Militärrevolte] gewesen,
       die noch am gleichen Tag zum Sturz der gewählten Zivilregierung Malis
       führte. Seitdem ist Mali ein Militärregime, mit dem Anführer des Putsches
       von 2020, dem damaligen [4][Oberst Assimi Goita], als Übergangsstaatschef
       seit einem zweiten Putsch im Jahr 2021.
       
       Seit Juli 2025 ist Goïta, inzwischen General, regulärer Präsident Malis,
       mit einem beliebig oft ohne Wahlen erneuerbaren Mandat von fünf Jahren,
       gemäß der neuen Verfassung des Landes.
       
       Seitdem brodelt es in Malis Armee, denn der Putsch von 2020 war ein
       kollektives Werk unzufriedener Generäle gewesen, von denen jetzt nur noch
       Goïta als starker Mann übrigbleibt. Nicht ganz zufällig wurde Mali am 1.
       Juli, kurz vor der Beschlussfassung über Goïtas Präsidentschaft auf
       Lebenszeit, von Überfällen der islamistischen Gruppe JNIM (Gruppe für die
       Unterstützung des Islams und der Muslime) erschüttert. Sogar der Westen des
       Landes um Kayes und die Grenzregion zu Senegal war betroffen. Bereits
       Anfang Juni hatte JNIM [5][eine Reihe blutiger Angriffe] auf Militärbasen
       verübt.
       
       Experten zufolge kann JNIM mittlerweile praktisch landesweit zuschlagen und
       genießt bei gezielten Angriffen auf Militäreinrichtungen die Unterstützung
       nicht unwesentlicher Bevölkerungsteile, die unter der Willkür der
       Sicherheitskräfte leiden.
       
       Und während immer wieder zivile Politiker in Haft wandern oder ins Exil
       gehen, mehren sich Verdächtigungen darüber, wer möglicherweise alles
       inzwischen die Islamisten gegen die Militärmachthaber unterstützt, auch
       ohne ihre Ideologie zu teilen.
       
       In Malis Armee regt sich zudem Unmut wegen der engen militärischen
       Zusammenarbeit der Regierung Goïta mit Russland, wovon lediglich Teile der
       Streitkräfte profitieren. Die genauen Hintergründe der laufenden
       Verhaftungswelle blieben am Montag unklar, eine angekündigte offizielle
       Stellungnahme ließ auf sich warten.
       
       Während in Bamako die Gerüchteküche brodelte, warnte die Wochenzeitung
       L’Aube in einem [6][Kommentar mit dem Titel „Zu den Waffen, Bürger!“], der
       Terror drohe, Mali „unregierbar“ zu machen, und forderte eine neue
       militärische Strategie, mit Spezialeinheiten, Drohnen und allgemeiner
       erhöhter Wachsamkeit.
       
       11 Aug 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Abass_Demb%C3%A9l%C3%A9
   DIR [2] https://x.com/sergedanielinfo/status/1954676724630794726
   DIR [3] /Meuterei-in-Mali/!5702743
   DIR [4] /Anfuehrer-der-Militaerjunta-in-Mali/!5708407
   DIR [5] /Konflikt-zwischen-Regierung-und-Rebellen/!6094984
   DIR [6] https://www.maliweb.net/politique/chroniques/flash-aux-armes-citoyens-3108195.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
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