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       # taz.de -- Steuergeld für Gasumlage: Doppelt dumm
       
       > Die Bundesregierung will den Gaspreis senken. Die Kosten dafür sollen
       > aber nicht nur die Besitzer von Gasheizungen berappen, sondern alle
       > Steuerzahler.
       
   IMG Bild: Kosten für die Steuerzahler: Viele Hausbesitzer heizen noch mit Gas
       
       Die Bundesregierung will den Gaspreis senken. Konkret geht es um [1][die
       Gasspeicherumlage], die dazu da ist, Vorräte für die Endkunden anzulegen,
       etwa für die Winterzeit. Die sollen nun aber nicht mehr die Besitzer von
       Gasheizungen berappen, sondern der Steuerzahler: 3,4 Milliarden Euro sollen
       aus dem Klima- und Transformationsfonds kommen.
       
       Das ist nicht nur dreist, es ist vor allem politisch dumm. Erstens wurden
       im ersten Halbjahr erstmals mehr [2][Wärmepumpen in Deutschland] eingebaut
       als Gasheizungen. Das bedeutet: Die Infrastruktur für die Gasheizungen –
       Überlandleitungen, Verdichterstationen, Verteilnetz etc. – muss von immer
       weniger Nutzern bezahlt werden. Das ist ein bisschen wie bei den
       Tageszeitungen: Weil diese immer seltener abonniert werden, tragen die
       Zusteller immer weniger aus – so lange, bis die Zustellung so teuer wird,
       dass sich die gedruckte Zeitung einfach nicht mehr lohnt.
       
       Zweitens suggerieren die 40 bis 60 Euro, die jetzt Einfamilienhausbesitzer
       einsparen: Das mit dem Erdgas, das wird schon so weitergehen. Dabei ist der
       CO2-Preis für Erdgas zum 1. Januar von bisher 45 auf 55 Euro pro Tonne
       angestiegen, was einen Haushalt mit etwa 250 Euro belastet. Im kommenden
       Januar wird der Preis um weitere 10 Euro steigen, bevor er sich dann ab
       2027 im Emissionshandel über den Markt bildet – und explodieren wird. Das
       basiert auf EU-Recht, die Regierung Merz kann das nicht ändern.
       
       ## Es wird teurer für Hausbesitzer aus der Mittelschicht
       
       Drittens ist klar, dass sich die Regierung angesichts der Haushaltslage
       neue Subventionen gar nicht dauerhaft leisten kann. Deshalb sind die
       Gaspreispläne auch machtpolitisch dumm: Viele Hausbesitzer auf dem Lande
       heizen noch mit Gas – nicht die in den teuren Neubauten, denn dort wird
       natürlich mit der Wärmepumpe und im Idealfall einer Solaranlage geheizt.
       
       Es sind diejenigen, die hart für das Häuschen gearbeitet haben: Wenn dann
       plötzlich im Jahr 2028 die Gasrechnung um mehrere Hundert Euro teurer wird,
       werden sie garantiert nicht mehr die Union wählen, sondern [3][aus Protest
       die AfD]. Man kann nicht glauben, wie aktiv diese Regierung ihren eigenen
       Untergang betreibt.
       
       7 Aug 2025
       
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       ## AUTOREN
       
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