URI:
       # taz.de -- Minderheitskoalition in Portugal: Mit Hilfe Rechtsextremer das Ausländergesetz verschärft​ ​
       
       > Die Mitte-rechts-Regierungskoalition bringt ein Gesetz für erschwerten
       > Familiennachzug und eingeschränkte Arbeitsvisa für Migranten durchs
       > Parlament.
       
   IMG Bild: Macht gemeinsame Sache mit der ultrarechten Partei Chega (Genug): Portugals Ministerpräsident Luis Montenegro (PSD)
       
       Madrid taz | „Mit der Chega auf keinen Fall,“ hatte Portugals
       [1][Ministerpräsident Luis Montenegro] im Wahlkampf immer wieder erklärt.
       Doch nur zwei Monate nach seinem [2][Wahlsieg] ließ am Mittwoch der
       Vorsitzende der konservativen Sozialdemokratischen Partei Portugals (PSD)
       gemeinsam mit eben dieser ultrarechten Partei Chega (Genug) im Parlament
       ein Gesetzespaket verabschieden, das die Einwanderung beschränken soll und
       den im Lande lebenden Migranten bisherige Rechte nimmt.
       
       Die Initiative wurde mit den Stimmen der Abgeordneten des in der Minderheit
       regierenden Bündnisses aus Demokratischer Allianz (AD), Montenegros PSD,
       der christdemokratischen CDS-PP sowie der Chega angenommen. Die gesamte
       Linke – allen voran die Sozialistische Partei (PS) – stimmte dagegen, die
       Liberalen (IL) enthielten sich.
       
       Das neue Ausländergesetz erschwert die Einwanderung für Menschen aus den
       portugiesischsprachigen Ländern Brasilien und Ost-Timor, die künftig außer
       für touristische Zwecke ein Aufenthaltsvisum benötigen.
       
       Außerdem wird die Familienzusammenführung für Migranten deutlich erschwert.
       Wer eine solche beantragt, muss künftig mindestens zwei Jahre legal im Land
       gelebt haben. Bisher konnte sie sofort nach dem Erhalt einer Aufenthalts-
       und Arbeitsgenehmigung beantragt werden.
       
       ## Nachweis „stabiler und regelmäßiger Einkünfte“ gefordert
       
       Zudem müssen Antragsteller fortan nachweisen, dass sie über eine
       entsprechende Wohnung und das Einkommen für alle Familienmitglieder
       verfügen. Es müssen „stabile und regelmäßige Einkünfte“ nachgewiesen
       werden, die den eigenen Lebensunterhalt und den der Familienangehörigen
       decken, „ohne dass Sozialhilfe in Anspruch genommen werden muss“, heißt es
       im Text. Die Bearbeitung für Anträge kann künftig bis zu neun statt drei
       Monate betragen.
       
       Befinden sich die Verwandten, mit denen die Familienzusammenführung
       erfolgen soll, bereits in Portugal, wird dies nur anerkannt, wenn sie
       minderjährig sind und legal eingereist waren. Dazu reicht ein
       Touristenvisum. All das soll die Einwanderung von Personen für
       hochqualifizierte Tätigkeiten fördern, lautet die offizielle Begründung für
       die Gesetzesverschärfung. Diese Berufsgruppen werden bei der
       Familienzusammenführung bevorzugt behandelt.
       
       Ende 2024 zählte die Agentur für Integration, Migration und Asyl (AIMA) 1,5
       Millionen ausländische Einwohner in Portugal. Das sind viermal mehr als
       2017 und entspricht 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mehrere
       Hunderttausend Anträge auf Aufenthaltsgenehmigung werden derzeit
       bearbeitet. Premier Montenegro kündigte Anfang Juni die Abschiebung von
       34.000 Menschen an, deren Antrag abgelehnt wurde.
       
       Ein zweites Gesetz, das ebenfalls am Mittwoch verabschiedet wurde, sieht
       für genau diese Fälle die Einrichtung einer speziellen Grenzschutzeinheit
       innerhalb der Polizei für öffentliche Sicherheit (PSP) vor.
       
       ## Auch Staatsbürgerschaftsgesetz soll verschärft werden
       
       Nach der Zustimmung des Parlaments liegt das neue Ausländergesetz jetzt
       Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa vor. Der konservative Politiker hat
       20 Tage Zeit, es mit seiner Unterschrift in Kraft zu setzen oder ein Veto
       einzulegen und das Verfassungsgericht anzurufen.
       
       Nach der Sommerpause werden die Immigranten erneut das Parlament
       beschäftigen. Dann will Montenegro das Staatsangehörigkeitsgesetz
       reformieren. Das Recht auf Staatsbürgerschaft für Kinder von Migranten, die
       in Portugal geboren wurden, soll abgeschafft werden. Auch sollen für eine
       schwere Straftat verurteilte Migranten eine bereits erteilte
       Staatsbürgerschaft wieder verlieren können.
       
       17 Jul 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Regierung-in-Portugal-gestuerzt/!6075348
   DIR [2] /Parlamentswahl-in-Portugal/!6088913
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Reiner Wandler
       
       ## TAGS
       
   DIR Portugal
   DIR Immigration
   DIR Marcelo Rebelo de Sousa
   DIR Brasilien
   DIR Osttimor
   DIR Staatsbürgerschaft
   DIR Social-Auswahl
   DIR Portugal
   DIR Portugal
   DIR Spanien
   DIR Donald Tusk
   DIR Portugal
   DIR wochentaz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Generalstreik gegen neues Arbeitsrecht: Gewerkschaften legen Portugal lahm
       
       Die geplante Reform des portugiesischen Arbeitsrechts stößt auf massiven
       Widerstand. Gewerkschaften warnen vor mehr Belastungen und unsicheren Jobs.
       
   DIR Migratiospolitik: Portugiesische Richter kippen Ausländergesetz
       
       Die Mitte-rechts-Regierung scheitert mit einem Gesetz für erschwerten
       Familiennachzug vor dem portugiesischen Verfassungsgericht.
       
   DIR Korruption in Spanien: Gesetze auf Bestellung – und gegen Bezahlung
       
       Ein Ermittlungsrichter wirft dem spanischen Ex-Finanzminister Montoro
       Korruption vor. Der Konservative soll Unternehmen einen speziellen Service
       angeboten haben.
       
   DIR Wahlen in Rumänien, Portugal und Polen: Europäische Linke in der Zwickmühle
       
       Nach den Wahlen in Rumänien, Portugal und Polen: Um Rechtsradikale zu
       verhindern, müssen Linke Konservative stützen. Das verwässert jedoch das
       Profil.
       
   DIR Parlamentswahlen in Portugal: Suche nach der verlorenen Stabilität
       
       Die Portugiesen hoffen auf Stabilität, doch eine Regierungsmehrheit wird es
       wohl weder für die Sozialisten noch für die Konservativen geben.
       
   DIR Bananen aus Madeira: Der Geschmack von Sonne und Karamell
       
       Auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira ist man besonders stolz auf
       seine Bananen. Die sind zwar kleiner, dafür umso aromatischer.