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       # taz.de -- Geld für sozialen Klimaschutz: Bundesregierung reißt EU-Frist
       
       > Die Bundesregierung muss einen Plan für sozialen Klimaschutz vorlegen,
       > reißt aber die EU-Frist. Die Grünen fürchten teure Folgen für die
       > Bürger*innen.
       
   IMG Bild: Parken statt fahren für Geringverdiener, wenn durch die CO₂-Bepreisung der Preis für Benzin und Diesel steigt
       
       Berlin taz | Bis zum 30. Juni hätte die Bundesregierung einen Plan für das
       Geld aus dem EU-Klimasozialfonds vorlegen müssen, diese Frist hat sie
       gerissen. Der Klimasozialfonds wird mit Einnahmen aus dem europäischen
       CO2-Handel gefüllt und soll dazu dienen, die Folgen der CO2-Bepreisung von
       Heizgas und -öl sowie Benzin und Diesel abzufedern.
       
       Ab [1][2027 wird deren Preis vielleicht merklich steigen], weil die
       CO2-Bepreisung dann nicht mehr von der Bundesregierung festgelegt wird,
       sondern in einem europäischen Markt gebildet wird, dem sogenannten ETS2.
       
       Zu diesem Zweck können EU-Länder ab 2026 Gelder aus dem Klimasozialfonds
       abrufen – aber erst, wenn sie ihren Klimasozialplan vorgelegt haben. Der
       fehlt aber aus Deutschland noch. „Der Zeitdruck ist ein Problem“, erklärte
       Brigitte Knopf der taz. Knopf ist Direktorin der Denkfabrik Zukunft
       KlimaSozial und Mitglied des [2][Expertenrats Klima] der Bundesregierung.
       Die Verzögerung könne dazu führen, dass die verwaltungstechnischen
       Voraussetzungen fehlen, um Gelder für zielgerichtete Maßnahmen auszuzahlen.
       „Europäisch ist es zudem ein schlechtes Signal, dass Deutschland – als
       großer Verfechter des ETS2 – den Plan nicht rechtzeitig einreicht“, sagte
       Knopf der taz.
       
       ## Ministerium wiegelt ab
       
       Zuständig für den Klimasozialplan ist das Umweltministerium von Carsten
       Schneider (SPD). Ein Sprecher sagte der taz, die Auszahlung aus dem Fonds
       sei „nicht an den Termin gebunden, an dem die Vorschläge eingereicht
       werden, sondern daran, ob ein Förderprogramm in Deutschland erfolgreich
       umgesetzt worden ist“. Übersetzt: Geld gibt es sowieso erst, wenn Maßnahmen
       umgesetzt wurden, also ist die Frist für den Plan nicht übermäßig wichtig.
       
       Michael Bloß, Europa-Parlamentarier der Grünen, sieht das kritischer: „Wenn
       die Bundesregierung nicht einmal den Klimasozialplan umsetzt, bekommt der
       [3][Klimaschutz] eine große Schieflage.“ Klimaschutz dürfe nicht zu
       Umverteilung von unten nach oben führen, „eher andersherum“.
       
       Klimaschutz nur über den europäischen CO2-Handel umzusetzen, wie
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) es plane, sei „fatal“, sagte Bloß. „Das
       macht einfach alles teurer, für Mieter und Menschen mit niedrigen Einkommen
       funktioniert das nicht.“ Das Bekenntnis zum CO2-Handel werde die CDU dann
       nicht durchhalten.
       
       Im Klimasozialplan muss die Bundesregierung definieren, wen sie als
       „energie- und mobilitätsarm“ ansieht, also wer durch die CO2-Bepreisung zu
       wenig Geld für ausreichendes Heizen und Mobilität haben wird. Der Plan soll
       dann Maßnahmen vorschlagen, wie diese Haushalte entlastet werden können.
       
       ## Expertin sorgt sich um falsche Sicherheit
       
       Zukunft KlimaSozial schlägt zum Beispiel vor, die Sanierung von Häusern für
       Menschen mit niedrigen Einkommen zu fördern und ein E-Auto-Leasing für
       Regionen mit schlechter ÖPNV-Anbindung einzurichten.
       
       Das Geld für Deutschland aus dem Klimasozialfonds wird sich aber nur auf
       etwa eine Milliarde Euro pro Jahr von 2026 bis 2027 belaufen, weil nur ein
       kleiner Teil der CO2-Handel-Einnahmen hineinfließt. „Die Bundesregierung
       sollte sich nicht auf dem Klimasozialfonds ausruhen“, sagte Expertin Knopf.
       
       „Das Geld reicht überhaupt nicht, wir müssen die Transformation hin zur
       Klimaneutralität in die Mitte der Gesellschaft bringen“, forderte sie. Der
       Fond sei aber sehr gut geeignet, um Maßnahmen auszuprobieren und sie mit
       Einnahmen aus dem CO2-Handel größer aufzuziehen, wenn sie sich als sinnvoll
       erweisen.
       
       Damit kann auch der Grüne Michael Bloß etwas anfragen: „Eigentlich müssten
       die kompletten Einnahmen aus der CO2-Bepreisung von Heizen und Mobilität
       für sozialen Klimaschutz verwendet werden“, forderte er. „Die Idee ist,
       dass die Leute von hohen CO2-Preisen gar nicht betroffen sind, weil sie
       vorher auf klimafreundliche Alternativen umsteigen.“
       
       30 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Jonas Waack
       
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