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       # taz.de -- AfD legt sich mit Burschenschaftern an: Holt das Popcorn raus!
       
       > Burschenschafter sind sauer, weil Niedersachsens AfD einen der ihren
       > nicht einstellen will. Die Haltung der AfD ist erfreulich, aber
       > unglaubwürdig.
       
   IMG Bild: Zeigt sich lieber mit bunter Karnevalskrawatte als mit Burschenschaftlern: AfD-Fraktionschef Stefan Marzischewski-Drewes 2023
       
       Extrem rechte Publikationen sind oft eher gestelzt geschrieben, und es
       mangelt an einem halbwegs ansehnlichen Layout – von den Inhalten ganz zu
       schweigen. Nichtsdestotrotz lohnt sich deren Lektüre für
       Beobachter:innen rechter Umtriebe. Denn manchmal wird sich hier ganz
       öffentlich gekabbelt. Holt das Popcorn raus!
       
       Auf Seite 90 der aktuellen Ausgabe von Burschenschaftliche Blätter, der
       Periodika der Deutschen Burschenschaft, findet sich ein bemerkenswerter
       Abschnitt. Der Autor echauffiert sich dort über die niedersächsische AfD.
       Denn die habe einem „Verbandsbruder“, nach vorläufiger Zusage, dann doch
       noch die Einstellung als Referent im niedersächsischen Landtag verwehrt.
       „Die Begründung: Er sei in einer Burschenschaft aktiv, welche unter anderem
       Verbindungen zur Identitären Bewegung aufweise“, heißt es. Der einzige
       dafür vorgelegte Beleg sei ein Artikel „der Antifa“. Die Bilder in dem
       Artikel, schreibt der Autor weiter, zeigen den Bewerber bei einem Treffen
       in Eisenach mit Burschenschaftern, die wiederum in der Identitären Bewegung
       (IB) aktiv sein sollen.
       
       Welchen Artikel er meint, lässt der Autor des Textes in Burschenschaftliche
       Blätter offen. Es gibt nun nicht so viele Bilder und Publikationen, auf die
       seine Beschreibung zutreffen könnte. Es könnte sich beispielsweise um
       [1][Seite 9 des „Relate Magazin – Antifa Info-Flyer für Hannover“] handeln.
       Dort zu sehen: White-Power-Gruß, Mitglieder der Jungen Alternative und
       Werteunionisten. Auch auf dem Bild: IB-Kader der Münchner Burschenschaft
       Danubia.
       
       Aber stellt die AfD tatsächlich Leute, die sie eigentlich haben will, nicht
       ein, weil sie in einer Burschenschaft aktiv sind, die Kontakt zur
       rechtsextremen IB hat und beruft sich dabei auf „die Antifa“? Auf eine
       taz-Nachfrage will sich Frank Horns, der Pressesprecher der AfD
       Niedersachsen, nicht zu dem Fall äußern, sondern fordert eine schriftliche
       Anfrage. Etwas später heißt es dann per Mail: „Zu Personalfragen äußern wir
       uns grundsätzlich nicht.“ Eine Nachfrage der taz zum allgemeinen Verhältnis
       der [2][AfD Niedersachsen] zu Burschenschaften lässt der Pressesprecher
       unbeantwortet.
       
       Dabei ist das der Knackpunkt: Der Autor in Burschenschaftliche Blätter
       beklagt eine Distanzierung der niedersächsischen AfD vom „patriotischen
       Vorfeld – sowohl der DB (Anm. der Red.: Deutsche Burschenschaft), als auch
       der IB“. Auf Nachfrage sollen AfD-Mitglieder gesagt haben, man wisse ja,
       wie es auf Burschenschaftshäusern zugehe. Ein frisch für die [3][AfD] in
       den Bundestag eingezogener Abgeordneter aus Niedersachsen soll außerdem
       mehrfach den Ausschluss von Burschenschaftern gefordert und sich abfällig
       geäußert haben.
       
       Bei allem Entertainment über den Zwist bleibt es einfach nur peinlich, in
       einer vereinsinternen Zeitung über die Nichteinstellung eines Kameraden zu
       lamentieren. Alles in allem ist die Distanzierung der AfD Niedersachsen von
       Burschenschaften und der IB gleichermaßen erfreulich wie
       [4][unglaubwürdig], ist die Partei doch weiter [5][von bekannten
       Rechtsextremisten durchzogen].
       
       9 Jul 2025
       
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   DIR [5] /AfD-bei-den-Landtagswahlen/!6020600
       
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