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       # taz.de -- X-Auftritt von Ali Chamenei: Der digitale Ajatollah
       
       > Irans oberster Führer, Ali Chamenei, twittert aus einem geheimen Bunker –
       > voller Drohungen, Propaganda und mit einem bisschen Poesie
       
   IMG Bild: „Naughty & playful“: Vor allem ältere Tweets von Ali Chamenei lassen staunen. Das Foto zeigt den Ajatollah Anfang Juni
       
       In welchem Bunker sich Ajatollah Ali Chamenei, Irans oberster Führer,
       momentan aufhält, ist in der Islamischen Republik ein gut geschütztes
       Staatsgeheimnis. Laut [1][einem Bericht der New York Times] verzichtet er
       bis auf Weiteres auf elektronische Kommunikation, damit er von Israel
       schwerer zu finden sei.
       
       Der Ajatollah – die Bezeichnung für einen hochrangigen schiitischen
       Geistlichen – regiert Iran seit 1989 und lebt notorisch zurückgezogen. Nun
       hat er drei Nachfolger genannt, weil er um sein Leben fürchtet. Er soll mit
       der Außenwelt nur noch durch einen engen Berater kommunizieren. Und wohl
       auch über treue Mittelsmullahs, die seine Botschaften auf der
       Social-Media-Plattform X tippen.
       
       Auf X, ehemals Twitter, hat der 86-Jährige [2][mit dem Nutzernamen
       @khamenei_ir] knapp zwei Millionen Follower – und ein graues Häkchen, als
       Verifizierung eines offiziellen staatlichen Profils. Die Tweets sind
       überwiegend auf Englisch, weitere Accounts pflegt sein Team auf Farsi,
       Bengali und Aserbaidschanisch.
       
       Meistens gibt sich Chamenei auf der Plattform kämpferisch. Zu seinem
       rhetorischen Repertoire gehört etwa „Death to America“ und die Vernichtung
       der „Zionisten“. Das seien keine bloßen Slogans, sondern politisches
       Programm, betont er. Er leugnet auch offen den Holocaust.
       
       ## Mehrere Tweets pro Tag
       
       [3][Am 7. Oktober 2023, als die Hamas Israel angriff,] teilte Chamenei ein
       Video, in dem junge Menschen vom Nova-Festival über ein Feld fliehen,
       nachdem die palästinensische Terrororganisation die Veranstaltung
       überfallen hatte. „So Gott will, wird der Krebs des usurpatorischen
       zionistischen Regimes durch das palästinensische Volk und die
       Widerstandskräfte in der gesamten Region ausgerottet werden. #AlAqsaStorm“,
       schrieb er dazu.
       
       Diesen Ton setzt er im aktuellen Iran-Israel-Krieg fort. In den vergangenen
       Wochen twitterte Chamenei oft mehrmals pro Tag. Vergangene Woche ließ er
       über die Raketenangriffe auf israelische Städte veröffentlichen: „Der
       zionistische Feind wird bestraft.“ Und die Tatsache, dass die USA dem
       jüdischen Staat, den er ein „terroristisches Regime“ nennt, beispringen,
       sei „ein Zeichen seiner Schwäche und Unfähigkeit“.
       
       „Wir werden den Zionisten keine Gnade zeigen“, so Chamenei. Er teilte auch
       ein KI-Bild dreier Raketen, die aus einem Monument abgefeuert werden, dazu
       der Koranvers: „Hilfe von Allah und eine bevorstehende Eroberung“.
       
       Für Aufmerksamkeit sorgen in den vergangenen Tagen aber vor allem einige
       ältere Tweets des Ajatollahs. So schrieb Chamenei im September 2013: „I
       went 2school w/a cloak since1st days;it was uncomfortable 2wear it in front
       f other kids,but I tried 2make up 4it by being naughty&playful“. Er sei zur
       Schule mit einem Umhang gegangen, und das sei ihm vor den anderen Kindern
       unangenehm gewesen, das habe er dadurch kompensiert, indem er frech und
       verspielt gewesen sei.
       
       ## Die Frau als Blume
       
       Weiter hieß es im selben Monat: „U can’t leave all tasks 2ur #wife&then
       criticize her.Even if she's a scientist/politician,yet when interacting
       within family,she's a #flower.“ Man kann nicht alle Aufgaben seiner Ehefrau
       überlassen und sie dann kritisieren, denn sie sei eine Blume. Ein starker
       Kontrast zu der frauenfeindlichen Politik seines Regimes, in dem Frauen
       verhaftet, gefoltert und sogar getötet werden, wenn sie sich nicht
       „richtig“ verschleiern.
       
       Chamenei verrät auf X auch etwas über seine Literaturvorlieben. Im Februar
       2015 schrieb er etwa, er stehe nicht auf Kino und visuelle Künste, aber was
       Poesie und Romane angeht, sei er kein typisches Publikum. „#Books
       #AvidReader.“ In einem weiteren Tweet lobt er Honoré de Balzac, Victor Hugo
       und russische Schriftsteller für ihre „kunstvolle Darstellung von
       Realitäten, die sich im Herzen einer Gesellschaft abspielen“.
       
       [4][Auf seiner eigenen Plattform Truth Social] schrieb Donald Trump am
       vergangenen Dienstag, er wisse, wo Chamenei sich verstecke. „We are not
       going to take him out (kill!), at least not for now“, so der US-Präsident.
       Chamenei werde nicht getötet, zumindest vorerst nicht. In der Zwischenzeit
       twittert der Ajatollah weiter. Zuletzt am Samstag: „Palästina ist für uns
       ein zentrales Thema, und der Sieg der Palästinenser ist etwas, das
       feststeht.“
       
       23 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.nytimes.com/2025/06/21/world/middleeast/iran-ayatollah-israel-war.html
   DIR [2] https://x.com/khamenei_ir
   DIR [3] /Ein-Jahr-nach-dem-7-Oktober/!6038224
   DIR [4] /Trumps-App-Truth-Social/!5995014
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Nicholas Potter
       
       ## TAGS
       
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