# taz.de -- Wahnsinn Wohnungssuche: Das desolate Telefonat
> Frau Prizibilsky will eine Wohnung vermieten, braucht ein Hörgerät und
> mag keine Gastarbeiter. Und dann habe ausgerechnet ich bei ihr angerufen.
IMG Bild: Als die Lautstärke noch nicht regulierbar war und Ausländerfeindlichkeit sich auf Gastarbeiter bezog: Telefon aus den 60er Jahren
Hallo, hier spricht Hedwig Prizibilsky!“ – „Ja, guten Tag, hier ist Osman
Engin. Ich habe gehört, dass Sie eine Wohnung freistehen haben. Und da
wollte ich Sie mal so fragen …“ – „Ostmann? Sagten Sie Ostmann?“ – „Nein,
nein. Ich bitte um Entschuldigung. Ich habe mich nicht deutlich
ausgedrückt, Frau Prizibilsky, mein Name ist Os-man! Os-man Engin.“ –
„Holzmann, Holzmann-Erwin? Ich kenne gar keinen Erwin Holzmann.“
„Frau Prizibilzky, ich bin ganz Ihrer Meinung! Keine Wohnung sollte so
lange freistehen. Deshalb möchte ich Sie höflichst bitten, mir zu sagen …“
– „Höflich? Ich finde es mehrmals unhöflich, dass Sie mir nicht Ihren Namen
sagen. Unter zivilisierten Menschen ist das so üblich.“
„Entschuldigen Sie, das tut mir wirklich leid. Da habe ich doch glatt
vergessen, meinen Namen zu nennen. Ich heiße Osman Engin, und …“ – „Jetzt
habe ich Ihren Namen endlich verstanden. Ich glaube, ich kenne Sie, Herr
Rossmann …“ – „Nein, Osman …“„Bitte nicht unterbrechen. Ich habe es gleich
… Rossmann, Rossmann, Sie wohnen doch direkt neben dem Waschsalon, nicht
wahr?“
„Ich wohne im Waschsalon, wenn ich nicht bald eine neue Wohnung habe!“ –
„Im Waschsalon? Aber Herr [1][Rossmann]!“
## Buchstabieren zwecklos
„Liebe Frau Prizibilsky, ich buchstabiere jetzt meinen Namen: Also: O wie,
O wie Osman, und ich rufe wegen der …“ – „Ah, jetzt fällt es mir ein, Sie
wollen das neue Telefon bringen. Sie sind der Postmann.“
(Du taube Nuss, du brauchst kein [2][Telefon], du brauchst ein Hörgerät,
aber mit 1.000-Watt-Verstärker.)
„Gnädige Frau, es tut mir leid. Ich sehe vielleicht so aus, aber ich bin
nicht der Postmann. Auch nicht der Milchmann. Aber ich kenne jemanden bei
der Post. Wenn Sie wollen, kann ich meine Beziehungen spielen lassen.“ –
„Wenn Sie das neue Telefon nicht bringen wollen, was wollen Sie dann
eigentlich von mir, Herr Postmann?“
„Frau Prizibilsky, versuchen wir es andersrum. Gehen Sie doch mal vor die
Tür, und halten Sie die ersten drei Schwarzhaarigen mit möglichst langem
Schnurrbart an. Mit Sicherheit heißt einer von den dreien Osman.“ – „Warum
sagen Sie es denn nicht gleich? Sie sind von der Firma Osram, die Birne.“ –
„Nein, die Pflaume! Bei Allah, ich heiße Osman. Schluchz, schluchz …,
Os-man!“ – „Aber das ist doch kein Grund, traurig zu sein. Das kann doch
jedem passieren, Herr Klossmann.“
„Okay, okay, Sie haben gewonnen: Ich heiße gar nicht Osman. Ab jetzt bin
ich Ali. Wie [3][Ali Baba und die 40 Räuber]. Aber ich bin nur Ali, ohne
Baba. Und Räuber kenne ich auch nur vom Fernsehen.“
„Heinz Herbert, Liebling! Jetzt habe ich dich erkannt. Du willst mich
wieder auf den Arm nehmen, du Schlimmer. Fast hätte ich dir das geglaubt
mit dem Ali Baba.“ – „Verzeihen Sie bitte. Da liegt ein Missverständnis
vor. Ich bin noch nicht Ihr Liebling. Wir kennen uns doch kaum, meine Frau
darf das auf keinen Fall erfahren!“
„Also, Herr Nussmann, Sie gehen aber ran! Irgendwie haben Sie auch so einen
komischen Akzent. Sind Sie vielleicht kein Deutscher?“ – „Im Prinzip haben
Sie nicht unrecht, Frau Prizibilsky. So was wie mich nennt man ‚türkischer
[4][Gastarbeiter] mit Migrationshintergrund‘. Aber können Sie mir bitte
endlich sagen, wie hoch die Miete …“
„Tuuuut, tuuuut, tuuuut!“
7 Jul 2025
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DIR Osman Engin
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