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       # taz.de -- Israels Präventivschlag: Was soll Israel tun? Warten, bis die Bombe fertig ist?
       
       > In der Debatte um den Krieg gegen die Mullahs fehlt etwas Entscheidendes,
       > das Regime darf die Bombe nicht bekommen: Denn es will Israel vernichten.
       
   IMG Bild: Im Hintergrund ist ein Banner mit iranischen ranghohen Kommandeuren zu sehen, die von Israel getötet wurden, Teheran am 15.6.2025
       
       Wo fängt man an? Vielleicht bei der eigenen Sprachlosigkeit. Bei dem
       Versuch, Ordnung im Kopf zu schaffen, wenn alles gleichzeitig passiert.
       Wenn Worte nicht reichen. Und doch muss man irgendwo anfangen.
       
       Israels Angriff auf das iranische Atomprogramm ist riskant. Aber dass er
       irgendwann notwendig würde, war unausweichlich, da jahrzehntelange
       Verhandlungen scheiterten. Ein Schlag gegen ein Regime, das [1][Israels
       Auslöschung] fordert. Gegen einen islamistischen Gottesstaat, der den
       Terror gegen den jüdischen Staat finanziert.
       
       Im Spiegel wurde in Pathosformeln gefordert, Deutschland dürfe [2][nicht
       erneut schweigen]. Gemeint ist: Deutschland müsse sich gegen Israel
       stellen. Die Argumente: moralische Selbstvergewisserung und die falsche
       Darstellung der militärischen Operation als reine Machtausübung.
       
       Was mir fehlt: das Verständnis dafür, dass der iranische
       Vernichtungsgedanke keine Metapher ist, sondern zentrales Element der
       Politik. Doch der wahre Bösewicht, dem Unverhältnismäßigkeit vorgeworfen
       wird, ist ausgemacht: Israel.
       
       ## Prinzip Überleben
       
       Aber was soll Israel tun? Warten, bis die Bombe fertig ist? Einen Brief
       nach Teheran schicken? Die These, Israel habe nur aus innenpolitischen
       Gründen gehandelt, ist absurd. Ein hochkomplexer Schlag tief in iranisches
       Gebiet wird nicht aus PR-Gründen geführt, sondern über lange Zeit
       strategisch geplant – weil das Regime gerade [3][so schwach ist wie lange
       nicht.] Das ist Realpolitik. Netanjahu weiß trotzdem, wie man Ereignisse
       politisch nutzt. Und dass dabei das Schicksal der Geiseln und die Lage in
       Gaza in den Hintergrund rückt, ist ein Fakt.
       
       Wer aber überrascht ist über diesen Angriff, hat die vergangenen Jahrzehnte
       verschlafen. Israel kann nicht akzeptieren, dass Teheran die Bombe bekommt.
       [4][Niemand kann das] – und doch wurde die Gefahr kleingeredet. Man glaubte
       an Verträge. An Diplomatie. Auch bei Russland glaubte man das. Bis Panzer
       rollten. Der Westen glaubte an das Gute im Mullah. Aber religiöse Fanatiker
       geben nichts auf weltliche Versprechen. Sie leben für den Tod.
       
       Einige tun nun so, als hätte Israel einen Frieden zerstört – doch Frieden
       herrschte nicht. Im [5][April] und [6][Oktober] 2024 griff Iran israelische
       Zivilisten massiv mit Raketen an. Zuvor finanzierte er das genozidale
       Massaker vom 7. Oktober. Wer das ausblendet, betreibt große
       Gedankenakrobatik.
       
       Ich glaube nicht an das Prinzip Gewaltlosigkeit, sondern an das Prinzip
       Überleben. An das Motiv: Nie wieder Opfer sein. Ein zutiefst jüdisches. Für
       mich keine abstrakte Kategorie.
       
       Trotzdem: Die Angst sitzt in mir. Um Freunde, Kollegen, Verwandte. Dass bei
       den Angriffen iranische und israelische Zivilisten sterben, ist furchtbar.
       Erstere leben unter einem Regime, das ihr Leben verachtet. Besonders
       Minderheiten stehen nun unter Spionageverdacht. Sie trifft die Rache
       zuerst.
       
       Bezeichnend, dass viele ausgerechnet jetzt Mitgefühl für Iraner entdecken –
       wenn Israel handelt. Wo war diese Empathie, als Dissidenten verschwanden?
       Frauen gegen die islamische Kleiderordnung demonstrierten und von den
       Schergen des Regimes zu Tode geprügelt wurden? Wer erst dann laut wird,
       wenn Israel sich verteidigt, meint nicht das Leid in Iran. Er meint Israel.
       
       Auch in Deutschland wirkt das alles. Jüdische Einrichtungen stehen unter
       erhöhtem Schutz. Weil der Arm Teherans längst bis hierher reicht. Es macht
       etwas mit mir. Mit vielen. Es gibt keine Sicherheit neben einem System, das
       auf Vernichtung basiert. Die Lage ist kompliziert.
       
       Und trotzdem lässt sich klar benennen, wer das pure Böse ist. Ich kann
       Mitgefühl für iranische Zivilisten empfinden, ihre Zerrissenheit angesichts
       des Großangriffs – und gleichzeitig Israels Handeln verstehen. Das
       bedeutet: Komplexität aushalten. Auch ohne endgültige Antworten.
       
       20 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/uran-anreicherung-100.html
   DIR [2] https://www.spiegel.de/ausland/israels-operation-rising-lion-deutschland-darf-nicht-erneut-schweigen-a-0de0691e-52fc-48e5-a2a8-a88f8e4edccf
   DIR [3] /Iran-und-die-Welt/!6064951
   DIR [4] https://www.deutschlandfunk.de/steinmeier-sieht-noch-chancen-fuer-diplomatie-teheran-warnt-vor-eingreifen-der-usa-102.html
   DIR [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Iranischer_Angriff_auf_Israel_im_April_2024
   DIR [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Iranischer_Angriff_auf_Israel_im_Oktober_2024
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Erica Zingher
       
       ## TAGS
       
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