URI:
       # taz.de -- Israelischer Militärschlag gegen Iran: Die Angst vor der Bombe
       
       > Der israelische Militärschlag gegen Iran war lange vorbereitet. Dass er
       > jetzt stattfand, hat mit dem iranischen Atomprogramm zu tun. Eine
       > Analyse.
       
   IMG Bild: Ein beschädigtes Gebäude in Teheran nach dem israelischen Angriff vom 13. Juni
       
       Das israelische Militär bezeichnete sie als „Präventivschlag“, die Angriffe
       in der Islamischen Republik Iran in der Nacht von Donnerstag auf Freitag.
       Sie trafen dutzende Ziele: Einrichtungen des iranischen Atomprogramms,
       Militäreinrichtungen, Raketenbasen sowie führende Köpfe der Islamischen
       Revolutionsgarde, des Militärs und auch des Nuklearprogramms.
       
       Betroffen war unter anderem die Einrichtung zur Urananreicherung in Natanz,
       lokale Medien berichteten von mehreren Explosionen. Dort hatte es bereits
       2021 einen Cyberangriff gegeben, der dem Mossad zugerechnet wurde. Der
       Befehlshaber der Islamischen Revolutionsgarden, Hussein Salami, der
       Kommandeur der Luftstreitkräfte der Revolutionsgarden, Amir Ali
       Hadschisadeh, und der Chef des Generalstabs des iranischen Militärs,
       Mohammad Bagheri wurden getötet, zudem eine Reihe von Atomwissenschaftlern.
       
       Bilder zeigen beschädigte Wohnhäuser, brennende Gebäude und aufsteigenden
       Rauch in Natanz und in der Hauptstadt Teheran. Nach Angaben des
       israelischen Militärs waren nachts über 200 Kampfflugzeuge involviert, man
       habe über 330 Sprengkörper auf etwa 100 Ziele abgeworfen. In einer zweiten
       Angriffswelle wurden am Freitag der Militärflughafen von Tabris, Ziele in
       der Großstadt Schiras und erneut die Atomanlage in Natanz getroffen.
       
       ## Warum jetzt?
       
       Doch warum greift Israel die Islamische Republik gerade jetzt an? Die
       Antwort liegt in der Bezeichnung „Präventivschlag“. Jüngst gab es vermehrt
       Warnungen seitens der Internationalen Atombehörde (IAEA), Iran habe seine
       Produktion von hoch angereichertem Uran weiter erhöht, die IAEA zeigte sich
       „zutiefst besorgt“. Die BBC berichtete Ende Mai, ihr liege ein
       vertraulicher Bericht der IAEA vor, dass Iran inzwischen über 400 Kilogramm
       von auf 60 Prozent angereichertem Uran verfüge – weit über dem für zivile
       Zwecke verwendeten Niveau und nahe an waffenfähiger Qualität. Das
       entspreche einem Anstieg von fast 50 Prozent innerhalb von drei Monaten.
       Bei weiterer Anreicherung würde diese Menge laut BBC für etwa zehn
       Atomwaffen reichen. Die Islamische Republik erklärte, die Anreicherung
       diene zivilen Zwecken.
       
       Der israelische Sicherheitsapparat kam laut Times of Israel hingegen zur
       Einschätzung, dass der Anreicherungsprozess noch weiter fortgeschritten
       sein, als von der IAEA berichtet. Im Prozess der Waffenproduktion hätten in
       den Tagen vor dem Angriff „fortgeschrittene Tests“ stattgefunden. Nach
       Medienberichten habe infolgedessen Israels Premier Benjamin Netanjahu zu
       Beginn der Woche das israelische Militär angewiesen, einen Angriff
       vorzubereiten.
       
       ## Kein Schnellschuss
       
       Israels Angriff war kein Schnellschuss. Nach Berichten von Medien und
       Analysten war er eine Zusammenarbeit des Militärs, des
       Auslandsgeheimdienstes Mossad und des Aman genannten Militärgeheimdienstes.
       Laut Times of Israel sei eine israelische Drohnenbasis innerhalb Irans
       aufgebaut worden. Außerdem habe Israel Präzisionswaffen und Personal in das
       Land geschmuggelt. Nun schien der Zeitpunkt richtig – einerseits wegen der
       Fortschritte des iranischen Nuklearprogramms hin zu einer tatsächlichen
       Atombombe. Andererseits, [1][weil die „Achse des Widerstands“ – von Iran
       unterhaltene Milizen in den Staaten rund um Israel – geschwächt ist].
       
       Im Libanon hat die Hisbollah einen großen Teil ihrer Führungsebene
       eingebüßt. Nach dem Waffenruhedeal im vergangenen November ist das
       libanesische Militär zudem angehalten, die Strukturen der Hisbollah im
       Süden des Landes, nahe der israelischen Grenze, abzubauen. Die Hamas im
       Gazastreifen, ein weiteres Element der „Achse“, ist nach bald anderthalb
       Jahren Krieg so weit zerstört, dass sie nur selten in der Lage ist, Raketen
       auf Israel zu feuern.
       
       Bleiben die Huthis im Jemen: Nach mehreren Luftangriffen seitens der USA
       und Israels sollen auch deren Kapazitäten, Israel angreifen zu können,
       zumindest verringert worden sein. In Syrien ist das Regime des Iran-nahen
       Ex-Diktators Baschar al-Assad gefallen, was die Versorgung der Hisbollah
       mit Waffen aus Iran deutlich erschwert. Im Irak sind weiterhin proiranische
       Milizen präsent, doch waren sie Israel bisher deutlich weniger gefährlich.
       
       ## Luftalarm in Amman
       
       Damit fällt eine Reihe möglicher Fronten, die Israel beim erwartbaren
       Gegenangriff Irans hätte bedenken müssen, aus. Gegen Irans Kapazitäten zur
       Vergeltung ging Israel bereits während des ersten Angriffs vor: Der Times
       of Israel zufolge nutzte Israel dafür die in Iran installierte Drohnenbasis
       nahe der Hauptstadt Teheran, um Abschussrampen für Boden-Boden-Raketen, die
       Iran für einen Angriff auf Israel hätte nutzen können, zu zerstören.
       
       Die Strategie erinnert an die jüngste „Operation Spinnennetz“ des
       ukrainischen Militärs, das russische Militärbasen mit Drohnen von
       russischem Gebiet aus angriff. Iran schickte am Freitagmorgen über 100
       Drohnen Richtung Israel, weitere Angriffe mit Drohnen folgten. Nach Angaben
       des israelischen Militärs habe man „die Lage unter Kontrolle“. Israelische
       Kampfjets hätten bislang alle Geschosse noch vor Eintreten in den
       israelischen Luftraum abgefangen. Nach Medienberichten hat auch das
       Königreich Jordanien über seinem Luftraum Drohnen abgeschossen, in der
       Hauptstadt Amman heulte der Luftalarm.
       
       Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi bezeichnete die Angriffe als
       „Kriegserklärung“ Israels. US-Präsident Donald Trump forderte Iran auf,
       [2][ein Abkommen über sein Nuklearprogramm zu schließen], bevor es „zu
       spät“ sei.
       
       13 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Politologe-ueber-Druck-auf-den-Iran/!6062399
   DIR [2] /Atomprogramm/!6078953
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Lisa Schneider
       
       ## TAGS
       
   DIR Atomabkommen mit Iran
   DIR Iran-Israel-Krieg
   DIR Schwerpunkt Nahost-Konflikt
   DIR GNS
   DIR Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
   DIR Schwerpunkt Nahost-Konflikt
   DIR Schwerpunkt Nahost-Konflikt
   DIR Schwerpunkt Iran
   DIR Iran-Israel-Krieg
   DIR Iran-Israel-Krieg
   DIR Iran-Israel-Krieg
   DIR Schwerpunkt Nahost-Konflikt
   DIR Interview
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Eskalation in Nahost: Israel muss Irans Volk schonen
       
       Bisher hat Israel im Kampf gegen seine Feinde wenig Rücksicht aufs
       humanitäre Völkerrecht gezeigt. Im Iran wäre das ein strategischer Fehler.
       
   DIR Eskalation in Nahost: „Es zehrt an den Nerven“
       
       Unsere Autorin wollte am Samstag von Israel zurück nach Deutschland
       fliegen. Nun sitzt sie nachts stundenlang in einem Schutzraum.
       
   DIR +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Erneuter Luftalarm in Jerusalem und Tel Aviv
       
       Der Iran hat eine neue Angriffswelle gegen Israel begonnen. Bundeskanzler
       Friedrich Merz hat sich zum Konflikt zwischen den beiden Ländern geäußert.
       
   DIR Konflikt zwischen Israel und Iran: Israel erklärt Lufthoheit bis nach Teheran
       
       Bei den nächtlichen Angriffswellen sind in Israel mindestens drei Menschen
       ums Leben gekommen, die gegenseitigen Bombardements dauern weiter an. Die
       Eskalation wirkt sich auf die Spritpreise aus.
       
   DIR Nach Angriff auf den Iran: Was Israels Attacke für Öl, Gas und Inflation bedeutet
       
       Börsen sacken ab, der Ölpreis schießt aus Furcht vor Engpässen in die Höhe.
       Was heißt die Attacke Israels auf den Iran für die Weltwirtschaft?
       
   DIR Israel attackiert den Iran: Trump warnte Israel im Vorfeld vor einem Angriff
       
       Führende Politiker der USA zeigen sich nach dem Angriff auf den Iran
       solidarisch mit Israel. Der US-Präsident hatte zuvor aber eine Attacke
       abgelehnt.
       
   DIR Israels Angriff auf den Iran: Gegenangriff auf Israel hat begonnen
       
       Der Iran feuert Raketen auf Israel, eine Vergeltung nach den israelischen
       Angriffen. In Iran wurden fast 100 Menschen getötet und eine Atomanlage
       zerstört.
       
   DIR Politologe über Druck auf den Iran: „Die iranische Regionalmacht ist ein Schatten ihrer selbst“
       
       Der Autor und Politologe Ali Fathollah-Nejad übt Kritik an der deutschen
       Politik gegenüber dem Iran. Er fordert, mehr Druck aufzubauen.