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       # taz.de -- Mäh-Roboter gegen Igel: Nächtliches Gemetzel im Garten
       
       > Viel zu oft geraten Igel vor die Rotorblätter von Mährobotern –
       > insbesondere weil Gartenbesitzer:innen die Maschinen nachts
       > einsetzen.
       
   IMG Bild: „Ich bin schon da!“, sagte der Igel zum Mähroboter. Der Roboter aber ist kein Hase und weniger respektvoll
       
       Sobald sich die Nacht über deutsche Gärten legt, kommen sie aus ihrem
       Unterschlupf: die Mähroboter. Still und akribisch durchpflügen sie das
       Gras, während Mensch im Haus schlummert. Am nächsten Morgen erfreut sich
       der Roboterbesitzer bei Marmeladentoast und Kaffee am getrimmten Rasen.
       
       Leider sind die Gewohnheiten des Spießbürgertums nicht nur bequem, sondern
       ignorant und fahrlässig. Denn zur selben Zeit wie die [1][Mähroboter]
       erwachen auch die Igel – und machen sich auf die Suche nach Nahrung.
       
       Das leise mechanische Brummen des Rasenmähers verheißt für sie nichts
       Gutes, im Gegenteil: Es besteht Lebensgefahr! Denn natürlich rollen sich
       die Tiere im Angesicht der kopf- und gewissenlosen Mäher zusammen und
       kollidieren mit deren rotierenden Klingen. Igel als Kollateralschaden einer
       lebensfeindlichen Ordentlichkeit.
       
       Mähroboter sind Ausdruck einer gartenkulturellen Entfremdung.
       Selbstverständlich wollen die Deutschen einen großen, adretten Rasen vor
       der Tür, aber kümmern wollen sie sich nicht.
       
       Dabei ist es ja nicht mal so, als müssten sie ihre Halme in der
       Mittagshitze eigenhändig mit einer Sense bearbeiten.
       
       ## Flächendeckendes Nachtfahrverbot, jetzt!
       
       Doch offenbar scheint selbst der Rasenmäher zu unhandlich geworden zu sein.
       Also delegieren sie die Arbeit an einen Roboter, der diese aber bitte nicht
       vor ihren Augen verrichtet. Lieber soll er nachts seine Bahnen ziehen. Mal
       abgesehen davon, was Mähroboter sonst noch so an Artenvielfalt zersäbeln,
       werden diese Bahnen zur Todeszone für den nachtaktiven Igel.
       
       Allein in Leipzig wurden im Jahr 2024 so mindestens 40 Igel getötet und 400
       verletzt. Das Wort Dunkelziffer ist hier wörtlich zu nehmen: Denn die
       meisten Tiere hieven sich schwer verletzt ins nächste Gebüsch und werden
       nie gefunden. Nach einer Untersuchung des Leibniz-Instituts [2][stirbt die
       Hälfte] aller durch Mähroboter verletzten Igel.
       
       Immerhin haben Leipzig und einige andere Städte wie Düsseldorf, Köln und
       Mainz mittlerweile ein Nachtfahrverbot für Roboterrasenmäher erlassen, das
       von 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang gilt.
       Der Bestand des in Deutschland verbreiteten [3][Braunbrustigels] geht seit
       Jahren zurück. Weil sein Lebensraum durch intensive Landwirtschaft und die
       Klimakrise zerstört wird, steht er auf der Vorwarnliste für gefährdete
       Arten. Da müssen wir nicht noch den Mäher auf ihn loslassen.
       
       Auch von Beschwichtigungen einiger Mähroboter-Hersteller sollte man sich
       nicht einlullen lassen. Deren Erkennungssysteme sind laut einer Studie der
       Uni Aalborg nämlich noch viel zu fehleranfällig.
       
       Generell gilt also: flächendeckendes Nachtfahrverbot, jetzt! Und: Wer schon
       einen Mähroboter verwendet, sollte ihn tagsüber laufen lassen und bei der
       Arbeit beaufsichtigen. Oder den Job gleich selbst erledigen.
       
       17 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Bessere-Software-Einstellung-fuer-Geraete/!6085404
   DIR [2] https://www.izw-berlin.de/de/pressemitteilung/neue-forschung-zu-schnittverletzungen-bei-igeln-durch-maehroboter-entdeckt-erhebliches-aber-loesbares-tier-und-artenschutzproblem.html
   DIR [3] /Weltweiter-Artenschutz/!6059127
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Tobias Wuertz
       
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