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       # taz.de -- Mit Drohnen gegen Kurden: In Erdoğans Schussfeld
       
       > Ein ARD-Film dokumentiert den brutalen türkischen Krieg gegen Kurden in
       > Nordsyrien. Und zeigt, wie ein NATO-Mitglied unbehelligt Leben vernichten
       > kann.
       
   IMG Bild: Durch einen Drohnenangriff ausgelöscht: die Gräber von Narins sieben Geschwistern und ihren Eltern
       
       Während sich Erdoğans AKP innenpolitisch auf [1][Friedensgespräche mit der
       prokurdischen Partei DEM] einlässt, bombardiert das türkische Militär
       zugleich kurdisch verwaltete Gebiete in Nordsyrien – ein widersprüchlicher
       Kurs mit verheerenden Folgen.
       
       Die Doku [2][„Erdoğans Kampf gegen die Kurden – Unterwegs mit deutschen
       Helfern in Nordsyrien“] dokumentiert zerstörte Wasserwerke, angegriffene
       Krankenhäuser, Raketenreste in Wohnvierteln.
       
       In der Doku ist von gezielten Angriffen auf lebenswichtige Infrastruktur
       die Rede. Ob das als Verstoß gegen das Völkerrecht zu werten ist, bleibt
       offen. Zwar kommen Rechtswissenschaftler und unabhängige Quellen zu Wort,
       doch eine juristische Einordnung wird nicht abschließend getroffen –
       symptomatisch für die bislang zögerliche Haltung der internationalen
       Gemeinschaft.
       
       Während das ARD-Team ein völlig zerstörtes Haus betritt, sind am Himmel
       Drohnen zu hören. An diesem Ort wurde im März eine neunköpfige kurdische
       Familie getötet, mutmaßlich durch eine türkische Kampfdrohne. Die
       Angehörigen sind jedenfalls davon überzeugt.
       
       ## Absurdität und Tragik des Konflikts
       
       „Was will Erdoğan von mir? Ich bin kein türkischer Kurde – ich bin
       syrischer Kurde!“, sagt ein Anwohner. Dieser Satz offenbart die Absurdität
       und Tragik des Konflikts: Menschen, die nicht einmal im türkischen
       Staatsgebiet leben, werden zum Ziel eines Krieges aufgrund ihrer ethnischen
       Zugehörigkeit und politischen Selbstverwaltung.
       
       Solche Szenen verleihen der Doku emotionale Tiefe und bringen die
       abstrakten geopolitischen Zusammenhänge näher. Statt überdramatisierter
       Kommentierung vertraut sie auf die Wirkung der Bilder, Stimmen und Orte.
       Die Kamera bleibt beobachtend, lässt Raum für eigene Schlüsse.
       
       Trotz inszenatorischer Schwächen legt die Doku offen, wie selektiv
       internationale Maßstäbe sind – und [3][ein Nato-Mitglied Leben vernichten
       kann, ohne politische Konsequenzen fürchten zu müssen.]
       
       14 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kurden-in-der-Tuerkei/!6088497
   DIR [2] https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/erdogans-kampf-gegen-die-kurden-100.html
   DIR [3] /Angriffe-auf-Kurden-in-Syrien/!5893775
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Derya Türkmen
       
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