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       # taz.de -- Wiederaufbau der Dresdner Carolabrücke: Kaputte Brücken sind Chancen
       
       > Die neue Brücke in Dresden soll vierspurig werden. Zwei Spuren hätten es
       > auch getan oder noch besser: eine in die Zukunft weisende ÖPNV-Brücke.
       
   IMG Bild: Ausflug nach Dresden mit Fototermin vor der kaputten Brücke, die aber bald wieder wie neu sein soll
       
       Seitdem sie im vergangen September völlig unerwartet kollabiert ist, steht
       die Dresdener Carolabrücke [1][stellvertretend für Deutschlands marode
       Infrastruktur]. Nun könnte auch die Debatte über ihren Wiederaufbau Schule
       machen. Am Donnerstag entscheidet der Dresdener Stadtrat über einen
       CDU-Antrag, nachdem die Stadt die Brücke wieder vierspurig aufbauen will.
       
       Dagegen plädieren Aktivist:innen und Verkehrsplaner:innen für
       deutlich reduzierte Versionen, in denen die Verkehrswende schon mitgedacht
       wird. So fordert der [2][Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)] nur zwei
       Fahrspuren. Die [3][Initiative Verkehrswende Dresden] fordert sogar, der
       Neubau solle eine reine ÖPNV-Brücke werden, nur für Straßenbahn, Rad- und
       Fußverkehr. Die [4][Initiative Carolabrücke] sammelt derzeit Unterschriften
       für die Rekonstruktion der historischen Brücke von 1895.
       
       Diese sei nicht nur schöner, sondern auch nachhaltiger, da Bogenbrücken
       leichter zu reparieren seien. Allerdings wäre sie auch deutlich teurer.
       Auch wenn der Stadtrat sich wahrscheinlich für die autofreundliche Variante
       entscheidet, zeigt die Debatte über die Carolabrücke: Eine kaputte Brücke
       ist eine Chance, die Verkehrspolitik für die nächsten Jahrzehnte zu prägen.
       Es wird noch weitere Gelegenheiten zur Genüge geben.
       
       Rund ein Drittel der rund 130.000 Brücken in Deutschland müssen in den
       nächsten Jahren ersetzt werden, schätzt der [5][Thinktank T&E], darunter
       mehr als ein Drittel aller Brücken im Fernstraßennetz. In den meisten
       Fällen dürfte der Ersatzneubau eine den modernen Vorgaben angepasste Kopie
       des Vorgängers sein. Das ist die schnellste Variante, und da Brücken
       mehrheitlich Nadelöhre sind, deren Ausfall in der Regel große Auswirkungen
       auf den Verkehrsfluss haben, ist es verständlich, dass viele Kommunen
       diesen Weg bevorzugen.
       
       Doch es kann durchaus sinnvoll sein, sich mit der Entscheidung Zeit zu
       lassen und gemeinsam zu überlegen: Müssen auch in 50 Jahren noch dieselben
       Blechlawinen über unsere Brücken rollen? Oder wären Bus, Bahn und Fahrrad
       nicht die besseren Alternativen?
       
       19 Jun 2025
       
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   DIR [1] /Marode-Infrastruktur-in-Dresden/!6032816
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   DIR [3] https://x.com/verkehrswendedd
   DIR [4] https://initiative-carolabruecke.de/
   DIR [5] https://www.transportenvironment.org/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jonas Wahmkow
       
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