URI:
       # taz.de -- Tierquälerei für Massentourismus: Rührei aus Ekelställen
       
       > Unhygienische Zustände, Krankheitsrisiken, Verbrauchertäuschung:
       > Tierschützer erheben schwere Vorwürfe gegen größten Hühnerzuchtbetrieb
       > auf Mallorca.
       
   IMG Bild: Lieferwagen des Hühnerei-Produzenten Avicola Ballester in Manacor, Mallorca
       
       Madrid taz | Für viele der über 13 Millionen Touristen, die jährlich
       Mallorca besuchen, beginnt der Tag mit einem Frühstücksei. Wachsweich,
       hartgekocht, Spiegel- oder Rührei – Geschmäcker und Kulturen unterschieden
       sich. Doch in einem sind sich alle einig: Frisch soll es sein und am besten
       von glücklichen Hühnern.
       
       Genau das verspricht die größte Hühnerzucht der Insel, Avícola Ballester in
       Llucmajor, südöstlich der Hauptstadt Palma de Mallorca. Sieben riesige
       Stallungen beherbergen hier 136.000 Hühner. Die Hennen hätten alle Auslauf,
       so die Werbung, und die Eier sind mit dem unabhängigen
       [1][Tierschutzgütesiegel Welfair] ausgezeichnet. Ganz, wie es der Kunde
       sucht.
       
       Doch eine Untersuchung der beiden Tierschutzorganisationen ARDE und Satya
       Animal nach einer anonymen Anzeige ergibt ein ganz anderes Bild. Der
       [2][Massentourismus und die damit verbundene hohe Nachfrage] fordern ihren
       Preis. Die Tiere haben weit weniger Auslauf als vorgeschrieben. „Der Ort
       ist äußerst unhygienisch, voller Spinnweben und einer Mischung aus Staub,
       Schmutz und Federn“, so das Fazit der Organisationen. „Die Hühner
       koexistieren mit Dutzenden von Kadavern in unterschiedlichen
       Verwesungsstadien – einige wurden gar kannibalisiert – sowie mit Ratten und
       sogar Igeln“, heißt es weiter.
       
       Die beiden Organisationen haben diese Vorfälle der Umweltstaatsanwaltschaft
       der Balearen gemeldet und Anzeige wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die
       öffentliche Gesundheit erstattet. Die Anwesenheit anderer Tierarten auf der
       Farm stelle ein hohes Risiko dar. Auch auf Konsumenten könnten Krankheiten
       übertragen werden, etwa Leptospirose – ein Keim, der innere Organe befällt
       – oder Salmonellen.
       
       ## Doppelter Betrugsvorwurf
       
       „Dieser Betrieb könnte auch wegen Betrug angeklagt werden“, erklärt Julia
       Elizalde, Sprecherin von ARDE. „Wir haben der Staatsanwaltschaft Bilder
       übermittelt, die zeigen, wie die Freilandhühner sechs Tage lang keinen
       Auslauf hatten und die Stalltüren geschlossen bleiben. Verbraucher zahlen
       mehr für diese Eier, weil sie glauben, die Hühner hätten Zugang ins Freie.
       Diese Erwartung wird jedoch nicht erfüllt.“ Die [3][europäische
       Gesetzgebung sieht vor, dass Freilandhühner jederzeit frei entscheiden
       können ob sie sich draußen oder drinnen] aufhalten.
       
       Die Hühnerzucht Avícola Ballester war bereits 2024 mit einen Bußgeld von
       150.000 Euro belegt worden, weil sie auch nach sieben Jahren Betrieb nicht
       alle notwendigen Genehmigungen besaß. Dennoch habe die Farm – so die beiden
       Tierschutzorganisationen – 380.000 Euro aus dem europäischen Fonds für
       Landwirtschaft und regionale Entwicklung erhalten.
       
       „Es ist besorgniserregend, dass dieser Bauernhof das Tierschutzsiegel
       Welfair besitzt, obwohl seine Tätigkeit aus administrativer Sicht illegal
       war und er sich mehrerer strafrechtlich Vergehen schuldig gemacht haben
       könnte“, sagt Marina Sánchez, Präsidentin des mallorquinischen
       Tierschutzorganisation Satya Animal. Für sie handelt es sich auch dabei
       ganz klar um Täuschung der Verbraucher.
       
       ## Expansionspläne
       
       2024 stellte das Unternehmen den Antrag, eine weitere Farm auf Mallorca zu
       bauen. 739.000 Hennen sollten dort untergebracht werden. Der Plan
       scheiterte an einem neuen Gesetz der Regierung der Balearischen Inseln, das
       künftig maximal 160.000 Hennen in einem Hof zulässt.
       
       Der Chef von Avícola Ballester, Gorka Moreno, bezeichnet die Vorwürfe der
       Tierschützer in einer Erklärung gegenüber der Nachrichtenagentur Europa
       Press als „sensationslüstern und extremistisch“. Die Bilder würden auf
       keinen Fall den „Alltag“ des Unternehmens widerspiegeln. Die Polizei,
       Inselregierung und das Gütesiegel Welfair haben mittlerweile eigene
       Ermittlungen aufgenommen.
       
       28 May 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.en.aenor.com/Paginas/certificacion/sistemas/alimentacion/bienestar-animal.aspx?TermStoreId=30422a6b-6877-4e28-82d6-96d5dac7e3b1&TermSetId=0c323073-fe89-44fd-aa79-0c925d017145&TermId=562fec31-f6e5-48b5-b0dd-60888dc85208
   DIR [2] /Massentourismus-auf-Mallorca/!6021682
   DIR [3] /Vogelgrippe-greift-um-sich/!5755019
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Reiner Wandler
       
       ## TAGS
       
   DIR Tierquälerei
   DIR Landwirtschaft
   DIR Massentourismus
   DIR Social-Auswahl
   DIR Tier
   DIR Airbnb
   DIR Dokumentarfilm
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Athener Ausstellung über Tier und Mensch: Arme Seelen
       
       Fuchskadaver auf der Straße: Die große Schau „Why Look at Animals“ im
       Athener Museum für Gegenwartskunst fokussiert auf unseren Umgang mit
       Tieren.
       
   DIR Illegale Ferienwohnungen in Spanien: Madrid setzt AirBnB unter Druck
       
       Die Regierung wirft der Plattform vor, massenhaft illegale Vermietungen
       zuzulassen. Nun lässt sie Einträge löschen.
       
   DIR Doku „Tardes de soledad“ über Stierkampf: Eleganz der Tierquälerei
       
       Der Regisseur Albert Serra dokumentiert im Film „Tardes de soledad“ die
       Absurdität des Stierkampfs. Er zeigt Brutalität, Narzissmus, Mut und
       Triumph.