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       # taz.de -- Ukrainischer Ex-Politiker ermordet: Tödliche Schüsse in Madrid
       
       > Andrij Portnow wurde vor einer Privatschule erschossen. Er war Berater
       > des früheren Präsidenten Wiktor Janukowytsch. Prorussisch zu sein, stritt
       > er ab.
       
   IMG Bild: Der damalige ukrainische Präsident Janukowitsch und sein stellvertretender Regierungschef Portnow 2010 in Kyjiw
       
       Kyjiw taz | Andri Portnow (51), ehemals Abgeordneter der Partei der
       ehemaligen Regierungschefin Julia Timoschenko und früherer Berater des
       ukrainischen Ex-Präsidenten Wiktor Janukowytsch ist tot. Er wurde am
       Mittwoch Vormittag in einem Vorort von Madrid erschossen. Die spanische
       Polizei bestätigte den Vorfall, der sich gegen 9:15 Uhr ereignete, als
       Portnow seine Kinder zur amerikanischen Schule brachte.
       
       Nach spanischen Medienberichten ereignete sich der Mord im wohlhabenden
       Madrider Vorort Pozuelo de Alarcón. Portnow saß am Steuer eines Mercedes,
       als er von zwei oder drei Angreifern überrascht wurde, die ihn tödlich
       verletzten.
       
       Der Jurist Andrij Portnow war zwischen 2011 und 2014 Berater von Präsident
       Viktor Janukowitsch. Als solcher war er zuständig für die Justiz, die
       Polizei und die Truppen des Innenministeriums. Von ihm sollen auch die
       Gesetze des 16. Januar 2014 stammen, die das Demonstrationsrecht und
       bürgerlichen Freiheiten massiv einschränkten.
       
       Nach dem Erfolg der Maidan-Bewegung und dem Machtwechsel in der Ukraine
       floh er im Februar 2014 aus der Ukraine und hielt sich unter anderem in
       Russland und später in Wien auf. Während dieser Zeit war er mit
       europäischen Sanktionen belegt. Man hatte ihm seine Nähe zum
       Janukowytsch-Regime und Korruption vorgeworfen.
       
       ## Mehrere Strafverfahren
       
       Gleichzeitig wurden in der Ukraine gegen Portnow mehrere Strafverfahren
       eingeleitet, die meisten gewann er jedoch vor Gericht. 2018 begannen
       ukrainische Ermittlungsbehörden mit Nachforschungen zu seiner möglichen
       Beteiligung an der Annexion der Krim durch Russland.
       
       Der ukrainische Geheimdienst (SBU) leitete daraufhin ein Verfahren wegen
       „Hochverrats“ ein. Dieses Verfahren wurde jedoch am 15. August 2019
       eingestellt. Seit 2021 stand Portnow unter US-amerikanischen Visa- und
       Finanzsanktionen. Die USA werfen ihm vor, in groß angelegte korrupte
       Machenschaften in der Ukraine verwickelt gewesen zu sein.
       
       Portnow bestritt alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe. 2019 kehrte er zur
       Amtseinführung von Wolodymyr Selenskyj in die Ukraine zurück, wo er unter
       anderem zeitweise den Fernsehsender NewsOne leitete. Nach Beginn des
       russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine 2022 verließ er erneut das
       Land.
       
       ## Guter Draht
       
       Auch wenn Portnow seine Ablehnung der Selenskyj-Regierung nicht verhehlte,
       wehrte er sich gegen den Vorwurf „prorussisch“ zu sein. Im April 2025
       gewann Portnow ein Gerichtsverfahren gegen Censor.NET, das ihn als
       „Kollaborateur und Verräter“ bezeichnet hatte. Für das Gericht waren die
       vorgelegten Informationen über Portnow nicht eindeutig.
       
       Auch gegen das Medium Kyiv Independent war er gerichtlich vorgegangen, weil
       dieser ihn als pro-russischen Politiker bezeichnet hatte. Dessen ungeachtet
       scheint er auch einen guten Draht zur Administration von Präsident
       Selenskyj gehabt zu haben. So hatte das ukrainische
       Antikorruptions-Zentrums von guten Verbindungen Portnows zu Oleg Tatarow,
       dem stellvertretenden Leiter des Präsidialamts von Präsident Wolodymyr
       Selenskyj, berichtet.
       
       21 May 2025
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Bernhard Clasen
       
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