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       # taz.de -- Buch über Bidens vertuschte Gesundheit: Das Gefühl von Verrat
       
       > Das Buch „Hybris“ von Jake Tapper und Alex Thompson schildert, wie Joe
       > Bidens gesundheitlicher Verfall vertuscht wurde. Es ist eine bittere
       > Recherche.
       
   IMG Bild: „Sleepy Joe“ konnte einem wirklich leid tun
       
       Das Buch „Hybris“ (dtv, 2025) über den vertuschten und verleugneten
       [1][gesundheitlichen Niedergang des damaligen US-Präsidenten Joe Biden] hat
       schon für reichlich Diskussion gesorgt, bevor es überhaupt veröffentlicht
       war. Seine Verfasser, die US-Journalisten Jake Tapper (CNN) und Alex
       Thompson (axios), sprachen mit mehr als 200 Quellen, bevor sie in einer Art
       Dokudrama die Geschichte der letzten drei Jahre von Bidens Präsidentschaft
       so nachzeichneten, als hätten sie bei den vielen Gesprächen und Treffen mit
       am Tisch gesessen.
       
       Sie beschreiben [2][einen Präsidenten, dessen körperliche und kognitive
       Fähigkeiten rapide nachlassen], der selbst kurze Grußworte, etwa bei
       Abendessen mit seinen Spendern, vom Teleprompter abliest, mitunter enge
       Freunde und Bekannte nicht erkennt, Jahreszahlen, Orte und Ereignisse
       durcheinanderbringt, kaum einen Gedanken in wenigen Sätzen zu Ende führen
       kann.
       
       Und der, von seinen engsten Vertrauten immer stärker abgeschirmt, dennoch
       die verhängnisvolle Entscheidung trifft, für eine weitere Amtszeit
       kandidieren zu wollen – ein Versuch, der erst dann sein Ende findet, als
       bei der TV-Debatte mit Donald Trump im Sommer 2024 alle Welt den realen
       Zustand des Präsidenten zu sehen bekommt. Und der selbst dann noch drei
       Wochen braucht, um viel zu spät den Weg freizumachen.
       
       Es ist eine spannende, eine traurige, eine dramatische Erzählung, die zu
       bestätigen scheint, was das republikanische Lager fast die gesamte Amtszeit
       Bidens über verbreitete: „Sleepy Joe“ kann nicht mehr. Hat Donald Trump
       aber wirklich deswegen die Wahlen gewonnen? „Hybris“ bewegt sich
       ausschließlich im politischen Raum und ist doch erstaunlich unpolitisch.
       
       Dennoch: Demokrat*innen werden Tapper/Thompson lesen, und sie werden
       sich von ihrer eigenen Partei verraten fühlen, in der fast bis zum Schluss
       niemand den Mut fand, die Wahrheit auszusprechen. [3][Über Donald Trump
       andererseits gibt es inzwischen mindestens drei Dutzend Enthüllungsbücher],
       und seine Anhänger*innen lesen sie halt einfach nicht. Auch deshalb
       können sich die USA derzeit jeden Tag ein Stück weiter in Richtung
       Faschismus bewegen.
       
       31 May 2025
       
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