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       # taz.de -- Jung-Nazis wollen demonstrieren: Hitlern ohne Führer
       
       > Im Juni wollen Neonazis der DJV durch Mitte ziehen – in Abgrenzung zu
       > Ferhat Sentürk. Auch diesen Samstag gibt es eine rechte Demo.
       
   IMG Bild: Letzte Station: Ostkreuz
       
       Berlin taz | Ferhat Sentürk, rechtsextremer Selbstdarsteller, der in Berlin
       seit Dezember drei Mal Neonazi-Aufmärsche „gegen Linksextremismus“
       organisierte, will nur noch allgemein „gegen Extremismus“ sein. Eine
       Kundgebung mit dem entsprechenden Titel hat er unter dem Namen seiner
       Organisation „Bürgerliche Allianz für Deutschland“ für den 1. Juni am
       Washingtonplatz in Mitte angemeldet, laut Polizei für 200 Personen.
       Zunächst wollte Sentürk erneut durch Friedrichshain ziehen, doch von diesem
       Plan hat er aber Abstand genommen.
       
       Wohl aus gutem Grund: Denn seine bisherige Klientel, bestehend vor allem
       aus dem Spektrum neuer rechtsextremer Jugendgruppen, hat er gegen sich
       aufgebracht. Nach dem letzten [1][gescheiterten Demoversuch Mitte März am
       Ostkreuz], bei dem sich Sentürk noch von den Neonazis feiern ließ, hatte er
       sich öffentlich von rechtsextremen Inhalten und seiner ehemaligen Partei
       AfD [2][distanziert].
       
       Nun distanziert sich die Szene von ihm – und zwar mit einer
       Parallelveranstaltung in Mitte ebenfalls am 1. Juni. Bei der Polizei liegt
       eine Anmeldung für einen Aufzug für 200 Personen von der Schillingstraße
       bis zur Bernauer Straße vor, Titel: „Gegen Volksverrat und gegen Übergriffe
       auf unser Volk.“
       
       Informationen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR)
       zufolge kommt der Anmelder der Demo aus dem Umfeld der „Deutschen Jugend
       Voran“ (DJV), einer der aktivsten neuen rechtsextremen Jugendgruppen der
       Stadt, die der Berliner Verfassungsschutz als [3][„gesichert rechtsextrem“]
       bezeichnet.
       
       Derweil wird in einem Mobilisierungskanal bei Telegram, der bislang für die
       Sentürk-Demos diente, nun gegen diesen ausgeteilt. In einem kürzlich
       geteilten Video von Maximilian Fritsche, AfD-Stadtverordneter aus
       Eberswalde, heißt es, Sentürk sei ein „Regierungsclown“, dem man „keine
       Bühne schenken sollte“. Laut MBR hat Fritsche „großen Einfluss“ auf das
       Spektrum der DJV“.
       
       ## Rechte Querfront am Samstag
       
       Mit Neonazis aus diesem Spektrum muss womöglich schon am kommenden Samstag
       gerechnet werden, wenn das Querfront- und Querdenken-Bündnis „Deutschland
       steht auf“ zu einem „Friedensmarsch“ nach Mitte ruft. Angekündigt hat sich
       neben den üblichen Akteuren der verschwörungsideologischen Szene auch der
       rechtsextreme Verleger Jürgen Elsässer. Ohne Bestätigung angekündigt ist
       zudem der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen.
       
       Laut MBR ist auch hier mit der Beteiligung mindestens einer niedrigen
       zweistelligen Zahl Rechtsextremer zu rechnen. Antifaschist:innen rufen
       unter dem Motto „Den Faschos keinen Meter“ zu Gegenprotesten und
       Störaktionen auf.
       
       22 May 2025
       
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