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       # taz.de -- Alternativer Antrieb in Österreich: Rückschlag für Wasserstoffmobilität
       
       > In Österreich schließt der Mineralölkonzern OMV alle
       > Wasserstofftankstellen. Auch in Deutschland gibt es Probleme, nur LKW
       > sind nicht betroffen.
       
   IMG Bild: Wenig Andrang bei der Wasserstofftankstelle in Siegen
       
       Berlin taz | Es ist ein herber Schlag für die [1][Wasserstoffmobilität]:
       Der Mineralölkonzern [2][OMV] wird in den kommenden Monaten in Österreich
       alle öffentlichen Wasserstofftankstellen stilllegen – die Nachfrage war zu
       gering für einen wirtschaftlichen Betrieb. Da das Unternehmen der einzige
       Anbieter im Land war, stehen die Fahrzeugbesitzer in Österreich künftig
       ohne Tankstellen da.
       
       „Besitzer können ihre Fahrzeuge jetzt verschrotten“ hieß es bereits in der
       Presse. Ein Blick auf die Zulassungszahlen macht den Schritt von OMV
       nachvollziehbar: Laut Statistik Austria waren zuletzt in ganz Österreich
       nur 62 Wasserstofffahrzeuge angemeldet; im Jahr 2024 hatte es nur noch eine
       einzige Neuzulassung gegeben.
       
       Auch Deutschland stecke derzeit „in einer Phase der Konsolidierung“ heißt
       es unterdessen beim hiesigen Tankstellenbetreiber H2 Mobility. Nach einem
       Höchststand von 92 Wasserstofftankstellen im Jahr 2022 liegt die Zahl
       inzwischen nur noch bei 78. Die Menge des abgesetzten Wasserstoffs steigt
       an den Stationen von H2 Mobility gleichwohl weiter an – es ist der
       Güterverkehr, der in Deutschland die Wasserstofftankstellen rettet.
       
       In den vergangenen Monaten habe man „einen deutlichen Anstieg bei der
       Nutzung durch Nutzfahrzeuge“ verzeichnet, berichtet H2 Mobility. Anhand der
       Druckstufen lässt sich das präzise differenzieren: Die Busse und LKW, die
       in Deutschland aktuell auf den Straßen im Alltag unterwegs sind, tanken
       allesamt mit 350 bar, die PKW hingegen mit 700 bar. Im März habe der Absatz
       von 350-bar-Betankungen erstmals die 700-bar-Betankungen übertroffen.
       
       ## „Das bekannte Henne-Ei-Problem“
       
       Diese Entwicklung ist angesichts der [3][steigenden Zulassungszahlen von
       Wasserstoff-LKW] plausibel. Die Fahrzeuge nutzen in der Regel eine
       Brennstoffzelle, die an Bord unter Einsatz von Wasserstoff Strom für den
       Elektromotor erzeugt. Nachdem Anfang 2022 in Deutschland erst fünf solcher
       LKW zugelassen waren, waren es 2024 bereits 171 und Anfang 2025 schon 264.
       Inzwischen sind mehrere Fahrzeugmodelle auf dem Markt oder in Erprobung,
       Marktführer ist Hyundai mit dem Xcient Fuel Cell.
       
       Auch ein paar Omnibusse mit Brennstoffzelle sind in Deutschland zugelassen,
       doch deren Zahl stagniert inzwischen bei 73. Die Technologien sind
       unterschiedlich. Während Hyundai auf einen Drucktank für Wasserstoff setzt,
       hat Daimler Truck als Prototyp den Mercedes-Benz GenH2 mit
       Flüssigwasserstoff (minus 253 Grad) im Einsatz. Beide nutzen aber eine
       Brennstoffzelle und fahren elektrisch.
       
       Gänzlich anders ist das Antriebskonzept, das MAN seit 2021 testet: Der hTGX
       ist ein LKW mit Wasserstoffverbrennungsmotor. Während somit der LKW-Sektor
       eine gewisse Dynamik zeigt, ist im PKW-Sektor nach Jahren des stetigen
       Anstiegs die Zahl der zugelassenen Brennstoffzellenfahrzeuge wieder
       rückläufig. Nach einem Höchstwert von 2.116 angemeldeten Fahrzeugen Anfang
       2024, waren es ein Jahr später nur noch 1802 – ein Rückgang um rund 15
       Prozent. Bezogen auf die Einwohnerzahl gibt es damit in Deutschland zwar
       dreimal so viele Wasserstofffahrzeuge, wie in Österreich, doch der
       PKW-Sektor alleine würde auch in Deutschland den Tankstellen nicht das
       Überleben sichern.
       
       Jan Wehrhold, Sprecher der eFuel Alliance, beschreibt die Marktsituation
       als „das bekannte Henne-Ei-Problem“ – die geringe Anzahl von
       Wasserstoff-PKW und die geringe Anzahl von Tankstellen bedingten sich
       gegenseitig negativ. Aber auch er hebt hervor, dass es derzeit einen
       „Schwenk vom PKW hin zur Anwendung im LKW“ gebe. Deswegen gibt sich auch
       die Firma H2 Mobility weiterhin optimistisch: Man sehe „für die Zukunft
       sehr großes Potenzial für einen gezielten Ausbau“, sagt Firmensprecherin
       Daniela Dietz – insbesondere dort, wo „Produktion, Nachfrage, Infrastruktur
       und politische Unterstützung Hand in Hand gehen“. Der Wasserstoff bleibe
       „ein wichtiger Bestandteil der Mobilitätswende“.
       
       25 Apr 2025
       
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