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       # taz.de -- Wegen Handelskonflikt mit den USA: EZB senkt Leitzins zum siebten Mal seit Juni
       
       > Gut für Kreditnehmer und die Konjunktur, schlecht für Sparer: Die
       > Europäische Zentralbank senkt ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte.
       
   IMG Bild: Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank: Die EZB senkt zum fünften Mal seit vergangenem Sommer die Zinsen
       
       Frankfurt/Main dpa | Die Europäische Zentralbank senkt inmitten der
       Zollturbulenzen zum siebten Mal seit vergangenem Juni die Leitzinsen.
       [1][Der für Banken und Sparer wichtige Einlagensatz wird um 0,25
       Prozentpunkte auf 2,25 Prozent verringert, wie die Notenbank in Frankfurt
       mitteilte].
       
       Niedrigere Zinsen machen Kredite tendenziell günstiger. Sie helfen der
       schwachen Konjunktur in der Eurozone, der mit der Zolloffensive von Donald
       Trump weitere Rückschläge drohen. Zudem gibt die abflauende Inflation im
       Euroraum der EZB Spielraum für Zinssenkungen.
       
       Der Rückgang der Inflation schreite gut voran, teilte die EZB mit. Zudem
       hätten sich die Wachstumsaussichten für die Wirtschaft im Euroraum
       „aufgrund der zunehmenden Handelsspannungen eingetrübt“. „Die erhöhte
       Unsicherheit dürfte das Vertrauen der privaten Haushalte und Unternehmen
       mindern“, erklärte die EZB und verwies auch auf die jüngsten heftigen
       Börsenturbulenzen. Die Notenbank sprach von „außergewöhnlich hoher
       Unsicherheit“.
       
       Die EZB verringert nicht nur den Einlagensatz, sondern auch den Zins, zu
       dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können:
       Statt 2,65 Prozent werden dafür nun 2,4 Prozent Zinsen fällig.
       
       ## Sorgen um Trumps Zölle
       
       [2][Seit der Verkündung von Trumps globalem Zollpaket Anfang April sind die
       Sorgen um den Welthandel und die Wirtschaft in Europa stark gewachsen.] Der
       Zollstreit könnte die Wirtschaft im Euroraum erheblich belasten, die nach
       EZB-Prognose 2025 ohnehin nur minimal um 0,9 Prozent wachsen dürfte.
       
       Zwar hat Trump die pauschalen Zölle von 20 Prozent auf Importe aus der EU
       für 90 Tage ausgesetzt. Es bleiben aber der neue US-Basiszoll von 10
       Prozent und 25 Prozent Zoll auf Autos, Stahl und Aluminium aus Europa.
       Trump will zudem neue Sonderzölle im Bereich der Halbleiterindustrie und
       auf Medizinprodukte ankündigen.
       
       Schon jetzt verunsichert Trumps Zoll-Schlingerkurs Unternehmen weltweit.
       Nach Ansicht von Clemens Fuest, Präsident des Institut für
       Wirtschaftsforschung (Ifo), ist eine Weltwirtschaftskrise nicht
       auszuschließen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte jüngst vor
       deutlichen Einbußen beim Wirtschaftswachstum in der Eurozone gewarnt,
       sollte der Handelsstreit mit den USA eskalieren.
       
       ## Inflation flacht ab
       
       [3][Zudem kommt die EZB beim Kampf gegen die Inflation voran.] Die Teuerung
       im Euroraum sank im März auf eine Rate von 2,2 Prozent und liegt damit nahe
       am EZB-Ziel von mittelfristig 2,0 Prozent. So hat sich der Preisdruck bei
       Dienstleistungen abgeschwächt, der zuletzt als Inflationstreiber galt. Ihr
       Ziel stabiler Preise sieht die EZB in greifbarer Nähe.
       
       Im Zollkonflikt hat zudem der Euro zum Dollar stark im Kurs aufgewertet,
       was Importe nach Europa verbilligt und die Inflation tendenziell dämpft.
       Auch mit dem gesunkenen Ölpreis schwindet der Inflationsdruck, während der
       Zollstreit die globale Nachfrage dämpfen dürfte. Sorgen um eine wieder
       anziehende Teuerung, etwa im Zuge von europäischen Gegenzöllen auf
       US-Produkte oder wegen des milliardenschweren Finanzpakets von SPD und
       Union, traten in den Hintergrund.
       
       Für Sparer ist die erneute Leitzinssenkung keine gute Nachricht: Bekommen
       Geschäftsbanken weniger Zinsen für bei der EZB geparkte Gelder, senken sie
       die Zinsen auf Einlagen der Kunden. Mitte April brachten bundesweit
       verfügbare Tagesgelder im Schnitt nur 1,4 Prozent, zeigt eine Analyse des
       Vergleichsportals Verivox. Die Zinsen für zweijährige Festgelder lagen
       demnach zuletzt bei 2,11 Prozent – der tiefste Stand seit Ende 2022.
       
       ## Kaum Wachstum in Europa erwartet
       
       Schlecht sieht es auch für Hausbauer und Immobilienkäufer aus. Auf die
       Bauzinsen, die mit dem Milliarden-Schuldenpaket von Union und SPD kräftig
       gestiegen sind, hat die Zinssenkung der EZB nicht zwingend Einfluss: Sie
       orientieren sich an den Renditen zehnjähriger Bundesanleihen.
       
       Einige Ökonomen halten es für möglich, dass die EZB den Einlagensatz
       angesichts der schwachen Konjunktur und der abflauenden Inflation weiter
       senken wird. Präsidentin Lagarde hat immer wieder vor einer Eskalation im
       Zollstreit gewarnt mit Folgen für Wachstum und Preise rund um die Welt, wie
       sie im März betonte. „Jeder Handelskrieg wird der Weltwirtschaft schaden“.
       
       17 Apr 2025
       
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