# taz.de -- Jahresbericht der Opferberatung Reachout: Rechte Gewalt folgt rechtem Diskurs
> Die Zahl der rassistischen Angriffe In Berlin war 2024 sehr hoch.
> Reachout macht den Senat und öffentliche Diskurse verantwortlich.
IMG Bild: Reachout fordert ein Stoppschild für Rassismus
Berlin taz | [1][Reachout], die Beratungsstelle für Opfer rechter und
rassistischer Gewalt, erhebt angesichts ihres jüngsten Jahresberichts
schwere Vorwürfe gegen den Senat. Dieser komme „seiner menschenrechtlichen
Schutzpflicht nicht nach und trägt eine klare Verantwortung für die
anhaltende Angriffssituation“. Reachout zählte 2024 in Berlin 328
rassistische und rechte Angriffe. Dies sei ein Fall weniger als im Vorjahr,
gleichzeitig wurden mit 478 Menschen mehr denn je verletzt oder bedroht.
Dokumentiert wurden 185 rassistisch motivierte Angriffe, mehrheitlich
Körperverletzungen gegen Muslime, Schwarze Menschen sowie Rom:nia und
Sintezz:a. Hinzu kommen Angriffe gegen die sexuelle Identität oder aus
sozialdarwinistischen Motiven. „Die physischen und psychischen Folgen jedes
Angriffs sind für die Opfer gravierend und stellen einen Angriff auf ihr
Recht dar, in voller Verwirklichung ihrer Rechte und Garantien als Mensch
zu existieren“, teilt die Beratungsstelle mit, die im vergangenen Jahr 779
Beratungsgespräche führte.
Reachout weist auf die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen hin, die
die Täter zu ihren Angriffen motivieren. So sei 2024 von rassistischen
medialen Diskursen geprägt gewesen, die von den regierenden Parteien
„gefördert“ wurden, etwa Debatten, die einen Zusammenhang zwischen
Gewalttaten mit Messern und ausreisepflichtigen Migrant:innen
suggerierten. Abschiebungen und rassistische Gesetzesverschärfungen hätten
zudem zur Legitimierung von Gewalt, letztlich zu einer Ermutigung der
Täter:innen beigetragen.
Dem gegenüber stehe ein Justizsystem mit einer „Struktur der
Straflosigkeit“, wie Reachout kritisiert. Häufig werde rassistische Gewalt
nicht als solche erkannt und benannt. Der Vorwurf: „Ermittlungsbehörden wie
Polizei und Staatsanwaltschaft sowie Richter:innen verkennen weiterhin
die rassistische Dimension von Straftaten und belasten die Betroffenen
nicht selten mit einer Täter-Opfer-Umkehr.“
29 Apr 2025
## LINKS
DIR [1] /Rechte-Angriffe-in-Berlin-2022/!5928776
## AUTOREN
DIR Erik Peter
## TAGS
DIR Schwerpunkt Rassismus
DIR antimuslimischer Rassismus
DIR Kolumne Diskurspogo
DIR antimuslimischer Rassismus
DIR Rechte Gewalt
DIR Schwerpunkt Rassismus
DIR Schwerpunkt Polizeigewalt und Rassismus
DIR Polizei Berlin
DIR Rechtsextremismus
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Meinung schlägt Wissen im Journalismus: Senf, die Droge der Stunde
Alle wissen plötzlich alles – doch wo bleibt der Raum fürs Fragen? Ein
Plädoyer für mehr Zweifel, weniger Gewissheit – und die Rückkehr des
Suchens.
DIR Antimuslimischer Rassismus in Berlin: Ungebremster Hass, sogar auf Kinder
Die Claim-Allianz registriert fast 70 Prozent mehr antimuslimische Vorfälle
für 2024. Die Ursache sehen Initiativen in einseitigen Migrationsdebatten.
DIR Jahresbilanz 2024 der Beratungsstellen: Im Schnitt werden jeden Tag 12 Menschen Opfer rechter Gewalt
Die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt haben 2024 rund 3.500 rechte
Angriffe erfasst – ein Anstieg um 20 Prozent und ein Höchststand.
DIR Rassismusvorwurf im Museum: Wie bei einem Spießrutenlauf
Ein Schwarzer Besucher der Neuen Nationalgalerie wird von Wachmann
unfreundlich behandelt. Die Sicherheitsfirma spricht von einem
Missverständnis.
DIR Aktivist Biplab Basu ist tot: Unermüdlich und leidenschaftlich
Zeit seines Lebens hat sich der Menschenrechtsaktivist gegen rassistische
Polizeigewalt engagiert. Nun ist der Mitbegründer von Reachout gestorben.
DIR Polizeigewalt gegen Schwarzen: Beschwerde im Fall Mutombo
Nach dem Tod eines psychisch kranken Schwarzen nach einem brutalen
Polizeieinsatz wirft die Anwältin des Bruders den Behörden
Ermittlungsversagen vor.
DIR Rechte Angriffe in Berlin 2022: Fast alle schauen weg
Die Beratungsstelle Rechout stellt ihren Report zu rechten Angriffe 2022
vor. Die Zahl bleibt hoch. Meist geschehen die Taten öffentlich.