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       # taz.de -- „Friedensplan“ für die Ukraine: Auch Worte aus Washington töten
       
       > Täglich bombardiert Russland die ukrainische Bevölkerung. Das attackierte
       > Land fühlt sich zunehmend als Spielball zwischen Trump und Putin.
       
   IMG Bild: Nach einem russischen Raketenangriff in Kyjiw: eine verletzte Frau kümmert sich um ihren Hund
       
       Luzk taz | Dutzende Schülerinnen und Schüler stehen vor einem zerstörten
       Wohnhaus. In der Nacht zu Donnerstag schlugen dort, im Kyjiwer Stadtbezirk
       Swjatoschyn, die russischen Raketen ein. Die Jugendlichen warten, manchmal
       weinen sie, manchmal laufen sie zu der Stelle, wo Rettungskräfte Menschen
       unter den Trümmern hervorziehen.
       
       Es sind Szenen, die Studentinnen im westukrainischen Luzk auf ihren
       Smartphones zeigen. Sie sind zu einem Treffen mit Dmytro Kuleba, dem
       ehemaligen ukrainischen Außenminister, nach Luzk gekommen. Das Video zeigt
       Gleichaltrige, die durch einen russischen Angriff einen Freund verloren
       haben. Und man kann hören, wie die Mädchen schluchzen und dann flüstern:
       „Solang Trump, Vance und Rubio uns bedrohen, solang wird Putin mit Raketen
       um sich schießen. So sehen die Vermittlungsbemühungen der USA aus.“
       
       Nach Trumps Amtsantritt und d[1][er Wiederaufnahme des sogenannten Dialogs
       mit Putin] werden die USA in der Ukraine als sehr aggressiv wahrgenommen.
       In Luzk wird auch Kuleba gefragt, wie man jetzt mit den Amerikanern umgehen
       solle. „Es musste so kommen“, sagt er. „Denn wenn man sich ausschließlich
       auf die Unterstützung seiner Partner verlässt, steht man am Ende auf
       verlorenem Posten. Jetzt lernen sowohl wir als auch der Rest von Europa,
       dass wir uns nur auf uns selbst verlassen können“, so Kuleba. In seiner
       Zeit als Außenminister hatte er erfolgreich mit den USA zusammengearbeitet.
       
       Jede Nacht werden Charkiw, Odessa und Dnipro [2][von der russischen Armee
       angegriffen,] nicht vergessen sind die terroristischen Anschläge auf Krywyj
       Rih und in Sumy. Es sind die Russen, die töten. Aber die Ukrainer sehen
       auch die Schuld bei den Amerikanern. Viele Ukrainer denken, dass sie den
       Aggressor unterstützen und ihm bei den Friedensvorschlägen freie Hand
       lassen.
       
       ## Trump und Co tragen mit Putin die Verantwortung
       
       Es ist nicht verwunderlich, dass der nächtliche Angriff auf Kyjiw vielen
       Aussagen zur Rolle der USA einen hasserfüllten Unterton verleiht. [3][Seit
       dem Treffen von Wolodymyr Selenskyj] mit Trump und Vance Ende Februar im
       Oval Office gab es keine derart heftigen Reaktionen mehr auf Trumps
       Forderungen, die Ukraine möge sich ergeben. Der Publizist Juri Bohdanow
       konstatierte: „Trump und Co. tragen gemeinsam mit Putin die Verantwortung
       für die jüngsten Angriffe auf ukrainische Städte.“
       
       Serhij Sydorenko, Chefredakteur des Onlinemediums European Pravda fasste
       den sogenannten Deal aus Trumps Sicht so zusammen: Die Ukraine stimmt zu,
       dass Russland den Krieg gewonnen hat. Europa findet, dass Trump die Welt
       gerettet hat. Die USA sind einverstanden, mit Putin Geld zu verdienen.
       Dafür werden die Ukrainer von Trump großzügig belohnt: Sie bekommen das
       Recht, den USA die Hälfte der Gewinne aus fossilen Rohstoffen zu
       überlassen. „Natürlich nicht umsonst, sondern für die Ehre, Trumps Partner
       zu sein. Und vergessen wir nicht eine wichtige Verpflichtung: Trump
       aufrichtig zu danken.
       
       Sollte er den Verdacht haben, dass wir unaufrichtig sind, wird das
       Konsequenzen haben. Sehen Sie, Putin war aufrichtig – jetzt bekommt er
       dafür zum Dank eine Schokoglasur“, schrieb Sydorenko. Die meisten Menschen
       hätten das Gefühl, dass zwei mächtige Staaten versuchen würden, ein
       überflüssiges kleines drittes Land von der Landkarte zu löschen.
       
       Auch die Friedensnobelpreisträgerin und Menschenrechtsaktivistin Oleksandra
       Matwijtschuk kann sich keine Videos aus Kyjiw ansehen, ohne zu weinen. In
       einem der Videos sagt ein Retter zu einer Frau, die aus den Trümmern eines
       Hauses gezogen wird: „Janotschka, bitte hab Geduld, Liebes.“ Man hört die
       Wärme und Fürsorge in seiner Stimme. „Ich sehe dieses Video und ich denke,
       dass wir abends nicht wissen, ob wir am nächsten Morgen wieder aufwachen.
       Krieg ist wie eine Lotterie. Ich denke an Russlands Psychoterror, der uns
       zermürben und dazu bringen soll, einen langsamen Tod zu akzeptieren. Und
       ich spüre, wie die Wut in mir hochkocht“, schreibt Matwijtschuk. „F*ckt
       euch. Aber nicht unsere Zukunft. Unsere Zukunft wird ohne euch
       stattfinden.“
       
       Die Studentinnen verlassen Kulebas Vortrag in Luzk, weit weg von der Front
       mit mehr Zuversicht. Sie gehen ohne Tränen in den Augen.
       
       Aus dem Ukrainischen Gaby Coldewey
       
       25 Apr 2025
       
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