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       # taz.de -- Papst Franziskus und sein Sporterbe: Trikotabwurfstelle am Heiligen Stuhl
       
       > Das katholische Oberhaupt wurde bis zu seinem Tod stetig von allen Seiten
       > mit Fußballtrikots beschenkt. Warum denn nur?
       
   IMG Bild: Ergreifender Moment für Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: Philipp Lahm und Manuel Neuer überreichen Papst Franziskus ein Trikot
       
       Die Fußballwelt trauert. [1][Papst Franziskus ist tot.] Der argentinische
       Fußballverband weinte seinem Landsmann mit folgendem Satz nach: „Franziskus
       war nicht nur eine spirituelle, sondern auch eine fußballerische Referenz“.
       Womöglich für Ungläubige wurde erklärend ergänzt, dass er sich mit
       „Spielern, Führungspersönlichkeiten und Fußballlegenden wie dem Kapitän der
       argentinischen Nationalmannschaft, Lionel Messi, [2][und Diego Maradona“]
       traf. Wehe dem, der seinen Heiligenschein nun immer noch nicht zu erkennen
       vermag!
       
       Aber auch in Deutschlands dritter Fußballliga ist die Betroffenheit groß.
       Der TSV 1860 München ließ die Welt wissen: „In tiefer Anteilnahme nimmt die
       Löwenfamilie Abschied von ihrem Ehrenmitglied Papst Franziskus und hofft,
       dass er den Sechzgern auch im Jenseits die Daumen drücken wird. Ruhe in
       Frieden!“
       
       Eine 25-köpfige Delegation aus München hatte dem Papst im Jahr 2014 bei
       einer Generalaudienz die Ehrenmitgliedschaft samt Urkunde und Trikot
       überreicht und danach behauptet, alles sei mit dem Heiligen Vater zuvor
       abgesprochen gewesen. Es wäre zumindest ein Zeugnis dafür, dass Papst
       Franziskus, wie dieser Tage so vielfach hervorgehoben wird, tatsächlich ein
       großes Herz für Bedürftige hatte, denen vornehmlich die Schattenseiten des
       Lebens vorbehalten sind.
       
       Die Zuneigung des Papstes zum Fußball („der schönste Sport der Welt“) im
       Allgemeinen und zum argentinischen Klub CA San Lorenzo de Almargo im
       Besonderen ist vielfach verbürgt. Letzteres hinderte jedoch keinen Klub
       dieser Welt am Versuch, das kirchliche Oberhaupt für sich zu vereinnahmen.
       Eine etwas ältere Quelle aus der Schweiz behauptet zwar, ein Schweizer
       hätte mit 1.888 Leibchen die größte Trikotsammlung der Welt, was auch im
       Guinness-Buch der Rekorde so festgehalten sei, doch Papst Franziskus dürfte
       locker über diese Zahl kommen. Jede Audienz wurde von Vereinsvertretern,
       Fußballprofis und Fans dazu genutzt, hundeartig eine neue Marke zu setzen
       und das Vorgängertrikot vergessen zu lassen.
       
       ## Unergründliche Wege
       
       Ein Brauch, vielleicht war das Franziskus ein Trost, den zuvor Papst
       Benedikt XVI. ebenso über sich ergehen lassen musste, obwohl er mit diesem
       Spiel bekanntermaßen wenig anfangen konnte. Auch die Wege der Menschen sind
       zuweilen unergründlich. [3][Ob der verstorbene Papst Benedikt ebenfalls
       Ehrenmitglied bei 1860 München war], wie einige mit Vereinsnähe behaupten,
       darüber herrscht allerdings Uneinigkeit. Nach Durchsicht aller Protokolle
       der Delegierten- und Mitgliederversammlungen ließe sich das nicht
       verifizieren, hieß es in einer Vereinsstellungsnahme zuletzt. Bezeugt
       werden kann lediglich eine Trikotübergabe.
       
       Wurde erfolgreichen Klubs wie Bayern München eine Audienz gewährt,
       spiegelte sich aus Sicht der Sportbeobachter in dieser Begegnung nur leicht
       ironisch die Größe des Fußballs. „Händedruck der Oberhäupter“, betitelte
       der Kicker ein Foto von 2014, auf dem Papst Franziskus gerade Karl-Heinz
       Rummenigge begrüßte. Der Heilige Vater des FC Bayern, Uli Hoeneß, saß
       damals blöderweise im Knast.
       
       Bemerkenswert ist dann doch, dass selbst Staatsoberhäupter, die nicht mit
       leeren Händen vor den Papst treten wollen, auf Fußballzubehör
       zurückgreifen. Spaniens ehemaliger Ministerpräsident Marino Rayoj etwa
       drückte Franziskus das Hemd der Furia Roja, wie die Auswahlkicker dort
       genannt werden, in die Hände; Brasiliens einstige Präsidentin Dilma
       Rousseff wagte es gar, dem Argentinier ein Trikot von Pelé zu überreichen.
       
       Und Bundeskanzler Olaf Scholz sorgte für Heiterkeit beim Pontifex, als er
       mit dem offiziellen Ball der Fußballeuropameisterschaft 2024 vor ihm stand.
       Das Trikot vom DFB-Team hatte er vermutlich nur vergessen.
       
       25 Apr 2025
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Johannes Kopp
       
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