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       # taz.de -- Hamas-Kontrolle in Gaza: Vom Machtverzicht noch weit entfernt
       
       > Schon wieder berichtet ein Medium, die Hamas sei bereit, die Kontrolle
       > des Gazastreifens abzugeben. Nach derzeitigem Stand ist das aber
       > unrealistisch.
       
   IMG Bild: Nach dem israelischen Angriff auf ein Haus in Khan Younis im südlichen Gazastreifen
       
       Es ist wieder so weit. Ein Medium – diesmal die BBC – berichtet mit Bezug
       auf Insiderquellen: Die Hamas im Gazastreifen [1][sei bereit, die Kontrolle
       abzugeben], etwa an eine palästinensische Technokraten- oder
       Einheitsregierung. Ein echter Durchbruch dazu ist in den Verhandlungen um
       einen dauerhaften Waffenstillstand theoretisch möglich, aber nach
       derzeitigem Stand unrealistisch.
       
       Die Zerstörung Gazas in dem seit dem 7. Oktober 2023 anhaltenden Krieg ist
       immens, zehntausende Palästinenser wurden bei [2][der israelischen
       Offensive] getötet. Und trotz alldem scheint Israels Militär nur
       eingeschränkt gegen die Hamas anzukommen: So vermeldete es jüngst, den
       Kommandanten des Hamas-Bataillions von Shujaya, das ist ein Viertel in
       Gaza-Stadt, getötet zu haben – [3][zum mittlerweile fünften Mal].
       
       Auch einen nächsten „Man for the Job“ wird die Hamas sicher finden. Gerade
       vergangenes Wochenende [4][griff eine Gruppe Hamas-Kämpfer israelische
       Soldaten] nahe der Grenze an, aus einem noch bestehenden Tunnel heraus.
       Dazu kommt: Durch die Evakuierungsbefehle treibt Israel Zivilisten in von
       der Hamas kontrollierte Gebiete – und stärkt so deren Kontrolle, etwa über
       Hilfsgüter..
       
       Das weiß die Hamas. Und auch, dass die Zeit auf ihrer Seite ist, wenn
       Israels Militär immer wieder an dieselben Kriegsschauplätze im Kampf gegen
       dieselben Bataillone zurückkehrt. Wenn die internationale Stimmung aufgrund
       der [5][brutalen Kriegsführung Israels] weiter kippt. Wenn die israelische
       Gesellschaft an der Frage des Umgangs mit den in Gaza verbliebenen Geiseln
       weiter zerbricht.
       
       Der Druck auf die Hamas scheint nicht groß genug, um sie tatsächlich zu
       einer Entwaffnung zu bewegen. Das macht sie immer wieder klar. Wenn die
       Hamas „Macht abgeben“ sagt, meint sie maximal ihren Verwaltungsapparat,
       nicht ihre Waffen. Und schaut man sich Gaza an, ist äußerst fraglich, wie
       der Druck militärisch noch erhöht werden sollte – auch vor dem Hintergrund
       der bereits bestehenden massiven Verstöße gegen internationales Recht.
       
       Einen wunden Punkt gibt es: Auch der sechste Kommandeur des
       Shujaiya-Bataillions möchte bezahlt werden. [6][Nach Medienberichten fehlt
       der Hamas dafür immer mehr das Geld.] Das verdient sie bislang vor allem
       durch das Auspressen der Zivilbevölkerung indem sie Güter und Bargeld
       kontrolliert. Diese Möglichkeit muss ihr genommen werden. Etwa durch die
       Schaffung international verwalteter Camps für binnengeflüchtete Gazaner, in
       denen sie in Sicherheit versorgt werden – ohne Profit für die Hamas. Diese
       Option liegt derzeit wohl leider nichtmal auf dem Verhandlungstisch.
       
       22 Apr 2025
       
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   DIR [4] https://www.timesofisrael.com/weekend-hamas-ambush-lays-bare-vulnerability-of-israeli-held-gaza-buffer-zone/
   DIR [5] /Israelischer-Bruch-der-Waffenruhe/!6074368
   DIR [6] https://www.wsj.com/world/middle-east/hamas-finances-fighters-payments-gaza-f98df760?mod=middle-east_news_article_pos1
       
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