# taz.de -- „So“ – ein Wörtchen mit Potenzial: So zu behandeln wie jede andere Opposition auch
> Mit zwei Buchstaben lässt sich mehr sagen, als man denkt. Und manchmal
> auch etwas, das man nicht mal denken mag: etwa die Brandmauer
> einzureißen.
IMG Bild: Auch Boris Pistorius nutzte das „so“, um eine Chefansage zu senden, und zwar in Richtung Friedrich Merz
Großgetöse um Großkampfbegriffe ist immer. Unterhaltsam kann aber auch
sein, dem Geraschel zuzuhören, das weniger laut polternde Geister auf
kleinstem Raum entwickeln. Beispielsweise dem kleinen „so“.
Eigentlich ein ausnehmend hübscher Anblick, wie das o vom s sanft
angeschoben wird, hat es das „so“ aber faustdick hinter den Ohren. Es ist
ein Chamäleon, ein Hochstapler, ein Opportunist. Einerseits ist das
schlichte „so“ so schön offen für Interpretation, lässt jede Menge
Spielraum („Ich sage mal so …“, „Das kann man so und so sagen“, „So ist das
Leben“, „Sodele“).
Gleichzeitig kann es Repressionsmaßnahme sein, die dem Spaß ein Ende
bereitet („So kommen wir nicht weiter“, „So nicht, Freundchen“, „Das lassen
wir jetzt mal so stehen“). Zweimal hintereinander gesprochen, drückt das
„so“ zweifelnde Zustimmung aus, die auch nach einer Drohung klingen kann.
Spricht man sein s eher als z und hält das o zackig kurz, lässt sich damit
auf alle Fälle Autorität demonstrieren, die Durchsetzungsstärke
signalisiert.
Auch die TV-Moderator*innen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von
[1][Markus Lanz] bis Maybritt Illner nutzen das „so“ inzwischen so, wenn
sie klarmachen wollen, dass einer ihrer Gäste den Punkt gemacht hat, zu dem
sie sowieso kommen wollten oder den Redefluss unterbrechen wollen, ohne
eigene Sätze über das Palaver zu sprechen, bei dem niemand mehr ein Wort
versteht.
## Genug mit Gockelhaftigkeit
Mutmaßlich hat die Talkregie ernst genommen, dass viele Zuschauer*innen
nicht nur der Floskel- oder Gockelhaftigkeit der Diskutierenden überdrüssig
sind, sondern vor allem abschalten, wenn Diskutant*innen und
Moderator*innen sich gegenseitig auf die Tonspur sprechen. Der
Empörungslust und Prügelbereitschaft auf Social Media steht anderenorts
ganz offensichtlich wieder ein größeres Bedürfnis nach unaufgeregten, gut
argumentierenden und informierten Gesprächen gegenüber.
Weil Ostern ist, wollen wir die Bibel reinholen und erinnern an Jesaja
55,11. Dort heißt es: „So soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch
sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was
mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“
Als Politiker*in hat man diesen Bibelvers wahrscheinlich als Poster
über dem Bett hängen, und auch das „so“ nutzen sie als Wort, das nicht leer
zu ihnen zurückkommen soll, sondern tun, wozu sie es senden.
Zuletzt hatte Friedrich Merz mit dem kleinen „so“ klargemacht, wer der Chef
ist: [2][„Das haben wir so nicht verabredet“], erwiderte er auf die Aussage
von SPD-Chef Lars Klingbeil, der Mindestlohn 2026 werde auf 15 Euro
steigen.
Auch Boris Pistorius nutzte das „so“, um eine Chefansage zu senden, und
zwar in Richtung des seit sechs Monaten als mutmaßlich nächster
Bundeskanzler gehandelten CDU-Chefs. Dieser hatte gesagt, er werde
Marschflugkörper für die Ukraine nur in Abstimmung mit den europäischen
Partnern liefern. „Ich kenne keinen europäischen Partner mit einem solchen
System. [3][Von daher ist das mit der Abstimmung auch so eine Sache]“, ließ
Pistorius wissen.
Wer „so“ sagt, hat ausweislich des deutschen Sprichworts noch lange nicht
fertig. Das „so“ ist derzeit das Wort, das den Zukunftskurs der CDU
anklingen lässt. Jens Spahns Rat lautet nämlich, mit der AfD „[4][so
umzugehen wie mit jeder anderen Oppositionspartei auch]“.
Wird der So-Umgang mit Rechtsradikalen tun, was Jens Spahn gefällt, und
wird ihm gelingen, wozu er es gesendet hat? Oder wird der So-Umgang die CDU
dahin führen, wo die Republikaner längst sind: am Ende. Es kann so oder so
ausgehen. Fest steht nur, dass Rechtspopulisten à la Trump Verbrecher sind,
die wie Bert Brechts zynischer Gangster Mackie Messer klingen: „[5][Es geht
auch anders, doch so geht es auch].“
19 Apr 2025
## LINKS
DIR [1] /!vn5860135/
DIR [2] /Diskussion-ueber-Mindestlohn/!6079006
DIR [3] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/taurus-diskussion-merz-pistorius-100.html
DIR [4] /Politologe-ueber-Brandmauer-und-CDU/!6078106
DIR [5] https://www.youtube.com/watch?v=QCddsMshytk
## AUTOREN
DIR Doris Akrap
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