URI:
       # taz.de -- Punker „Rotten“: Johnny Rotten findet die Hamas doof und Trump toll
       
       > Der ehemalige Leadsänger der Sex Pistols hat sich am Rande zu Israel
       > geäußert. Die Jüdische Allgemeine feiert ihn, aber verschweigt auch
       > etwas.
       
   IMG Bild: Hat er die gleiche Haarfarbe wie sein geliebter Trump? Johnny Rotten bei einem Konzert seiner Band PiL 2023 im Berliner Metropol
       
       John Joseph Lydon ist kein Name für eine Punk-Ikone. Deshalb erhielt er
       Mitte der 1970er Jahre den Namen „Johnny Rotten“, angeblich wegen seiner
       mangelnden Mundhygiene. Seine Zähne waren grün, und der
       Sex-Pistols-Gitarrist Steve Jones sagte: „You are rotten!“
       
       Inzwischen ist er längst nicht mehr „rotten“: Seine Zähne hat er 2008 für
       22.000 Dollar in Los Angeles richten lassen, und sein rebellisches Image
       hat er gegen eine erzkonservative Haltung eingetauscht.
       
       Er hat den Brexit unterstützt und den Rechtsausleger Nigel Farage als
       „fantastisch“ bezeichnet, Donald Trump gewählt und [1][über die
       US-Einwanderungspolitik] gesagt: „Ich habe Jahre gebraucht, um Amerikaner
       zu werden, weil ich eine Vorstrafe hatte, aber die Vorstellung, Millionen
       illegal über die Grenze zu lassen und ihnen ein Fünf-Sterne-Hotelschiff zu
       bieten, ist eine Verhöhnung der Jahre, in denen ich mich der Bürokratie
       hingegeben habe.“ Er liebe Trump, weil der Institutionen zerschlage, die
       „unser Leben zerstören“.
       
       ## Schlagzeilen in jüdischen Zeitungen
       
       Vorige Woche hat er erneut Schlagzeilen gemacht. Ausgangspunkt war ein
       Interview, das Rotten am 5. April dem Irish Independent gegeben hatte.
       Darin ging es lediglich [2][am Rande um Israel.]
       
       Aufgegriffen hat das Gespräch Sophie Albers Ben Chamo, sie verteidigt
       Rotten in der Jüdischen Allgemeinen: „Eine irische Zeitung hat versucht,
       den Ur-Punk Johnny Rotten vorzuführen, der sich kraftvoll gegen einen
       Boykott Israels wehrt. Das ging gründlich schief.“ Damit verzerrt Albers
       Ben Chamo das Interview allerdings. Sie biegt Zitate zurecht und
       verschweigt, dass Lydon sich als irisch bezeichnet. Das liegt vermutlich an
       einer antiirischen Einstellung, die in vielen jüdischen Medien verbreitet
       ist.
       
       Dabei ging es dem Interviewer im Irish Independent keineswegs darum, Lydon
       „vorzuführen“. Tatsächlich drehte sich das Gespräch um die bevorstehende
       Tournee von Lydons Band Public Image Ltd (PiL). Ja, Lydon hat über das
       KI-generierte Video von Hotels im Gazastreifen gesagt:
       
       „Ein böser Sinn für Humor. Ich denke, als Bürger würde ich den Geldzufluss
       begrüßen. Die Hamas sind im Grunde nur Judenvernichter, das ist ihr
       einziger wirklicher Zweck.“ Natürlich würde er wieder in Israel auftreten,
       wie er es 2010 in Tel Aviv getan hat: „Das war etwas Besonderes, denn kein
       muslimisches Land hat mich je eingeladen.“
       
       ## „No Irish, no Blacks, no Dogs“
       
       Dann geht es um das Glück, dass er und seine Frau ihren gebuchten Flug auf
       der Maschine, die 1988 in einem Terrorakt über Lockerbie abgeschossen
       wurde, verpasst hatten, über den Panamakanal, über den Lydon sagt, dass
       „Amerika für dieses Ding bezahlt“ habe, bis hin zu seiner Werbekampagne für
       Country-Life-Butter und seine Teilnahme an der Reality-TV-Show „I’m a
       Celebrity – Get Me Out of Here!“.
       
       Und natürlich kommen auch die [3][Sex Pistols zur Sprache, als deren
       Leadsänger er berühmt geworden war]. Nach deren Auflösung 1978 gründete er
       PiL, die nach einer Pause von 1993 bis 2009 wieder auftreten und Platten
       produzieren. Vor zwei Jahren reichte Lydon mit PiL einen Song ein, um
       Irland beim jährlichen Eurovision Song Contest zu vertreten. „Hawaii“ war
       seiner Frau Nora Forster gewidmet, einer Verlegerin aus Deutschland, die 14
       Jahre älter war als er und 2023 an Demenz gestorben ist.
       
       Inzwischen ist Lydon 69, er wurde 1956 in London geboren. Seine Eltern
       waren Einwanderer aus Irland. In seiner Autobiografie „Rotten – No Irish,
       No Blacks, No Dogs“ schreibt er, dass englische Eltern Steine nach ihm
       warfen, als er zur Schule ging. „Wir Iren waren der Abschaum. Aber es macht
       auch Spaß, Abschaum zu sein.“
       
       13 Apr 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /US-Migrationspolitik/!6059571
   DIR [2] /Schwerpunkt-Nahost-Konflikt/!t5007999
   DIR [3] /Serie-ueber-Band-Sex-Pistols-bei-Disney/!5882540
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ralf Sotscheck
       
       ## TAGS
       
   DIR Punk
   DIR Irland
   DIR Sex Pistols
   DIR Hamas
   DIR Schwerpunkt Nahost-Konflikt
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Antisemitismus-Vorwurf
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Krieg in Gaza: Hilfeschrei der Hilfsorganisationen
       
       Israel blockiert seit einem Monat sämtliche humanitären Hilfslieferungen in
       den Gazastreifen. Die Arbeit für die NGOs selbst wird immer gefährlicher.
       
   DIR US-Einwanderungspolitik: Bei Einwanderern steigt die Angst
       
       In den USA führt die Einwanderungspolizei ICE Razzien gegen „Illegale“
       durch. Heimatschutzministerin Kristi Noem will „Amerika wieder sicher
       machen“.
       
   DIR Umgang mit der Hamas: Der blinde Fleck der Antizionisten
       
       Weder die Hamas noch die Palästinensische Autonomiebehörde stehen für
       Menschenrechte oder Freiheit. Die Sicht der postkolonialen Blase ist oft zu
       einseitig.