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       # taz.de -- Mieterin klagt gegen Kündigung: Nesthäkchen hat Eigenbedarf
       
       > Eine Charlottenburger Mieterin wehrt sich gegen eine
       > Eigenbedarfskündigung. Der junge Eigentümer lässt sich vor Gericht von
       > seinem Vater vertreten.
       
   IMG Bild: Justitia überm Haupteingang zum Amtsgericht Charlottenburg: Monika Smolarek fürchtet um ihre Wohnung
       
       Berlin taz | Vor dem Amtsgericht Charlottenburg herrschte am
       Dienstagvormittag großer Andrang. Dort wurde über die Eigenbedarfskündigung
       der Mieterin Monika Smolarek verhandelt. Eigentlich Alltag in Berlin: Nach
       Angaben des Berliner Mietervereins sind [1][jedes Jahr mehr als zehntausend
       Mieter*innen von Eigenbedarfskündigungen betroffen], bei denen der
       Wohnungseigentümer oder nahe Verwandte Anspruch auf die Räume erheben.
       
       Doch Monika Smolarek gehört zu jenen Betroffenen, die sich gegen die
       Kündigung wehren. Im Internet hat sie dazu schon vor einigen Wochen
       [2][eine Petition gestartet]. Leicht sei ihr der Schritt an die
       Öffentlichkeit nicht gefallen, betont Smolarek: „Aber ich habe es getan,
       weil ich meiner neunjährigen Tochter ein gutes Leben ermöglichen will“, so
       die Mieterin zur taz.
       
       Zuvor hatte sie vergeblich versucht, für sich und ihre Familie eine neue
       Wohnung zu finden. „Ich habe in den letzten Wochen viele Zettel für die
       Wohnungssuche in meinen Stadtteil aufgehängt und mich auf kostenpflichtigen
       Wohnportalen angemeldet. Doch ich hatte keinen Erfolg“, lautet Smolareks
       ernüchterndes Fazit.
       
       ## Kauf, Grundbucheintrag, Kündigung
       
       Die Wohnung von Monika Smolarek war 2023 an einen 26-jährigen Mann verkauft
       worden. Am Tag nach dem Eintrag ins Grundbuch flatterte Smolarek prompt die
       Kündigung in den Briefkasten. Der neue Eigentümer gab an, dass er gemeinsam
       mit seiner Partnerin aus dem zwölf Quadratmeter großen Kinderzimmer seiner
       elterlichen Villa in Charlottenburg aus- und in die Wohnung einziehen
       wolle.
       
       Doch Smolarek und ihre Anwältin Carola Handwerg sind davon nicht überzeugt.
       Um die Größe des Kinderzimmers in der elterlichen Immobilie ging es dann
       auch am Dienstag vor Gericht. Handwerg wollte von der Mutter des
       Eigentümers – die als Zeugin geladen war – wissen, wie groß das Zimmer
       wirklich ist. Klare Antworten gab es kaum.
       
       Dafür mischte sich immer wieder der Vater des Eigentümers ein, der seinen
       Sohn vor Gericht als Anwalt vertritt – sich aber nicht als Zeuge zu den
       Fragen äußern durfte. „Eine solche Konstellation hatte ich vor Gericht
       bisher noch nie“, wundert sich Anwältin Handwerg gegenüber der taz.
       
       Sie begrüße es, wenn bei solchen Gerichtsterminen solidarische
       Mieter*innen die Verhandlung verfolgen. „Dann arbeitet das Gericht
       sorgfältiger und auch die Zeug*innen sind mit ihren Aussagen viel
       vorsichtiger“, betont die Anwältin.
       
       Eine Entscheidung fiel am Dienstag noch nicht. Die Richterin muss
       entscheiden, ob sie noch weitere Zeug*innen anhört und einen möglichen
       Härtefall auf Seiten der Mieterin prüft. Smolarek und ihre Familie haben
       Zeit gewonnen, doch die Angst um ihre Wohnung bleibt.
       
       25 Mar 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Erfolg-gegen-Eigenbedarfskuendigungen/!6054371
   DIR [2] https://www.change.org/p/unser-zuhause-ist-in-gefahr-unsere-familie-soll-raus-damit-andere-profitieren
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Peter Nowak
       
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