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       # taz.de -- Deutschlands Wehrhaftigkeit: Wehrpflicht versus Berufsarmee
       
       > Die Bundeswehr kann ihr modernes Equipment finanzieren. Lösungen für das
       > Personalproblem stehen indes aus und sind umstritten.
       
   IMG Bild: Karten spielen in Zeiten der Friedensdividende: Rekruten der Bundeswehr vertreiben sich 1982 die Zeit in der Kaserne
       
       Geld ist genug da. Nachdem der alte Bundestag schnell noch beschlossen hat,
       die Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit weitgehend von der
       Schuldenbremse auszunehmen, sind die finanziellen Hürden gegen eine massive
       Aufrüstung abgeräumt. Was fehlt, sind Soldaten. Circa 182.000 stehen
       zurzeit unter Waffen, und die Bundeswehr hat mit Schwund zu kämpfen. Dabei
       wären mehr als 200.000 nötig, und der Bedarf wird noch wachsen. Doch woher
       nehmen?
       
       Zu Zeiten des Kalten Kriegs war es einfach. Die Wehrpflicht – in der
       Bundesrepublik 1956 eingeführt, in der DDR 1962 – verschaffte beiden Armeen
       einen stetigen Zufluss junger Männer. Auf 170.000 Mann wuchs die NVA, auf
       500.000 kam die Bundeswehr. Dass ab dem Ende der Blockkonfrontation 1990
       die Zahl kontinuierlich sank, durfte als Friedensdividende gebucht werden.
       Allein der Wehrgerechtigkeit wegen war es geboten, die Wehrpflicht 2011
       auszusetzen.
       
       Der ewige Frieden ist vorbei – eigentlich schon seit der Annexion der Krim
       und dem Beginn des Kriegs im Donbass, spätestens aber seit dem
       [1][russischen Überfall auf die Ukraine] am 24. Februar 2022. Nach drei
       Jahren Krieg hat Putin seine Kriegsziele zwar nicht erreicht, wähnt sich
       aber, auch weil Trump ihm entgegenkommt, auf der Siegerstraße. Und es soll
       nicht bei der Ukraine bleiben, davon gehen zumindest westliche
       Geheimdienste aus. Ab 2029 wird Russland vermutlich in der Lage sein,
       Angriffe auf Nato-Staaten, etwa die baltischen Nachbarn, zu wagen.
       
       Allein schon um möglichen [2][Nato-Verpflichtungen] nachkommen zu können,
       muss Deutschland also kriegstüchtig werden. Verteidigungsminister Boris
       Pistorius hatte das Wort bewusst gewählt: Es bedeutet, dass wir in der Lage
       sein sollen, einen militärischen Angriff abzuwehren. Um auf die notwendige
       Truppenstärke zu kommen, werden verschiedene Modelle diskutiert.
       
       ## Den Dienst an der Waffe attraktiver machen
       
       Da ist zum einen die Wehrpflicht. Vom damaligen Verteidigungsminister
       Karl-Theodor zu [3][Guttenberg 2011 nicht abgeschafft, sondern lediglich
       ausgesetzt], kann sie mit einfacher Bundestagsmehrheit wieder eingesetzt
       werden. Das würde auf einen Schlag viele junge Männer – für Frauen gilt sie
       nicht – mobilisieren, für die es jedoch weder ausreichend
       Musterungsbehörden noch Kasernen und Ausbilder gibt, von Ausrüstung nicht
       zu reden.
       
       Kann aber nur ein kleiner Teil gemustert und eingezogen werden, drängt sich
       sofort wieder die Gerechtigkeitsfrage auf. Warum muss ich zum Bund und mein
       Nachbar nicht? Um dieses Dilemma zu umschiffen, bietet sich ein
       Freiwilligenmodell an. [4][Der „Neue Wehrdienst“], ein Vorschlag des
       Sozialdemokraten Pistorius, basiert auf Freiwilligkeit: Jeder 18-Jährige
       füllt einen Musterungsfragebogen aus. Bekundet er Interesse, in der
       Bundeswehr zu dienen, wird er zur Musterung eingeladen.
       
       Einen sechsmonatigen „[5][Freiheitsdienst]“ schlagen bayerische Grüne vor,
       für alle zwischen 18 und 67 Jahren, unter dem nicht ganz unpathetischen
       Motto: Was kannst du für dein Land tun? Problem: Dazu müsste das
       Grundgesetz geändert werden, die nötige Zweidrittelmehrheit ist jedoch
       nicht in Sicht.
       
       Zudem lehnen nicht wenige junge Leute einen solchen Pflichtdienst ab.
       Stattdessen müsse, so Juso-Chef Philipp Türmer, die Bundeswehr attraktiver
       werden: „Egal ob Pflege, Kita oder Bundeswehr: Wir brauchen gute Bezahlung
       und gute Arbeitsbedingungen statt Zwangsdienste für Jugendliche.“ Noch
       radikaler drückt es [6][Ole Nymoen], Autor des Bestsellers „Warum ich
       niemals für mein Land kämpfen würde“, aus: Im Ernstfall würde er lieber in
       Unfreiheit leben, als für Freiheit zu sterben.
       
       ## Freiwillig kommt günstiger
       
       Das ist der Sound der postheroischen Gesellschaft. Den summten schon die
       Rekruten in den 1980er Jahren: Daran, dass die Bundeswehr festen Willens
       war, die DDR zu überfallen, glaubte dort keiner mehr, auch wenn anderes
       vorgetragen wurde. In bundesdeutschen Kasernen dürfte es ähnlich gewesen
       sein. In dieser Lage sei das größte Problem kultureller Art, sagt der
       bulgarische Politologe Ivan Krastev. Weil so lange Frieden geherrscht habe,
       sei Krieg undenkbar geworden.
       
       Jetzt die Menschen auf einen Krieg vorzubereiten, sei ein großer Bruch.
       Bevor wir weiter abwägen zwischen Pflicht und Freiheit, hilft vielleicht
       die Frage nach den Kosten weiter: Was ist teurer – eine Berufsarmee oder
       eine Wehrpflichtigenarmee? Das [7][Deutsche Institut für
       Wirtschaftsforschung] und das [8][ifo Institut] kommen übereinstimmend zu
       dem Ergebnis: Die Bundeswehr mit mehr Personal auszustatten, ist über eine
       Marktlösung gesamtwirtschaftlich deutlich günstiger als über die
       Wehrpflicht.
       
       Und selbst wenn es doch etwas teurer werden sollte – [9][genug Geld ist ja
       da].
       
       5 Apr 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
   DIR [2] /Nato-Vorgabe-fuer-Ruestungsbudget/!5992405
   DIR [3] /Erfolg-fuer-Guttenberg/!5135786
   DIR [4] /Plaene-fuer-Neuen-Wehrdienst/!6058024
   DIR [5] /Wehrpflicht-Debatte/!6075788
   DIR [6] https://www.zeit.de/2024/32/wehrpflicht-deutschland-kaempfen-junge-menschen-bundeswehr
   DIR [7] https://www.diw.de/de/diw_01.c.906580.de/nachrichten/die_wiedereinfuehrung_der_wehrpflicht_ist_unverantwortlich.html
   DIR [8] https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Oeffentliche-Finanzen/Studien-Kurzexpertisen/ifo-studie-kosten-wiedereinfuehrung-wehrpflicht.pdf?__blob=publicationFile&v=3
   DIR [9] /Nach-Einigung-mit-den-Gruenen/!6075921
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Stefan Mahlke
       
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