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       # taz.de -- Polizistenmord in Griechenland: Multiklub-Besitzer muss vor Strafgericht
       
       > Der griechische Oligarch Vangelis Marinakis ist wegen Unterstützung einer
       > kriminellen Vereinigung angeklagt. Er sieht sich als politisches Opfer
       > des Premiers.
       
   IMG Bild: Da war noch vieles prima: Vangelis Marinakis beim Gewinn der Europa Conference League
       
       Athen taz | Er [1][stirbt am 27. Dezember 2023 um 12:34 Uhr Ortszeit].
       Genau 20 Tage zuvor durchschlägt eine abgefeuerte Leuchtkugel seinen
       Oberschenkel. Georgios Lyggeridis, 31, Polizist, bricht vor der Athener
       Sporthalle Melina Merkouri sofort zusammen. Er erleidet einen
       Herzstillstand, verliert rasch enorm viel Blut, fällt ins Koma. Mehrmals
       muss er operiert werden. Die Ärzte kämpfen um sein Leben. Vergeblich.
       
       Am Donnerstag wurde nun in Athen bekannt, dass der griechische Oligarch
       Vangelis Marinakis im Fall Lyggeridis mit vier weiteren
       Vorstandsmitgliedern von Olympiakos Piräus vor ein Strafgericht in Athen
       gestellt wird. Ferner müssen in der gleichen Causa laut dem 697-seitigen
       Beschluss des Richterrats 160 weitere Angeklagte vor Gericht. Der
       mutmaßliche Täter, damals gerade 18, ist geständig. Videos belegen, wie er
       mit rund 160 Hooligans die Sportarena während des Volleyball-Spitzenspiels
       zwischen den Erzrivalen Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen verlässt,
       um sich draußen mit der Polizei anzulegen.
       
       Die Partie wurde abgebrochen. Die Regierung in Athen unter dem
       konservativen Premier Kyriakos Mitsotakis [2][ergriff prompt drakonische
       Maßnahmen]. Bis zum 12. Februar 2024 fanden in Hellas’ Super League nur
       noch Geisterspiele statt. Strafrechtliche Ermittlungen wurden eingeleitet.
       
       Das Ergebnis: Den 160 Piräus-Rowdys wird vorgeworfen, eine kriminelle
       Vereinigung gebildet zu haben. Das ist hierzulande ein Kapitalverbrechen,
       das eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren nach sich zieht. Marinakis
       und Co haben sich vor Gericht hingegen wegen zweier Vergehen, nämlich der –
       maßgeblich finanziellen – Unterstützung einer kriminellen Vereinigung sowie
       der Anstiftung zur Gewalt im Sport zu verantworten.
       
       ## Marinakis ist außer sich
       
       Die Haftstrafen dafür sind mit höchstens fünf Jahren zwar milder. Für den
       mächtigen Piräus-Eigner Marinakis ist das indes kein Trost. Im Gegenteil.
       Er ist außer sich. Für seine Strafverfolgung machte er ohne Umschweife
       Premier Mitsotakis verantwortlich, den er frontal angriff. „In Panik
       versuchen der Premier (Mitsotakis) und die Medien, die skandalös vom
       [3][System Mitsotakis] profitieren, mich zu erpressen und als Geisel zu
       nehmen. Dazu benutzen sie die Justiz als Werkzeug“, polterte Marinakis.
       
       Seine Botschaft ist klar: „Ich habe keine Angst, lasse mich nicht
       erpressen, mache keine Absprachen. Ich gebe nicht nach. Die Demokratie wird
       sich durchsetzen. Koste es, was es wolle.“ Marinakis, 57, Reeder, dessen
       Vermögen vom Magazin Forbes mit 4,9 Milliarden US-Dollar taxiert wird, was
       ihn zum zweitreichsten Griechen macht, ist im internationalen
       Fußballgeschäft zu einer festen Größe avanciert. 2010 erwarb er
       Griechenlands Fußball-Rekordmeister Olympiakos. Die Rot-Weißen gewannen in
       der vorigen Saison die Europa Conference League.
       
       ## Klub-Imperium
       
       Obendrein legte sich Marinakis 2017 den Premier-League-Klub Nottingham
       Forest zu, danach kaufte er Portugals Erstligisten Rio Ave. Überdies strebt
       der höchst umtriebige Marinakis brasilianischen Medien zufolge eine
       Investition in die Nachwuchsabteilung des Klubs São Paolo an. Zudem hat er
       ein Medienimperium aufgebaut. Neben dem Fernsehsender Mega umfasst es die
       auflagenstärkste Athener Tageszeitung Ta Nea, das Wochenblatt To Vima sowie
       viele Webseiten.
       
       Unverhohlen wirft Marinakis Premier Mitsotakis nun vor, dass er ihn ob
       regierungskritischer Berichte seiner Medien in die Bredouille bringen will.
       Hintergrund dafür ist der jüngste Abhörskandal in Athen und der [4][Fall
       des verheerenden Zugunglücks mit 57 Toten]. Pikanterweise fungierte
       Marinakis einst als einer der wichtigsten Unterstützer von Mitsotakis. Dies
       ist offenkundig Schnee von gestern. Marinakis’ Worte sind eine Kampfansage
       – an Mitsotakis.
       
       3 Apr 2025
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Ferry Batzoglou
       
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