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       # taz.de -- Entwicklungshilfe in den USA: Radikalschlag abgeschlossen
       
       > 83 Prozent der US-amerikanischen Entwicklungsprogramme sollen eingestellt
       > werden, sagt Außenminister Marco Rubio. Organisationen warnen vor Folgen.
       
   IMG Bild: „USAID rettet Leben“: Demonstrant*innen in Washington, D.C
       
       BERLIN taz | Die [1][Abwicklung der US-amerikanischen Entwicklungshilfe]
       ist nach Angaben von Außenminister Marco Rubio abgeschlossen. Nach einem
       sechswöchigen Prüfungsprozess seien 5.200 der etwa 6.200 Programme der
       Entwicklungshilfebehörde USAID gestrichen worden, berichtete Rubio am
       Montag in sozialen Medien. Welche Programme überlebt haben, ist nicht
       bekannt.
       
       Die verbliebenen 18 Prozent der Programme sollen in Zukunft von Rubios
       eigenem Ministerium „effizienter“ verwaltet werden, schrieb er. Die
       Programme hätten etliche Milliarden US-Dollar „auf eine Weise ausgegeben,
       die den nationalen Kerninteressen der Vereinigten Staaten nicht diente (und
       in einigen Fällen sogar schadete)“.
       
       Präsident Donald Trump hatte bereits am Tag seines Amtsantritts per Dekret
       angeordnet, den Großteil der Gelder einzufrieren und alle Hilfs- und
       Entwicklungsleistungen im Ausland zu prüfen. Die Mehrheit der
       USAID-Mitarbeiter*innen ist entlassen oder beurlaubt worden. Die
       Webseite der Entwicklungsbehörde zeigt seit Wochen nur eine Seite mit dem
       Titel „Benachrichtigung über Verwaltungsurlaub“.
       
       Der Oberste Gerichtshof hatte vergangene Woche geurteilt, dass bereits
       zugesagte Mittel auch an USAID weitergegeben werden müssen, das Einfrieren
       der Gelder also unzulässig war. Dem langfristigen Einstellen von
       Humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit steht dem aber nichts
       entgegen. Dafür bräuchte die Regierung jedoch die Zustimmung im Kongress.
       
       ## Oxfam: „Rücksichtsloser Schritt mit irreparablem Schaden“
       
       Die USA sind bislang weltweit der größte Geber an Entwicklungsgeldern. Die
       zuständige Behörde USAID ist in mehr als 100 Ländern tätig. Ein
       [2][Großteil der Gelder geht in den Gesundheitsbereich] und versorgt
       Menschen etwa mit Impfungen gegen Polio oder Medikamente gegen Malaria.
       Mehr als 20 Millionen Menschen mit HIV werden vom US-Hilfsprogramm REPFAR
       mit lebensnotwendigen Medikamenten versorgt.
       
       USAID liefert Lebensmittelspenden in Gebiete, die von Hunger betroffen
       sind, Sudan, Somalia oder Äthiopien. Größtes Empfängerland war 2024 die
       Ukraine, die 16 Milliarden US-Dollar erhielt, etwa für Wiederaufbau und
       Krankenhäuser.
       
       Hilfsverbände berichten schon jetzt von katastrophalen Auswirkungen der
       Kürzungen, Hilfsgüter wurden nicht verteilt und lebenswichtige Medikamente
       nicht zugestellt. Die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger berichtet,
       das bereits Projekte eingestellt wurden, und rechnet mit bis zu 120
       Millionen US-Dollar weniger als geplant durch den Kahlschlag der
       US-Politik. „Infolgedessen können 1,5 Millionen Menschen, darunter mehr als
       797.000 stark unterernährte Kinder, nicht mehr mit lebenswichtiger Hilfe
       versorgt werden“.
       
       Aby Maxman, Chefin von Oxfam Amerika, sagt, die Kürzungen sind „ein
       rücksichtsloser Schritt, der irreparablen Schaden und Tod verursachen wird.
       Das bedeutet, dass Kinder und Familien nicht mehr die Nahrungsmittel, das
       saubere Wasser, die Gesundheitsversorgung, die Bildung und vieles mehr
       haben werden, die sie zum Überleben und für den Aufbau ihrer Zukunft
       benötigen“. Oxfam fordert den Kongress auf, die Programme zu verteidigen.
       
       11 Mar 2025
       
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