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       # taz.de -- Eishockey-Diplomatie der Supermächte: Auf die Propagandabühne
       
       > Auch mit ihren geplanten Eishockey-Spielen verändern US-Präsident Donald
       > Trump und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin die Weltordnung.
       
   IMG Bild: Eishockey-Deal? Dieses Händeschütteln von Putin (l.) und Trump beim G-20-Treffen in Osaka im Juni 2019 liegt etwas weiter zurück
       
       Das zweistündige Telefonat zwischen Putin und Trump in der vergangenen
       Woche hat sich bekanntlich weitestgehend als Nullnummer herausgestellt.
       Einer Waffenruhe in der Ukraine ist man keinen Schritt nähergekommen. Die
       Unklarheit, ob Angriffe gegen „Energie und Infrastruktur“ oder gegen
       „Energieinfrastruktur“ ausgesetzt werden sollen, war schon nach Stunden
       gleichgültig, [1][als Putins Drohnen mehrere ukrainische Stadtgebiete mit
       Bombenangriffen überzogen.] Das Einzige, was deutlich wurde, war, dass
       Putin mit Trump umspringen kann, wie er will.
       
       Immerhin scheint man sich in einer Sache angenähert zu haben. Als das
       Gespräch auf Eishockey kam, wurden offenbar beide Staatschefs von einem
       freudigen Enthusiasmus gepackt. Sowohl Trump als auch Putin lieben den
       Sport und so wurden sie sich rasch einig, dass man möglichst bald Spiele
       zwischen Teams der beiden Profiligen NHL und KHL austragen sollte.
       
       Das wäre in Zeiten des Kalten Krieges noch eine überaus begrüßenswerte
       Entwicklung gewesen. [2][So führte die Tischtennis-Diplomatie] zwischen Mao
       Zedong und Richard Nixon in den 70er Jahren zu einer merklichen und
       nachhaltigen Entspannung der Beziehungen zwischen den USA und China. In
       einer Ära, in welcher der US-Präsident mehr oder weniger gedankenlos die
       bestehende Weltordnung zertrampelt, haben solche Einigungen jedoch einen
       ganz anderen Beigeschmack.
       
       Trump schert sich kaum um internationale Abkommen, das ist bekannt. Was
       Sportorganisationen beschließen, scheint ihn noch weniger zu interessieren.
       Dass etwa der russische Sport im Großen und Ganzen seit der Invasion der
       Ukraine vom Weltsport ausgegrenzt wird. Bei Olympischen Spielen dürfen
       russische Athleten nur unter neutraler Fahne starten, die Eishockeyspieler
       aus Russland und Belarus bleiben mindestens bis Ende 2025 von
       internationalen Turnieren ausgeschlossen.
       
       ## Möglichkeit der Machtdemonstration
       
       Das Ziel einer solchen Politik ist es, für Putin den Sport als
       Propagandawaffe unschädlich zu machen. Wenn demnächst ZSKA Moskau bei den
       Florida Panthers gastiert oder die New Jersey Devils in St. Petersburg
       spielen, dann wäre Putin zumindest in begrenztem Umfang wieder die
       Möglichkeit geboten, sich per Sport als mächtig und leistungsstark oder
       vielleicht sogar als sympathisch darzustellen.
       
       Das Eishockey hat schon einmal dazu beigetragen, die
       russisch-amerikanischen Beziehungen anzutauen. Als in den 90er Jahren nach
       dem Fall des Eisernen Vorhangs die „Russian Five“ – Sergei Fedorov,
       Vladimir Konstantinov, Slava Kozlov, Slava Fetisov und Igor Larionov – aus
       der berüchtigten Schule des „Generals“ Victor Tichonov zu den Detroit Red
       Wings kamen, erwärmten sie nicht nur durch ihr brillantes Passspiel die
       Herzen der US-Fans, sondern stellten sich, allen Klischees der
       Hockey-Roboter zum Trotz, auch noch als überaus sympathisch heraus.
       
       Doch die Zeiten haben sich geändert. So hat [3][der russische
       NHL-Torschützenkönig Alexander Owetschkin] von den Washington Capitals
       einiges an Sympathien bei den Fans eingebüßt, seit er offen die russische
       Invasion der Ukraine unterstützt und einen Putin-Fanklub gegründet hat.
       Wenn er vermutlich am 10. April den ewigen Torrekord von Wayne Gretzky
       bricht, wird der Applaus von den Rängen deshalb eher müde ausfallen.
       Alleine das Weiße Haus wird wohl Begeisterung zeigen.
       
       So spiegelt die Eishockey-Diplomatie zwischen Trump und Putin eigentlich
       nur eines wider: die Kumpelei der beiden Anführer und ihren gemeinsamen
       Ausbruch aus einer freiheitlich-demokratischen Weltordnung.
       
       25 Mar 2025
       
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