# taz.de -- Krieg in Sudan: Hunderte Tote bei Luftangriff
> Aktivisten machen Sudans Armee für den Luftschlag auf einen Markt in
> Darfur verantwortlich. Laut der Demokratiebewegung starben über 400
> Menschen.
IMG Bild: Die fortwährende Gewalt in Sudan nimmt kein Ende
Berlin taz | Ein Luftangriff der sudanesischen Regierungsstreitkräfte auf
einen Markt in der Region Darfur hat nach lokalen Berichten mehrere Hundert
Tote gefordert. Von über 400 war am Dienstag in Meldungen von Aktivisten
der sudanesischen Demokratiebewegung die Rede, nachdem der Markt der
Kleinstadt Tura am Montagabend offenbar gezielt bombardiert worden war.
[1][Auf Videos] sind zahlreiche bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leichen
im Sand zu sehen, drumherum schockierte Überlebende.
In [2][ersten lokalen Berichten] war von 57 Toten und über 200 Verletzten
die Rede, später von 270 Toten und 380 Verletzten. Viele Verletzte wurden
ins nächstgelegene Krankenhaus der Kleinstadt Mellit gebracht. Aufgrund der
hohen Anzahl der Leichen sei eine genaue Zählung und eine Identifizierung
der Toten derzeit noch nicht möglich, erklärte am Dienstag gegenüber der
Nachrichtenagentur AFP das Anwaltskollektiv Emergency Lawyers, das Beweise
für Kriegsverbrechen in Sudan sammelt. Es sei aber unstrittig, dass „die
Flugzeuge der sudanesischen Armee ein fürchterliches Massaker angerichtet
haben“.
Sudans Armee dementierte den Angriff nicht, erklärte aber, bei ihren
Angriffen niemals auf „unschuldige Zivilisten“ zu zielen. Tura liegt in
Nord-Darfur in einem Gebiet unter Kontrolle der aufständischen [3][Miliz
RSF (Rapid Support Forces)], gut 30 Kilometer nördlich der
Provinzhauptstadt El Fasher. Die RSF erklärte, die Regierungsstreitkräfte
hätten in Tura ein „Massaker“ begangen.
## Darfur weitgehend unter RSF-Kontrolle
Das ist im Kontext des eskalierenden Krieges in Darfur zu sehen. El Fasher
ist die einzige der fünf Provinzhauptstädte in Darfur, die nicht unter
RSF-Kontrolle steht, und wird seit fast einem Jahr von der RSF belagert.
Hunderttausende Kriegsvertriebene leben dort fast ohne jede Versorgung.
Während Sudans Armee momentan die seit Kriegsbeginn im April 2023 umkämpfte
[4][sudanesische Hauptstadt Khartum] zurückerobert, versucht die RSF, ihre
Macht in Darfur zu konsolidieren. Ende vergangener Woche eroberte die RSF
den Ort Al-Maliha in Nord-Darfur, ein logistisches Zentrum für den
Nachschub der Regierungsarmee in El Fasher.
Sudans Armee bombardiert ihrerseits regelmäßig RSF-gehaltene Ortschaften in
Nord-Darfur und Nachschublinien aus Tschad und Libyen; Tura liegt an einer
davon. Schon mehrfach sind bei solchen Angriffen Märkte getroffen und sehr
viele Zivilisten getötet worden.
25 Mar 2025
## LINKS
DIR [1] https://x.com/aanogoud/status/1904481517989966049
DIR [2] https://www.darfur24.com/en/2025/03/25/57-killed-200-injured-as-sudanese-army-launch-airstrike-on-market-in-north-darfur/
DIR [3] /USA-sprechen-von-Voelkermord-in-Sudan/!6057281
DIR [4] /Krieg-im-Sudan/!6077182
## AUTOREN
DIR Dominic Johnson
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