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       # taz.de -- Designierter FDP-Parteichef: Christian Dürr muss die FDP als Zukunftsprojekt verkaufen
       
       > Noch-Fraktionschef Dürr soll die Nachfolge von Christian Lindner an der
       > Spitze der Liberalen antreten. Kann er die FDP zurück ins Parlament
       > führen?
       
   IMG Bild: Christian Dürr, Fraktionsvorsitzender der FDP, will Nachfolger von Christian Lindner werden
       
       Gefragt, was ihn vom amtierenden FDP-Chef Christian Lindner unterscheidet,
       muss sein möglicher Nachfolger kurz überlegen. „Der Nachname macht den rein
       alphabetischen Unterschied“, sagt Christian Dürr dann. Doch reicht das aus,
       um die Liberalen in der außerparlamentarischen Opposition neu aufzustellen?
       Inhaltlich war aus Dürr am Montag zumindest nicht mehr rauszubekommen, als
       er in Berlin seine Kandidatur für den FDP-Vorsitz erklärte und dabei
       deutlich machte, die Landesvorstände der Liberalen bereits hinter sich
       versammelt zu haben.
       
       „Ich bin als Fraktionsvorsitzender auch Teamleader“, stellte Dürr fest. Es
       gehe darum, für die Aufstellung der FDP in der Ära nach Lindner eine Gruppe
       zusammenzustellen, die aus „neuen Köpfen und bekannten Gesichtern“ bestehe.
       Dabei zählt Dürr zu der zweiten Kategorie.
       
       Der heute 47-jährige Politiker führt die FDP-Fraktion im Bundestag seit
       mehr als drei Jahren. Dürr gilt als Vertrauter Lindners und musste dafür
       Sorge tragen, dass die FDP im Parlament den Kurs zur Ampel-Politik hält.
       Dabei kam auch Dürr nicht gegen [1][die Absetzbewegungen der Liberalen] an,
       die gerade im Bundestag immer offener mit der eigenen Regierungspolitik
       haderten und geeinte Gesetzesvorhaben wie das Rentenpaket blockierten.
       
       Damit trägt auch Dürr einen Anteil an dem zerstrittenen Bild, das die FDP
       im Wahlkampf von sich gab und auch deshalb [2][mit 4,3 Prozent den Einzug
       in den Bundestag deutlich verfehlte]. Für die Liberalen ist dieser Makel
       wohl zu verschmerzen, und ohnehin will die FDP-Führung die Dauerkritik am
       eigenen Regierungshandeln nicht als Grund für den Misserfolg bei den Wahlen
       verstanden wissen. Von Dürr gab es nun nur einige nachdenkliche Worte: Der
       FDP seien im Wahlkampf viele Dinge zugeschrieben worden. „Wahrscheinlich
       hätten wir deutlich machen müssen, dass die verengten Zuschreibungen nicht
       stimmen.“
       
       ## Auf dem Marsch durch die Talsohle
       
       Für den Marsch durch die Talsohle, bei dem nicht klar ist, ob der Aufstieg
       so schnell wieder gelingt, ist die FDP dem Vernehmen nach zumindest
       finanziell gut aufgestellt. So könnte es auch Spielraum dafür geben, dass
       der Parteivorsitzende künftig Geld für seine Tätigkeiten bekommt. Bisher
       ist das bei der FDP ein Ehrenamt. Für Politiker in der Generation von Dürr
       dürfte das durchaus eine entscheidende Frage sein, angesichts des Risikos,
       das sie mit so einer Karriereentscheidung eingehen.
       
       Bei seinen Reden wirkt Dürr mitunter hektisch und aufgekratzt, kann dabei
       im Bundestag aber durchaus auch unterhaltsam sein. Dabei wird er sich
       künftig aber auch an Noch-Parteichef Lindner messen lassen müssen, der
       zumindest rhetorisch die Messlatte bei der FDP hoch gehängt hat.
       
       Doch genauso wichtig dürfte werden, wie gut es Dürr schafft, eine Truppe
       aufzustellen, die dem Projekt FDP Glauben schenkt und sie motiviert, am
       Ball zu bleiben. Zumindest die Außenpolitikerin Marie-Agnes
       Strack-Zimmermann und Parteivize Wolfgang Kubicki, die selber auch als
       mögliche Anwärter*innen für den Chefposten gehandelt wurden, scheint er
       auf seiner Seite zu haben. Auch die Landes- und Fraktionschefs der FDP
       stehen hinter ihm.
       
       Den Job, den mühsamen Aufstieg der FDP irgendwie in die Wege zu leiten,
       scheint Christian Dürr niemand streitig machen zu wollen. Das Restvermögen
       und die Restmacht der FDP zu verwalten, ist nun seine Aufgabe. Im Mai soll
       ein Parteitag über seine Kandidatur entscheiden.
       
       17 Mar 2025
       
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