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       # taz.de -- Mädchen und Naturwissenschaften: Niemand muss Angst vor Mathe haben
       
       > Wo Mädchen noch immer in der Minderheit sind: Klara (12) geht auf ein
       > Gymnasium mit Schwerpunkt Mathe und Naturwissenschaft.
       
   IMG Bild: Sie hat Spaß an Zahlen
       
       An den meisten [1][naturwissenschaftlichen und mathematisch orientierten
       Schulen] sind deutlich mehr Jungs als Mädchen. Genau so wie an meiner
       Schule. Wir haben 20 Jungs und 10 Mädchen in der Klasse, wobei es manchmal
       schwer ist sich durchzusetzen.
       
       Der Mangel an Mädchen liegt natürlich nicht daran, dass wir weniger
       intelligent sind, sondern weil sich einfach mehr Mädchen für andere Dinge
       wie Sprachen oder Musik interessieren.
       
       Oft ist es so, dass sich Jungs für andere Sachen interessieren als Mädchen
       und wir deshalb manchmal überstimmt werden. Ob das nun ungerecht ist oder
       nicht, kann man nicht so genau sagen, da natürlich auch Mädchen die selbe
       Meinung haben können wie Jungs.
       
       Aber im Unterricht sind es eigentlich immer Jungs die besonders laut sind.
       Dadurch kriegen wir manchmal mehr Hausaufgaben oder machen eine Sache doch
       nicht, weil die Jungs eben zu laut waren, auch wenn wir nichts gemacht
       haben. Natürlich machen das nicht alle Jungs, aber trotzdem ein Großteil.
       
       ## Wir Mädchen halten gut zusammen
       
       Weil es an meiner Schule so wenige Mädchen sind, hat eine Schülerin vor
       einigen Jahren den Marie-Curie-Tag erfunden. Marie Curie war eine
       Chemikerin und Physikerin, die zwei Nobelpreise gewonnen hat. An diesem
       Tag, der nach der Wissenschaftlerin benannt wurde, werden Mädchen, die von
       der Grundschule auf unser Gymnasium wechseln wollen, sich aber nicht sicher
       sind, ermutigt, auf unsere Schule zu kommen, damit es mehr Mädchen werden.
       
       Und das scheint bis jetzt auch ganz gut zu klappen. Mir ist aufgefallen,
       dass in der neuen fünften Klasse schon viele Mädchen sind, so dass es einen
       guten Ausgleich gibt. Natürlich sind es immer noch mehr Jungs. Aber ich
       habe das Gefühl, dass es sich mehr ausgleicht.
       
       Die Mädchen aus meiner Klasse und ich halten ziemlich gut zusammen. Wir
       helfen uns gegenseitig und sind eigentlich alle mit einander befreundet.
       Man ist natürlich nicht mit allen gleich eng befreundet, aber wir verstehen
       uns alle super miteinander. Zu bestimmten Feiertagen organisieren wir auch
       manchmal Dinge, wie zum Beispiel an Weihnachten. Wir machen an Weihnachten
       immer mit der ganzen Klasse ein Klassenwichteln, aber wir Mädchen machen
       uns auch nochmal ein extra Mädchenwichteln, da wir dabei unsere eigenen
       Regeln machen können und es uns einfach Spaß macht.
       
       Fußbälle, Schüsse, Tore – ein normales Jungsding oder? In meiner Klasse
       nicht. Ein paar von uns Mädchen spielen in der Frühstücks- oder Hofpause
       auch gerne Fußball, wobei die Jungs erst nicht wollten das sie mitspielen.
       Jetzt, da das schon zwei Jahre geht, haben sie die Mädchen akzeptiert und
       lassen sie immer mitspielen.
       
       ## Man kann es mit Jungs aushalten
       
       Es ist schon ein bisschen komisch an einer Schule zu sein, wo so viele
       Jungs sind, aber so dolle stört es mich eigentlich auch nicht. Ja, ich
       meine, Jungs können nervig sein, aber man kann es mit ihnen aushalten. Als
       ich nach der vierten Klasse auf das Gymnasium wechselte, wusste ich, dass
       dort viel mehr Jungs als Mädchen sein werden. In meiner Grundschulklasse
       waren wir ungefähr zur Hälfte aufgeteilt und ich konnte mir anfangs nicht
       vorstellen, wie es sein würde.
       
       Jeden Monat wird bei uns ein neuer Sitzplan festgelegt. Jeder kann dann auf
       einen Zettel schreiben, neben wem er gerne sitzen würde und neben wem
       nicht. Mein Klassenlehrer sammelt diese Zettel dann ein und erfüllt unsere
       Wünsche, oder auch nicht. Das ist immer Zufallssache. Dabei muss aber ein
       Mädchen neben einem Jungen sitzen, obwohl dann immer noch Jungs neben Jungs
       sitzen. Natürlich verstehen sich auch nicht alle Jungs aber trotzdem finde
       ich es etwas unfair. Ich mag es nicht neben einem Jungen zu sitzen. Nicht
       weil ich sie alle hasse, sondern weil ich mich einfach nicht so richtig mit
       ihnen verstehe. Manche sind auch laut oder nehmen den ganzen Tisch ein.
       
       Da meine Schule einen Schwerpunkt auf Mathematik und Naturwissenschaften
       hat, haben wir nicht nur viel Mathe-, Physik- und Biologie-Unterricht,
       sondern auch viele Wettbewerbe. Wir haben zum Beispiel die Matheolympiade,
       den Känguru Wettbewerb und den Informatik-Biber. Immer im Dezember haben
       wir auch noch Mathe und Physik im Advent, was wie ein Adventskalender
       funktioniert. Dort macht man jeden Tag ein Experiment oder eine
       Matheaufgabe und muss die richtige Lösung ankreuzen. Das ist eigentlich
       ganz cool, aber es ist manchmal ein bisschen blöd da man jeden Tag diese
       Aufgaben machen muss.
       
       ## Kein Mädchen sollte Angst haben
       
       Auch wenn es so viel mehr Jungs an mathematischen und
       naturwissenschaftlichen Schulen sind, finde ich kein Mädchen sollte Angst
       haben dort hin zu gehen. Ich habe mich auch getraut und jetzt bin ich
       eigentlich sehr glücklich da. Natürlich ist es schwerer als die
       Grundschule, aber ich mag meine neue Klasse eigentlich, auch wenn dort so
       viele Jungs sind. Es wäre schön wenn sich ein paar mehr Mädchen ermutigt
       fühlen, vielleicht durch diesen Text oder etwas anderes, auf eine solche
       Schule zu gehen.
       
       Ob ich, wenn ich mit der Schule fertig bin, etwas mit Mathe, Bio oder
       Physik machen möchte, weiß ich noch nicht so genau. Ich mag auch
       Englischunterricht oder malen. Vielleicht mache ich einfach beides.
       
       Klara, 12 Jahre
       
       7 Mar 2025
       
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