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       # taz.de -- Kinotipp der Woche: Besitz ergreifend
       
       > Zur Filmreihe „Bessessen“ ziehen düstere Mächte ihre Kreise um die
       > Menschen. Wer dabei an Politik denken muss, kriegt unheimliche Parallelen
       > zu spüren.
       
   IMG Bild: Szene aus „Possession“ von Andrzej Zulawski (Frankreich/Deutschland 1981)
       
       Eine kleine Filmreihe im Programmkino Z-inema präsentiert bis zum 25. März
       ein paar Horrorfilme unter dem Titel „Besessen“. Wer hier nun an Filme
       denkt, in denen böse Geister, unheimliche Mächte und Dämonen von Menschen
       Besitz ergreifen und diese manipulieren, liegt genau richtig. In allen drei
       Filmen, die gezeigt werden, geht es genau um so etwas.
       
       Allerdings hat man das Gefühl, dass hier nicht einfach nur drei ordentliche
       Schocker mit einer ähnlichen Thematik ausgesucht wurden, sondern dass man
       diesen ruhig auch ein paar politische Botschaften entnehmen darf. In allen
       drei Filmen werden Menschen von unheimlichen Kräften heimgesucht, die
       versuchen, in diese einzudringen und sie fremdzusteuern. Versuche, gegen
       die feindliche Übernahme anzugehen, gestalten sich als äußerst schwierig
       bis unmöglich.
       
       Denn die bösen Geister sind hinterlistig, täuschen und nutzen die Schwächen
       ihrer Opfer aus, um sich diese gefügig zu machen. Je mehr man sie gewähren
       lässt, desto stärker gewinnen sie an Kraft und Einfluss, sie werden dann
       immer stärker und noch stärker. Man bekommt so den Eindruck, dass die
       Ungeheuer und Inkarnationen des Bösen, die in den Filmen der
       „Besessen“-Reihe auftauchen, wie Metaphern auf Leitfiguren des
       gegenwärtigen Rechtspopulismus wirken, die gerade überall auf der Welt die
       Menschen belügen, betrügen und umschmeicheln. Und gegen die derzeit auch
       niemand ein wirkungsvolles Rezept hat.
       
       In Andrzej Zulawskis Kultfilm „Possession“ (1981) ist Berlin der Ort, wo
       eine seltsame Kreatur heranwächst, die die Fähigkeit besitzt, Menschen in
       ihren Bann zu ziehen, um irgendwann aus ihrem Versteck zu kriechen, um
       endlich Unheil in großem Stil anrichten zu können. Der Film spielt in einem
       Mauerstadt-Berlin, das kalt und abweisend wirkt. Die Mauer, die die Stadt
       teilt, taucht immer wieder auf, sie erinnert an den Wahnsinn des Dritten
       Reichs, an die totale Entfesselung von Zerstörungswut und Grausamkeit, als
       deren Folge sie erbaut wurde.
       
       Im Schatten der Mauer, unweit des Todesstreifens, wächst das Monster heran,
       bis es Menschengestalt angenommen hat und am Ende des Films ist klar, dass
       in Berlin, in Deutschland, das Unheil von einst nun in neuer Form
       wiederkehrt. Genau so, wie es aktuell, dieses Mal in Gestalt einer extrem
       rechten Partei, die sich immer weiter ausbreitet, erneut der Fall zu sein
       scheint.
       
       Dass die weiteren Filme der „Besessen“-Reihe aus Argentinien und den USA
       kommen, ist bestimmt auch kein Zufall. In dem einen Land regiert derzeit
       der Kettensägen-Präsident, in dem anderen mit Donald Trump und Elon Musk
       dessen geistige Freunde. Alles von sich selbst Besessene, die jeden fertig
       machen, der sich ihnen entgegenstellt.
       
       „The Wind“ (2018) spielt irgendwo in der Einöde Amerikas im 19.
       Jahrhundert. Das Land ist im Griff von Dämonen, die sich die Siedlerin
       Lizzy greifen, die sich gemeinsam mit ihrem Ehemann in der Einöde
       eigentlich ein gutes Leben aufbauen möchte. Sie sieht die Gefahr, aber
       Widerstand ist letztlich unmöglich.
       
       Ähnlich läuft es in „When Evil lurks“ (2023) aus Argentinien. Hier wächst
       der Dämon langsam in einem Menschen heran, getragen von dem Wunsch, seine
       volle Macht irgendwann in seiner wahren Gestalt erreichen zu können. Ein
       paar Menschen in dem Kaff erkennen die Gefahr. Sie wissen, dass sie nun
       handeln müssen. Aber sie müssten es eigentlich auf die richtige Weise tun,
       wozu sie dann natürlich nicht fähig sind. Keine Elektrizität verwenden, so
       lautet in diesem Film beispielsweise eine der Regeln, um mit dem
       unheimlichen Formwandler fertig zu werden. Und: Niemals auf den Dämonen
       schießen, das macht ihn nur noch gefährlicher. Aber kaum jemand in den
       Filmen folgt diesen Handlungsanweisungen aus dem Buch der
       Dämonenbekämpfung. Die Menschen sind einfach nicht fähig, sich der
       wachsenden Bedrohung adäquat zu erwehren.
       
       Auch was wir in den letzten Jahren dem weltweit wachsenden
       Rechtsextremismus entgegengestellt haben, hat ihn scheinbar nur gefüttert.
       Das sind keine gute Aussichten für den Kampf, wie er nun gegen die Politik
       von Alice Weidel, Javier Milei und Donald Trump geführt werden müsste.
       
       12 Mar 2025
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Hartmann
       
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