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       # taz.de -- Trump gegen Wissenschaft: Mit der Abrissbirne
       
       > Die US-Regierung überzieht die Wissenschaft im Land mit tiefgreifenden
       > Einschnitten. Es trifft auch Disziplinen wie Biomedizin und Mathematik.
       
   IMG Bild: Wider der Politik zu Lasten der wissenschaftlichen Erkenntnis
       
       taz | Berlin „Das ist erst der Anfang“, sagt Ravi Vakil im Videocall. Der
       Präsident der American Mathematical Society kann nicht genau sagen, wie
       viele Mathematiker diesen Monat keinen Lohn erhalten oder entlassen wurden.
       Nur, dass die Kürzungen viel drastischer sind als erwartet, im kommenden
       Jahr würden es sogar mehr werden. Einige Fakultäten hätten bereits einen
       vollen Einstellungsstopp verhängt.
       
       „Wir müssen jetzt Entscheidungen darüber treffen, an welcher Front wir
       kämpfen, welche Projekte und jungen Wissenschaftler wir wie schützen“, sagt
       Vakil. Er wirkt nicht wie jemand, der leichtfertig Alarm schlägt. Erst vor
       wenigen Wochen trat er sein neues Amt an, zu Beginn einer neuen Epoche, die
       er als „für die freie Wissenschaft vielleicht die schwierigste der Moderne“
       beschreibt.
       
       Mit der Begründung, „woke Politik auszurotten“ und „die amerikanische
       Tradition und westliche Zivilisation zu verteidigen“, greift die
       US-Regierung unter Präsident Donald Trump Universitäten und Wissenschaft
       an, mit tiefgreifenden Einschnitten und Kürzungen im Hochschulbetrieb.
       
       Kaum im Amt, hat die Regierung eine schwarze Liste erstellt, um bewilligte
       Stipendien mit unerwünschten Projekten und Forschungsgebieten zu
       überprüfen. Ganz oben stehen Schlagworte wie „Gemeinschaft“, „kulturelles
       Erbe“, „Trauma“, „Hassrede“, „Inklusion“, „[1][Geschlecht]“,
       „Diskriminierung“ oder „Green New Deal“.
       
       ## Es trifft sogar „nicht-woke“ Wissenschaft
       
       Am Tag seiner Amtseinführung beendete Trump die [2][DEI-Förderprogramme,
       die Vielfalt, Gleichberechtigung und Teilhabe an Universitäten und Schulen
       förderten]. Neu ist, dass die Kürzungen auch Disziplinen wie Biomedizin und
       Mathematik treffen: Grundlagenforschung, die sich nicht mit „woken“ Themen
       wie Klimawandel oder Rassismus beschäftigt.
       
       Am Dienstag entließ man 168 von insgesamt 1.450 Mitarbeitern der National
       Science Foundation (NSF): Spezialisten im Ingenieurswesen, in Biologie,
       Informatik, Geologie und Chemie. Die NSF ist eine Forschungsagentur, die
       große Teile der Grundlagenforschung finanziert. Für Mathematiker ist sie
       ihre Hauptfinanzquelle. Nun will die Regierung die Hälfte ihres Budgets
       streichen.
       
       Vor zwei Wochen fror die Regierung zudem den Etat der National Institutes
       of Health (NIH) ein – mit 47 Milliarden Dollar das weltweit größte
       öffentliche Budget für biomedizinische Forschung. Der staatliche
       Zuschussanteil des NIH für Forschungsinstitutionen soll von 30 auf 15
       Prozent sinken. Betroffen sind Studien zu Krebs, Alzheimer, Diabetes,
       Impfstoffen und Genmutationen.
       
       In North Carolina beispielsweise gehören Universitäten zu den größten
       Arbeitgebern. Der Bundesstaat beheimatet zwei der besten im ganzen Land:
       die North Carolina University und die Duke University. Sie erhielten bisher
       mehr NIH-Gelder als andere, jeweils 580 und 531 Millionen Dollar. Jetzt
       sind sie die Verlierer der neuen Regierung.
       
       Auch eine Steuererhöhung des universitären Stiftungsvermögens auf bis zu 35
       Prozent ist geplant. Die Hochschulressourcen auszuhebeln, ist dieser
       Regierung ein zentrales Anliegen.
       
       „Die Universitäten hier sind wundervolle Orte, sie sind das Kronjuwel der
       USA“, sagt Vakil, „weil eine freie Wissenschaft überparteilich im Sinne
       aller war. Jetzt erleben wir eine Zerstörung der intellektuellen
       Infrastruktur im Land, die sich vielleicht über Jahrzehnte nicht rückgängig
       machen lässt.“
       
       ## Trump lässt es auf Gerichtsentscheidungen ankommen
       
       Generalstaatsanwälte aus 22 US-Bundesstaaten haben die Regierung wegen der
       geplanten Kürzungen verklagt. Die Klage richtet sich gegen die Reduzierung
       der Mittel für sogenannte indirekte Kosten wie Laborkosten,
       Fakultätsgehälter und Infrastruktur. An diesem Freitag findet die
       gerichtliche Anhörung statt.
       
       In den USA ist der Kongress die gesetzgebende Gewalt. Wenn er ein Budget
       bereits verabschiedet hat, ist der Präsident daran gebunden – eigentlich.
       Versucht er trotzdem, [3][wie auch im Fall der US-Entwicklungsagentur
       USAID], die Gelder zurückzuhalten, wird er Klagen dagegen vor Gericht
       erleben. Gerade das ist aber die Strategie der aktuellen Regierung: Chaos
       anzurichten und es dann den Gerichten zu überlassen. Entscheidend wird
       sein, ob sie vor den mehrheitlich konservativen Richtern damit Erfolg hat.
       
       Ravi Vakil sorgt sich, dass weder die Öffentlichkeit noch die Medien die
       Dramatik der Situation begreifen und sich auf Ablenkungsdebatten stürzen,
       etwa über eine mögliche dritte Amtszeit für Trump. Die größte Befürchtung
       in den Fakultäten ist der Brain Drain: dass die besten amerikanischen
       Wissenschaftler:innen in den nächsten Jahren nach China und Europa
       abwandern werden.
       
       Aber der Mathematiker hat auch Vertrauen in das intellektuelle und
       wissenschaftliche Fundament, in die Macht von Zusammenarbeit und freiem
       Gedankengut. Nachdem die Sowjetunion 1957 den ersten Satelliten ins Weltall
       schickte und den schockierten Amerikanern damit die Illusion raubte, einen
       technischen Vorsprung zu haben, handelten die USA: Sie erkannten das
       Bildungssystem als entscheidende Machtressource an und investierten in
       Universitäten.
       
       Diese Dinge, sagt Vakil, seien nicht so leicht zu entwurzeln.
       
       21 Feb 2025
       
       ## LINKS
       
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   DIR Marina Klimchuk
       
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