# taz.de -- Talkshow-Marathon vor der Wahl: Lehrreiches Gelaber
> Mit „hart aber fair 360“ und „Klartext“ binden ARD und ZDF ihr Publikum
> stärker in ihre Polit-Talks ein. Das klappt mal mehr und mal weniger gut.
IMG Bild: Robert Habeck und Alice Weidel in der ZDF-Sendung „Klartext“ vom 13. 02. 2025
Im Akkord quatschen sich die Parteispitzen zum Wahlkampf-Endspurt über die
Fernsehbildschirme der Republik. Dafür entwickeln vor allem die
öffentlich-rechtlichen Sender zunehmend Formate, in denen das Publikum zu
Wort kommt. Insgesamt ist das eine Bereicherung für die politische
Debattenkultur, doch nicht jedes Format funktioniert gleich gut.
Ein Beispiel, wie politischer Diskurs nicht geht, lieferte das ARD-Format
„hart aber fair 360“. Die angedeutete Gradzahl spielt darauf ab, dass die
einzelnen Politiker*innen hier von ihren
Diskussionspartner*innen umringt sind. Die können sich mittels
Buzzer auf Redezeit bewerben und werden, so scheint es, zufällig
ausgewählt, das Wort zu ergreifen.
Allerdings kommen hier nur Kommunikationsprofis zu Wort, viele von ihnen
verdanken ihre Bekanntheit sozialen Medien. Darunter mehrere
Nachwuchspolitiker*innen, eine Landwirtin (826.000 Instagram-Follower), ein
Youtuber (493.000 Abonnent*innen) oder der Gründer der Facebook-Gruppe
„Fridays for Hubraum“ (442.000 Mitglieder).
## Selbstdarstellung, Unterbrechungen, nervige Buzzsounds
Was die ARD damit bezwecken will, ist klar: Die Influencer sollen ihr
Publikum aus dem Internet mit in die Öffentlich-Rechtlichen nehmen. Was ein
nachvollziehbarer Versuch ist, den Wahlkampf für eine jüngere Zielgruppe zu
öffnen, schwächt die Debatte.
Denn viele der Internetpromis bringen vor allem die überhitzte
Diskussionskultur aus den sozialen Medien ins Studio und nutzen die Bühne
der ARD vor allem, um sich selbst zu profilieren. Flankiert wird das ganze
durch nervige Buzzersounds und ständige Wechsel der Gesprächspartner*innen.
Heraus kommen vergiftete Auseinandersetzungen und unfertige Gesprächsfäden.
Dafür brauchen die Öffis wirklich keinen zusätzlichen Raum mehr
freizuräumen.
## Mit dem Zweiten diskutiert man besser
Dass es auch anders gehen kann, zeigte dagegen die ZDF-Sendung
„[1][Klartext]“, die schon bei der letzten Bundestagswahl 2021 lief. Hier
kommen – vom Bauarbeiter zur Bankkauffrau – größtenteils ganz normale
Bürger*innen zu Wort. Deren gewissermaßen „naturgegebene“ Authentizität
zwingt die Politik-Profis dazu, aufrichtige Antworten zu geben.
[2][Zumindest mit Ausnahme von AfD-Frontfrau Alice Weidel], die ihr
Gegenüber wahlweise mit falschen Fakten „korrigiert“ oder ihm vorwirft, ihr
Wahlprogramm nicht gelesen zu haben.
Aber auch das gehört zu den wertvollen Erkenntnissen dieser Tage: Der AfD
sind die echten Probleme der Gesellschaft schnuppe – nach diesem Abend
sollte das auch in der Breite angekommen sein.
17 Feb 2025
## LINKS
DIR [1] https://www.zdf.de/politik/klartext/klartext-112.html
DIR [2] /ZDF-Sendung-Klartext/!6069601
## AUTOREN
DIR Jannik Grimmbacher
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