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       # taz.de -- Zwei Wochen vor der Bürgerschaftswahl: Hamburgs Linke im Umfrage-Hoch
       
       > Laut Forschungsgruppe Wahlen käme die Linkspartei bei der
       > Bürgerschaftswahl auf 9 Prozent. Vor wenigen Wochen kratzte sie noch an
       > der 5-Prozent-Hürde.
       
   IMG Bild: Klima retten statt abschieben: junge Leute bei einer Demo in Hamburg anlässlich des Auftritts von AfD-Chef Tino Chrupalla
       
       Hamburg taz | Es läuft gerade ganz gut für die Linkspartei. In Hamburg
       kommt sie laut einer neuen [1][Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen] auf 9
       Prozent. Noch Mitte Januar sah es so aus, als könnte sie an der
       Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Da lagen Die Linke und das konkurrierende
       [2][Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)] mit 5 beziehungsweise 4 Prozent fast
       gleichauf. Nunmehr gilt ein Rausfliegen der langjährigen Hamburger
       Oppositionspartei als äußerst unwahrscheinlich.
       
       „Das Umfrageergebnis spiegelt die Besorgnis vieler wegen des Rechtsrucks
       wider“, sagt die Linke-Spitzenkandidatin Heike Sudmann. „Gleichzeitig ist
       es eine Anerkennung unserer Arbeit. Die Linke ist einfach notwendig.“ Die
       Fraktion ist seit 2008 kontinuierlich in der Hamburger Bürgerschaft
       vertreten.
       
       Über ihre quirlige Oppositionsarbeit mit zahlreichen Anfragen und Anträgen
       berichten inzwischen auch bürgerliche Medien recht wohlwollend. Bestünde
       die Opposition nur aus CDU und AfD, wäre das Landesparlament um etliche
       Impulse ärmer.
       
       Für die Umfrage hatte die Forschungsgruppe vom 10. bis 13. Februar 1.055
       Wahlberechtigte befragt. Würde in Hamburg schon am kommenden Sonntag
       gewählt, käme die SPD zurzeit auf 32 Prozent, die Grünen auf 19 Prozent.
       Zusammen hätte Rot-Grün die absolute Mehrheit und könnte die vor zehn
       Jahren begonnene Koalition fortsetzen. Die CDU liegt mit 18 Prozent dicht
       hinter den Grünen. Die AfD käme auf 9 Prozent. Bei nur je 3 Prozent landen
       in der Umfrage die FDP, Volt und das BSW. Die sonstigen Parteien kämen
       zusammen auf 4 Prozent.
       
       ## Steigende Umfragewerte auch im Bund
       
       Die Linke hat in ihren Umfragewerten [3][auch für die Bundestagswahl
       deutlich aufgeholt]. Lag sie vor sechs Wochen noch bei 3,2 Prozent, sind es
       zuletzt 7 Prozent. Linke-Pressesprecher Ralf Dorschel spricht von einer
       [4][beispiellosen Aufholjagd], die vor allem mit den Ereignissen im
       Bundestag zu tun habe, als Friedrich Merz das „Zustrombegrenzungsgesetz“
       mit der AfD abstimmen ließ.
       
       Die Rede, die Linke-Spitzenkandidatin [5][Heidi Reichinneck an dem Tag im
       Bundestag] hielt, habe seither über 20 Millionen Views auf Tiktok und
       Instagram erhalten. „Auf den Plakaten bei der Demo gegen rechts standen
       Sätze wie ‚Heidi sagt …‘“, erinnert der Sprecher.
       
       Zudem verzeichne die Linke in Hamburg gerade einen beispiellosen
       Mitgliederzuwachs, vor allem von jungen Leuten unter 30. Dorschel: „Die
       wollen darüber reden, wie man das Klima rettet, und nicht, wie man Leute
       abschieben kann.“ Allein in den sechs Wochen vom 1. Januar 2025 bis zum 13.
       Februar habe sich die Zahl der Mitglieder von 2.103 auf 3.664 erhöht. „Wir
       haben 70 bis 100 Neueintritte jeden Tag“, sagt Dorschel. „Geht das so
       weiter, haben wir unsere Mitgliederzahl bis zur Wahl verdoppelt.“ Die
       Mitarbeitenden kämen mit der Aufnahme kaum hinterher.
       
       ## Kein Mitleid mit der Konkurrenz
       
       Besonders erfolgreich sei Anfang der Woche das „Techno-Tischtennis“ mit
       Reichinneck, Jan van Aken, Cansu Özdemir und Heike Sudmann gewesen, für
       welches die Partei die beiden Clubs „Beat Boutique“ und „Fundbureau“
       gemietet hatte. Weil der Andrang zu diesem Wahlkampf-Event so groß war –
       über 2.500 Leute kamen –, habe man zusätzlich eine Bühne auf die Straße
       gestellt.
       
       Noch im [6][Europawahlkampf] im Mai vorherigen Jahres sah die Lage etwas
       anders aus. Die Linke, die bei der letzten Hamburg-Wahl noch über 9 Prozent
       bekommen hatte, erhielt nur 5,1 Prozent der Stimmen. Das BSW kam ihr mit
       4,9 Prozent gefährlich nahe. Zur Hamburger Konkurrenz durch das BSW sagt
       Dorschel: „Die haben sich [7][um die Jahreswende] so viel Mühe gegeben,
       [8][sich öffentlich zu zerlegen], was soll man dazu noch sagen?“ Selber
       könne sich die Linke in Hamburg nun vorstellen, noch weiter zuzulegen und
       „zweistellig zu werden“.
       
       14 Feb 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/hamburg.htm
   DIR [2] /BSW-Generalsekretaer-ueber-Umfragetief/!6069023
   DIR [3] /Linke-kaempft-um-Verbleib-im-Bundestag/!6069611
   DIR [4] /Nach-dem-Tabubruch-im-Bundestag/!6067854
   DIR [5] /Linke-Politikerin-Heidi-Reichinnek/!6063355
   DIR [6] https://www.bundeswahlleiterin.de/europawahlen/2024/ergebnisse/bund-99/land-2.html
   DIR [7] /Streit-auf-BSW-Bundesparteitag/!6061670
   DIR [8] /Streit-im-Hamburger-BSW/!6064622
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Kaija Kutter
       
       ## TAGS
       
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