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       # taz.de -- Wie Mexico auf Deutschland blickt: Aus der Vergangenheit lernen
       
       > In Mexiko sind Deutsche beliebter als die US-amerikanischen Nachbarn.
       > Doch die deutsche Vergangenheit bleibt präsent und prägt ihre
       > Wahrnehmung.
       
   IMG Bild: Vergangenheit nicht vergessen: Das wünschen sich Mexikaner für die Deutschen vor der Wahl
       
       Wenn in [1][Mexiko] jemand raten soll, woher ich komme, ist die Vermutung
       meist dieselbe: Ich sei eine Gringa. Wenn ich dann, leicht empört,
       erwidere, dass ich aus Deutschland komme, ist die Reaktion in den
       allermeisten Fällen überrascht positiv, teilweise nahezu erleichtert. Wow,
       Deutschland! US-Amerikaner sind in Mexiko nämlich nicht so gern gesehen.
       Eine häufige Begründung: Sie würden die mexikanische Kultur zerstören.
       
       Tatsächlich gibt es [2][Kampagnen] von US-Touristen, die etwa versuchen,
       traditionelle Musikgruppen auf den öffentlichen mexikanischen Stränden zu
       verbieten – die Musik ist ein Herzstück der mexikanischen Kultur.
       
       Deutsche Touristen hingegen werden von vielen Mexikanern als offen und
       interessiert wahrgenommen. Ein Freund, der in einem Yogahostel in einem
       kleinen Hippiedorf am Pazifik arbeitet, meinte mal zu mir, Deutsche wären
       seine Lieblingstouristen. Während etwa Franzosen und US-Amerikaner oft in
       ihren eigenen Gruppen blieben, suchten die Deutschen oft den Kontakt zu den
       Einheimischen.
       
       So viel zu den deutschen Touristen. Wenn über Deutsche im Allgemeinen
       gesprochen wird, dann fallen oft weniger freundliche Beschreibungen wie
       „kalt“, „ernst“ und „wenig humorvoll“. Und wenn es um Deutschland geht,
       dann ist die erste Assoziation nicht etwa, dass es entwickelt sei oder
       sicher (was zwar auch gesagt wird), sondern die deutsche Vergangenheit.
       
       ## Deutschlands Vergangenheit bleibt im Gedächtnis
       
       „Wenn ich an Deutschland denke, dann kommt mir zuerst seine Beteiligung an
       den beiden Weltkriegen und das Nazideutschland in den Sinn“, sagte mir eine
       Freundin. Eine andere Freundin, die mich einmal in Berlin besuchte, zuckte
       jedes Mal zusammen, wenn sie eine Feuerwehr- oder Polizeisirene hörte.
       
       Nicht etwa, weil die Sirenen ohrenbetäubend laut sind – Mexikaner sind da
       schmerzlos. Sondern, weil sie bei den Sirenen an die gruselige
       Vergangenheit Deutschlands denken musste. Die kennt sie zwar nur aus
       Filmen, aber das hat gereicht, um ihr jedes Mal einen Ausdruck des Horrors
       ins Gesicht zu jagen.
       
       Doch nicht alle Mexikaner verbinden mit der deutschen Nazivergangenheit
       Angst und Schrecken. Kürzlich schickte mir ein Freund aus einem
       Antiquitätenladen in Mexiko-Stadt ein Foto. Auf dem Foto war eine –
       ziemlich hässliche – Pappmachébüste eines Manns mit auffällig gestutztem
       Bart und einem Reichsadler auf der Mütze zu sehen. „Der Besitzer des Ladens
       meinte, die Figur sei von seinem Vater“, schrieb mein Freund. Der Vater
       verehre die Figur – und ist damit nicht allein, es gibt viele Mexikaner,
       die Adolf Hitler feiern.
       
       Persönlich kenne ich bislang keinen von ihnen. Wenn ich meine Freunde und
       Bekannten in Mexiko frage, was sie von den Deutschen bei dieser
       Bundestagswahl erwarten, dann ist der Konsens, dass die Leute hier [3][aus
       ihrer Vergangenheit gelernt haben] und hoffentlich im Februar eine
       Regierung wählen, die sich vom zunehmenden Faschismus abgrenzt.
       
       9 Feb 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Mexiko/!t5009041
   DIR [2] https://www.garmoclick.com/noticias/gentrificacion-extranjeros-buscan-prohibir-musica-mexicana-en-puerto-vallarta/
   DIR [3] /Erinnerung/!t5008910
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Tabea Kirchner
       
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