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       # taz.de -- US-Präsident Trump unterzeichnet Dekrete: Gegen den „Deep State“ und Migration
       
       > Sein Versprechen, am Tag der Amtseinführung 200 Verordnungen zu
       > unterzeichnen, beginnt Trump umzusetzen. Zu Zöllen und dem Ukraine-Krieg
       > bleibt er still.
       
   IMG Bild: Will den „Deep State“ zerschlagen: Der neue alte US-Präsident Donald Trump. Ehefrau Melania, Vize J.D. Vance mit Ehefrau sehen zu
       
       Washington taz | US-Präsident Donald Trump versucht am ersten Tag seiner
       zweiten Amtszeit, Nägel mit Köpfen zu machen. Wie er bereits während seiner
       Antrittsrede angekündigt hatte, unterzeichnete der 78-Jährige im Verlauf
       des Montags einen ganzen Stapel an Verordnungen und Dekreten, um seine
       Vision der Vereinigten Staaten von Amerika rasch in die Wege zu leiten.
       
       Mit seinen ersten Amtshandlungen machte er dutzende Entscheidungen seines
       Vorgängers rückgängig. Sein Fokus lag zudem auf diversen
       Wahlkampfversprechen: von der Bekämpfung der ausgerufenen Migrationskrise
       an der US-mexikanischen Grenze über Energiepolitik und Klimaschutz bis hin
       zu Begnadigungen.
       
       „Jetzt beginnt die Arbeit“, verkündete Trump nach seiner offiziellen
       Amtseinweihung. Während einer Veranstaltung in der Capital One Arena, die
       als Ersatz für die abgesagte Parade auf den Straßen der Hauptstadt dienen
       sollte, unterzeichnete Trump seine ersten Verordnungen.
       
       Dazu gehörte die offizielle Rücknahme von 78 „destruktiven und radikalen“
       Richtlinien und Verordnungen, die von Ex-Präsident Joe Biden verabschiedet
       wurden, ein Einstellungsstopp in allen Bundesbehörden, sowie der erneute
       Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Trump unterzeichnete diese
       Dokumente unter tobendem Applaus der knapp 20.000 Anwesenden in der Arena.
       Er bezeichnete die Biden-Regierung während seiner Ansprache zudem als „die
       schlechteste in der US-Geschichte“ und wiederholte viele seiner widerlegten
       Wahlkampf-Behauptungen, etwa dass andere Länder ihre Gefängnisse leeren
       würden, um ihre Verbrecher in die USA zu senden, oder dass
       Offshore-Windräder Wale töteten.
       
       Im Anschluss ging es für Trump ins Weiße Haus, wo er weitere Dekrete und
       Verordnungen erließ:
       
       ## Gnadenerweis für die J6-Teilnehmer
       
       Zu den vielleicht wichtigsten aus Sicht der Fans von MAGA (Make America
       Great Again) zählt wohl der Straferlass für knapp 1.500 Personen, die für
       ihre Teilnahme beim Sturm auf das Kapitol am [1][6. Januar 2021 (J6)]
       verhaftet oder verurteilt wurden. „Wir hoffen, dass sie heute Abend frei
       gelassen werden“, so Trump.
       
       Demokraten wie die frühere Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi
       oder der demokratische Senatsführer Chuck Schumer kritisierten Trumps
       Entscheidung: „Die Leute, die am 6. Januar das Kapitol stürmten, hätten
       nicht begnadigt werden dürfen, unabhängig davon, ob sie Gewalt begangen
       haben oder nicht. […] Donald Trump läutet ein Goldenes Zeitalter für
       Menschen ein, die das Gesetz brechen und versuchen, die Regierung zu
       stürzen“, sagte Schumer in einer Erklärung.
       
       ## Verschärfung der Anti-Migrationspolitik
       
       Trump versprach im Wahlkampf immer wieder eine [2][härtere Einwanderungs-
       und Asylpolitik]. Und auch hier legte der neue Präsident gleich los. Trump
       rief einen nationalen Notstand in Bezug auf die Situation an der
       US-Südgrenze mit Mexiko aus. Er suspendierte das amerikanische Asylprogramm
       für 90 Tage und klassifizierte mexikanische Drogenkartelle als ausländische
       Terrororganisation. Außerdem will er das Recht auf Staatsbürgerschaft durch
       die Geburt im Land überprüfen lassen. Auch andere Asyl- und
       Flüchtlingsprogramme wurden von Trump eingestellt.
       
       „In den vergangenen vier Jahren hat die vorherige Regierung eine
       beispiellose Flut illegaler Einwanderer in die USA zugelassen. […] Viele
       dieser sich illegal in den Vereinigten Staaten aufhaltenden Ausländer
       stellen eine erhebliche Bedrohung für die nationale und öffentliche
       Sicherheit dar und begehen abscheuliche Taten an unschuldigen Amerikanern“,
       heißt es beispielsweise in einer der Verordnungen.
       
       Menschenrechtsorganisationen wie die ACLU haben bereits Klage gegen den
       Versuch eingereicht, das Recht auf Staatsbürgerschaft durch Geburt im Land
       abschaffen zu wollen. „Wir werden diesen Angriff auf Neugeborene und
       zukünftige Generationen von US-Amerikanern nicht unwidersprochen lassen.
       Dieser Übergriff der Trump-Regierung ist so ungeheuerlich, dass wir
       zuversichtlich sind, dass wir uns letztlich durchsetzen werden“, sagte die
       Organisation in einer Erklärung.
       
       ## Zerschlagung des „Deep State“
       
       Auch die Bürokratie und den gesamten Regierungsapparat will Trump nach
       [3][Vorbild von Project 2025] in seiner zweiten Amtszeit umkrempeln. Er und
       seine Mitstreiter wollen vor allem den oft zierten „Deep State“ – eine
       angebliche Verschwörung innerhalb der Bundesbehörden zur Bekämpfung von
       konservativen Ideen – zerschlagen. Trump unterzeichnete mehrere
       Verordnungen hierzu: Etwa einen Einstellungstopp oder dass alle Mitarbeiter
       auf Bundesebene in Zukunft wieder fünf Tage pro Woche ins Büro kommen
       müssen.
       
       Zudem wurden tausende Staatsbedienstete durch eine Verordnung neu
       kategorisiert. Dies würde es der neuen Regierung erleichtern, Mitarbeiter,
       die nach ihrem Empfinden nicht loyal genug gegenüber Trump und dessen
       Plänen sind, zu feuern. Auch sollen Richtlinien zur Diversifikation der
       Belegschaft aufgegeben werden. Das Kriterium soll nur Leistung und
       Loyalität heißen.
       
       ## Energie und Klima
       
       Neben dem Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen hat Trump per Dekret einen
       Energienotstand ausgerufen. Damit soll die Produktion von fossilen
       Brennstoffen erleichtert und angekurbelt werden. Auch wurde die Verpachtung
       von Offshore-Windgebieten suspendiert. Auch eine Biden-Verordnung, die
       besagt hat, dass 50 Prozent aller verkauften Neuwagen im Jahr 2030
       Elektroautos sein sollen, wurde rückgängig gemacht.
       
       ## Ukraine und Einfuhrzölle
       
       [4][Zum Thema Ukraine] ließ der neue Präsident noch keine offiziellen
       Entscheidungen verlauten. Er erklärte gegenüber Journalisten allerdings,
       dass er zeitnah mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprechen
       wolle. Er fügte hinzu, dass er davon ausgehe, dass der ukrainische
       Präsident Wolodymyr Selenkyj zu einem Abkommen bereit sei, um den Krieg zu
       beenden.
       
       Auch neue Einfuhrzölle wurden von Trump noch nicht verabschiedet. Er warnte
       jedoch, dass neue Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe aus Kanada und
       Mexiko bereits am 1. Februar in Kraft treten könnten. Auf die Frage, ob
       dasselbe auch für China gelte, nannte der 78-Jährige keinen genauen
       Zeitpunkt.
       
       Ob Trump am Ende wirklich die angekündigten 200 Verordnungen am ersten Tag
       unterzeichnete, ist unklar. Doch er ist wieder da – und das mit mehr
       Erfahrung und Selbstbewusstsein. Trump und First Lady Melania ließen den
       Abend dann mit Auftritten auf drei feierlichen Bällen ausklingen.
       
       21 Jan 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Drei-Jahre-nach-Sturm-aufs-Kapitol/!5982050
   DIR [2] /Angst-vor-Deportationen-in-den-USA/!6059955
   DIR [3] /Project-2025-Manifest-in-den-USA/!6043014
   DIR [4] /Deutsche-Aussenpolitik/!6059835
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hansjürgen Mai
       
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