URI:
       # taz.de -- „Bayern-Agenda“ präsentiert​: Die Extraportion CSU​
       
       > Die CSU ist begeistert von der neuen Einigkeit mit der CDU und dem
       > gemeinsamen Wahlprogramm. Trotzdem setzt sie noch eins drauf.
       
   IMG Bild: Friedrich Merz, CDU-Bundesvorsitzender und Markus Söder, CSU-Fraktionsvorsitzender am 18. Dezember in Berlin
       
       München taz | Man könnte ja sonst meinen, die CSU sei nur ein weiterer
       Landesverband der CDU. Dem ist natürlich nicht so. Und um diesen Umstand zu
       unterstreichen, haben die Christsozialen bei aller derzeit herausgekehrten
       Gemeinsamkeit mit der großen Schwester dem gemeinsamen Wahlprogramm nun
       noch ein eigenes CSU-Progrämmchen an die Seite gestellt. Die
       „Bayern-Agenda“ nennen sie es. Am Montag wurde sie vom Parteivorstand
       beschlossen.
       
       Unter dem Titel „Deutschland wieder in Ordnung bringen“ enthält die
       „Bayern-Agenda“ auf 14 Seiten handverlesene Exklusivforderungen, mit denen
       die CSU den Bundestagswahlkampf bestreiten will. Das gemeinsame
       [1][Wahlprogramm mit der CDU] „atmet schon den Geist der CSU in erheblichem
       Maße“, sagte Landesgruppenchef Alexander Dobrindt in einer Pressekonferenz
       nach der Vorstandssitzung, die Bayern-Agenda liefere darüber hinaus aber
       einige „für Deutschland wichtige, aber für Bayern besonders wichtige
       Elemente“.
       
       Einige der Elemente waren bereits zuvor bekannt. Zum Beispiel die
       Mütterrente für Mütter von vor 1992 geborenen Kindern. Sie war auch schon
       Thema der [2][Klausurtagung der CSU-Landesgruppe] zu Jahresbeginn. Die CSU
       möchte, dass diesen Müttern künftig drei statt bisher höchstens zweieinhalb
       Erziehungsjahre bei der Rente angerechnet werden – ein Projekt, das laut
       Rentenversicherung jährlich mit rund viereinhalb Milliarden Euro zu Buche
       schlagen dürfte.
       
       ## Söders Herz für Mütter
       
       Die Mütterrente stand immer wieder im Zentrum des CSU-Wahlkampfs. Schon
       2013 und 2017 knirschte es deshalb deutlich vernehmbar innerhalb der Union,
       zu unterschiedlich waren die Auffassungen der damaligen Parteichefs Angela
       Merkel und Horst Seehofer. Ihre Vorstellungen konnte die CSU dabei nur
       teilweise umsetzen. Der heutige CSU-Chef [3][Markus Söder] ließ es
       vergangene Woche bei der Klausurtagung seiner Landtagsfraktion nicht an
       Pathos fehlen, als es um das Thema ging. „Wer da dagegen ist, der zeigt
       nur, dass er kein Herz hat“, sagte er. „Wir haben ein Herz.“
       
       Ein Herz hat die CSU seit jeher auch für die Pendler. Deshalb will sie die
       Pendlerpauschale erhöhen: Bei 38 Cent pro Kilometer soll sie liegen. Bisher
       gilt für die ersten 20 Kilometer noch ein Satz von 30 Cent. Auch im
       gemeinsamen Unionswahlprogramm wird eine Erhöhung gefordert, die CSU hat
       sie in ihrer Agenda nun allerdings konkret beziffert. Überhaupt finden sich
       an einigen Stellen der Agenda schlicht Präzisierungen des Unions-Programms.
       So wollen die beiden Parteien Mindestausgaben für die Verteidigung von zwei
       Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die CSU spricht darüber hinaus von
       „perspektivisch“ drei Prozent.
       
       Ein spezieller bayerischer Aspekt kommt tatsächlich bei der Forderung nach
       einem neuen Umgang mit der Erbschaftssteuer zu tragen. Die Bayern, so die
       CSU-Argumentation, würden bei der Erbschaftssteuer benachteiligt, weil
       hierzulande die Immobilien besonders teuer seien. Deshalb will die Partei
       die Erbschaftssteuer nun regionalisieren, sprich die Entscheidung über ihre
       Höhe den Ländern überlassen.
       
       ## De-facto-Einreisestopp für Flüchtlinge
       
       Die konsequente Benachteiligung Bayerns, die die CSU stets der aktuellen
       Bundesregierung unterstellt hat, will sie natürlich beenden. Daher fordert
       sie die Förderung und den Bau von Gaskraftwerken in Bayern, einen schnellen
       Anschluss Bayerns an das Wasserstoffnetz und den Erhalt einer einheitlichen
       Strompreiszone in Deutschland. Wenig verwundert auch die Forderung nach
       einer grundsätzlichen Reform des Länderfinanzausgleichs mit dem Ziel, die
       bayerischen Zahlungen an andere Bundesländer deutlich zu reduzieren.
       
       Des weiteren soll die E-Auto-Prämie wieder eingeführt, die Umsatzsteuer für
       Getränke in der Gastronomie dauerhaft auf sieben Prozent gesenkt und die
       Videoüberwachung auföffentlichen Plätzen ausgeweitet werden, inklusive
       biometrischer Gesichtserkennung.
       
       Dass die CSU eine radikale Abkehr von der Flüchtlingspolitik der Ampel
       fordert, ist nicht neu, aber ein zentraler Bestandteil der „Bayern-Agenda“.
       So soll das individuelle Asylrecht durch eine Grundgesetzänderung
       abgeschafft werden, auch subsidiären Schutz für Flüchtlinge soll es künftig
       nach dem Willen der Partei nicht mehr geben wie auch jegliche freiwilligen
       Aufnahmeprogramme. Grenzkontrollen an allen deutschen Grenzen und
       Zurückweisungen sollen einen faktischen Einreisestopp für alle „illegale
       Migranten“ ermöglichen. Forderungen, bei denen man Söders Herz förmlich
       schneller schlagen hört.
       
       20 Jan 2025
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Wahlprogramm-von-CDU/CSU/!6056715
   DIR [2] /CSU-Landesgruppe-Klausurtagung/!5904779
   DIR [3] /Buchvorstellung-mit-Soeder/!6062932
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dominik Baur
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
   DIR CSU
   DIR Alexander Dobrindt
   DIR CDU/CSU
   DIR Markus Söder
   DIR Wahlprogramm
   DIR Bayern
   DIR Friedrich Merz
   DIR Kolumne Ernsthaft?
   DIR Friedrich Merz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Buch über Bayerns Weg in die Moderne: „Söder dreht das Rad schon noch ein bisschen weiter“
       
       Bernhard Löfflers Buch „Das Land der Bayern“ legt den rationalen Kern des
       Freistaats offen. Ein Gespräch über longue durée und den Erfolg der CSU.
       
   DIR Buchvorstellung mit Söder: „Mein Ego kommt damit zurecht“
       
       Die Vorstellung einer Merz-Biografie mit Markus Söder bietet mehr Klamauk
       als Erkenntnis. Klar wird: Der CSU-Chef kann das Sticheln nicht lassen.
       
   DIR Bayrische Sonderrechte: Ein Vorschlag für die weitere Söderisierung der Union
       
       Wenn die Weltgesamtlage keine seriöse Planung zulässt, hat ein Meister der
       Unseriosität einen Vorteil. Zeit für CDU und CSU zu fusionieren.
       
   DIR CSU-Klausur mit Kanzlerkandidat Merz: Das Wunder von Seeon
       
       Niemand hatte bei CSU und CDU die Absicht, einen Migrationswahlkampf zu
       führen. Wirklich! Und dann war er doch da.