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       # taz.de -- Neue KI aus China: Stargates Schrecken
       
       > Ein neuer, angeblich billiger Chatbot verunsichert die US-Wirtschaft.
       > DeepSeek-R1 kommt aus China und bringt Leistung, aber auch Zensur mit
       > sich.
       
   IMG Bild: Auf dem Tian’anmen-Platz in Peking. Über die gewaltsame Niederschlagung einer Protestbewegung am 4. Juni 1989 weiß DeepSeek nichts zu sagen
       
       Das bislang kaum bekannte chinesische Unternehmen DeepSeek jagte am Montag
       einen Schock durch die Technik-Welt: Kurz nach der Veröffentlichung ihrer
       Künstlichen Intelligenz DeepSeek-R1 zog diese in verschiedenen Tests mit
       bekannteren Modellen gleich, und das, obwohl das Unternehmen laut eigenen
       Angaben in die Entwicklung des Chatbots nur 5,6 Millionen US-Dollar
       investiert hat. Der Börsenwert einiger Chiphersteller brach daraufhin ein.
       
       [1][Nur eine Woche zuvor hatte der frisch wieder vereidigte US-Präsident
       Donald Trump das Projekt „Stargate“ angekündigt.] Unter diesem Namen sollen
       ganze 500 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren investiert werden. Getragen
       wird das Projekt vom KI-Entwickler OpenAI, dem Soft- und
       Hardware-Hersteller Oracle und dem japanischen Softbank-Konzern. Auch der
       staatliche KI-Fonds MGX aus Abu Dhabi gehört zu den Gründungsinvestoren.
       Dass ein Unternehmen, das nur geringe Millionenbeträge für die Entwicklung
       einer KI ausgegeben haben soll, mit der Konkurrenz mithalten kann, weckt
       Zweifel an den absurd hohen Summen, mit denen KI-Projekte gerade beziffert
       werden. Den Milliarden-Ausgaben von [2][OpenAI], Microsoft, Meta und Oracle
       steht nun ein vergleichsweise winziges Gesamtbudget für die Entwicklung von
       DeepSeek gegenüber.
       
       Die Aktie des Chipherstellers Nvidia verlor am Montag prompt rund 18
       Prozent ihres Wertes an den Märkten, mit 589 Milliarden Dollar der größte
       Tagesverlust der Börsengeschichte. Den Hochleistungs-Chips des
       kalifornischen Unternehmens war bislang eine Schlüsselrolle beim Anlernen
       von KI-Systemen zugeschrieben worden, weswegen für sie strenge
       Exportbeschränkungen gelten.
       
       ## Das Modell arbeitet mit „Gedankenketten“
       
       Diese könnten allerdings einen gegenteiligen Effekt erzielt haben. Ohne die
       Hochleistungschips griff DeepSeek beim Anlernen des Modells auf einen
       anderen, synthetischeren Ansatz zurück, als es andere Unternehmen tun: Die
       Entwickler verzichteten laut DeepSeek vollständig darauf, Zwischenschritte
       vorzugeben oder diese menschlich zu überprüfen. Stattdessen brachte sich
       die „emergente“ KI während des Trainings selbst bei, ihre eigenen Antworten
       zu bewerten. Infolgedessen zeigt das Modell beim Lösen von Aufgaben
       „Gedankenketten“: Es arbeitet langsamer und mit mehr Zwischenschritten als
       andere Modelle, zeigt Nutzer:innen Lösungswege und kann sich
       eigenständig korrigieren.
       
       Das lässt sie besonders bei Rechen- und Coding-Aufgaben gut abschneiden und
       könnte neue Anwendungsbereiche erschließen. Gleichzeitig birgt der neue
       Ansatz Risiken: Einerseits scheint die KI durch die gut nachvollziehbaren
       Lösungsschritte transparenter. Andererseits erhöht das Fehlen menschlicher
       Vorgaben schon während des Trainings das Risiko, eine „täuschende“ KI zu
       entwickeln, die im Hintergrund anders agiert, als sie es vordergründig
       zeigt. Auch deshalb könnte das Unternehmen sich entschieden haben, den Code
       des Modells offenzulegen. So können Forscher:innen und Nutzer:innen
       das Modell untersuchen und gegebenenfalls kopieren. Diesen Ansatz verfolgt
       etwa auch [3][Mark Zuckerbergs Meta].
       
       Die Trainingsdaten, auf denen das Modell aufbaut, veröffentlichte DeepSeek
       allerdings nicht. Gerade über diese Trainingsdaten können aber Vorurteile
       und Voreingenommenheiten in ein Modell eingebaut werden, beispielsweise
       wenn diese der Zensur unterliegen. Auch direkt scheinen die Antworten der
       KI von der chinesischen Zensur betroffen zu sein: Nutzer:innen teilten
       Beiträge, in denen sich die KI Antworten verweigerte, so etwa bei
       Nachfragen zum Tian’anmen-Massaker oder zum chinesischen Präsidenten XI
       Jinping. Der taz antwortete DeepSeek auf eine Frage zur Unabhängigkeit
       Taiwans mit einem Hinweis auf die Ein-China-Politik Chinas: „Taiwan ist
       seit der Antike ein unveräußerlicher Teil Chinas.“
       
       28 Jan 2025
       
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