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       # taz.de -- Hamburger Polizei übermalt Demo-Aufruf: Zu viel Information über Anwalt mit rechten Verbindungen
       
       > Eine Initiative will vor der Kanzlei eines völkisch verbundenen Hamburger
       > Anwalts demonstrieren. Die Polizei übermalte das Plakat mit dem
       > Demoaufruf.
       
   IMG Bild: Das Problem mit den Völkischen ist schon älter: Broschüren der mobilen Beratung Niedersachsen gegen Rechtsextremismus im Jahr 2020
       
       Vergangene Woche war es mal wieder soweit: Polizist*innen rückten in
       weißen Schutzanzügen und mit schwarzer Farbe vor dem linken Kulturzentrum
       Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel an, um ein Plakat zu übermalen.
       
       Bei der aktuellen Maleraktion ging es nicht um [1][1 Pimmel und den
       Hamburger Innensenator] oder um eine [2][Liste mit „13 Dingen, die du gegen
       die AfD tun kannst“], sondern um die Ankündigung einer Kundgebung über die
       Strukturen von völkischen Siedlern im nord-östlichen Niedersachsen. Eine
       antifaschistische Initiative hatte auf dem Plakat an der Flora für
       kommenden Montag vor einer Kanzlei in bester Hamburger Innenstadtlage zu
       einer Demo samt Infoveranstaltung aufgerufen.
       
       Die Polizei übermalte das Plakat, weil auf ihm der Name und die
       Arbeitsadresse eines in der Kanzlei beschäftigten Anwalts stand, der seit
       Jahren fest in völkischen Siedlungsnetzwerken verankert sein soll. Die
       Angaben auf dem Plakat verletzten die Persönlichkeitsrechte des Anwalts.
       
       Der Anwalt, den die Kanzlei als „einen der führenden Immobilienanwälte in
       Deutschland“ auf ihrer Website vorstellt, kommt aus der Lüneburger Heide.
       [3][In der Region zwischen Uelzen und Lüneburg haben sich völkische Sippen
       niedergelassen], die Brauchtumsfeste, Volkstanzrunden, Theater- und
       Liederabende ausrichten. Sie wollen ihre Weltanschauung von einer
       vermeintlich ethno-kulturellen Identität und Kultur leben. Diese Treffen
       sind gleichzeitig so etwas wie Kontaktbörsen für die rechte Szene. Der
       Anwalt kommt aus einem solchen Familienzusammenschluss, seine Ehefrau
       ebenfalls.
       
       Sein Vater Uwe B., der bei der völkischen Jugendorganisation [4][„Bund
       heimattreuer Jugend“] aktiv war, betrieb eines der bundesweit größten
       rechtsextremen Antiquariate. Sein Verlag mit Sitz im niedersächsischen
       Toppenstedt führt heute einer seiner Söhne. Bis heute können über den
       Verlag [5][Klassiker der rechtsextremen Publizistik] bestellt werden: Das
       1923 erstmals erschienene „Das dritte Reich“ von Arthur Möller van den
       Bruck zum Beispiel, oder „Gottlied des Lebens erklingt auch dir“ von
       Mathilde Ludendorff, veröffentlicht 1940.
       
       Beide Söhne waren bei der [6][rechtsextremen Organisation „Sturmvogel“]
       aktiv, das legt eine Sonderausgabe der Sturmvogel-Zeitung Sturmbote nahe.
       Die Organisation taucht heute in Jahresberichten des Verfassungsschutzes
       Niedersachsen auf und wurde 1987 von Mitgliedern der später verbotenen
       „Wiking Jugend“ gegründet. Hier wird der Nachwuchs geschult und ertüchtigt.
       
       In einem Gründungsflugblatt steht, dass mit der Jugendarbeit ein „Vorleben“
       vermittelt werden soll, das gegen den „Ungeist“ aufbegehrt, „der unserem
       Volk derzeit jeden Atemzug verpestet“. Als „volkstreu eingestellte
       Deutsche“ wollen die Mitglieder leben – und gesellschaftliche Veränderung
       bewirken.
       
       ## Bis heute bei völkischen Treffen dabei
       
       Auch die Ehefrau des Anwalts war – gerichtsfest belegt – beim Sturmvogel
       aktiv. Das Landgericht Verden wies ihre Klage gegen eine Recherche der
       Journalistin Andrea Röpke ab, die auch für die taz schreibt. Bis vor das
       Bundesgericht, die letzte Instanz in Straf- und Zivilverfahren zog sie.
       2024 scheiterte sie dort endgültig mit ihrer Klage. Auf dem Anwesen der
       Familie des Anwalts finden bis heute Szene-Veranstaltungen statt. Aufnahmen
       von Röpke belegen, dass der Immobilienanwalt aus Hamburg noch immer bei
       völkischen Events dabei ist.
       
       1 Feb 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Speit
       
       ## TAGS
       
   DIR Kolumne Der rechte Rand
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