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       # taz.de -- Verteilungsdebatten im Männerfußball: Superreichtum ist irgendwie ärgerlich
       
       > Alle Jahre wieder gibt es Streit um die Verteilung der TV-Erlöse im
       > deutschen Männerfußball. Warum bewirkt Opposition so wenig?
       
   IMG Bild: Wir reden gern über die, die die Marktwerttabelle Lügen strafen: Mainz 05 zum Beispiel
       
       Während auf allen Kanälen [1][über die Implosion des BVB gesendet wird],
       ist eine kleine Zahl schnell wieder vergessen. Sie lautet 14:1. So groß sei
       in der Männer-Bundesliga die Spanne zwischen dem Ersten und dem Letzten,
       wenn man die internationalen Erlöse miteinrechne, erinnerten jüngst Werder
       Bremen und der FC St. Pauli. Schon 2019 resümierte eine Uefa-Studie, dass
       kaum irgendwo in Europa die Fußball-Mediengelder so ungleich verteilt
       werden wie in Deutschland.
       
       Der Kaderwert des FC Bayern ist, nebenbei gesagt, 22-mal so hoch wie der
       von Holstein Kiel. Schon klar, das wissen Sie längst. Es ist Ihnen ein
       Augenrollen, eine Schimpftirade auf die Bayern oder die DFL wert und mir
       eine empörte Kolumne. Und dann diskutieren wir wieder über die
       Überraschungen der Saison. [2][Über Mainz 05], das so herausragend
       überperformt (7 Plätze über Marktwertrang). Oder den BVB und warum er seit
       Jahren underperformt (derzeit 7 Plätze unter Marktwertrang).
       
       Wir reden gern über Klubs, die die Marktwerttabelle Lügen strafen. Das
       können vor allem kleinere, schlank organisierte Klubs besser als die
       schwerfälligen Publikumsmagneten. Nicht so gern reden wir [3][über das
       große Ganze]. Die Marktwerttabelle ist auch aktuell wieder verdammt ähnlich
       der Punktetabelle. Und die Schere zwischen den Klubs öffnet sich stetig
       weiter.
       
       Sollte uns das nicht mehr erschrecken, mehr empören? In den letzten Jahren
       gab es durchaus Versuche, die Verhältnisse aufzurütteln. Die Kleinen haben
       sich besser organisiert, [4][sie sind lauter geworden]. Fans brachten
       Vorschläge. Meist erfolglos. Nur die populären Klubs könnten Erfolg haben
       mit ihrer (anderswo längst üblichen) kapitalverträglichen Forderung,
       Popularität statt Hoffenheim und Elversberg zu belohnen. Eine Befragung von
       2024 weiß, dass 82 Prozent der deutschen Fußballfans eine gleichere
       Verteilung der Medienerlöse wollen. Warum aber reichen diese Mehrheiten
       nicht?
       
       ## Erpressungsmacht und Eigennutz
       
       Die Erpressungsmacht der Ultrareichen ist nicht der einzige Grund. Denn
       immer noch wollen die Vielen vor allem ihre eigene Position im Rattenrennen
       stärken. Und vielleicht verhält es sich ähnlich wie mit dieser Zahl: Laut
       Oxfam-Studie hat Deutschland die viertmeisten Milliardär:innen der
       Welt. Haben Sie es mitbekommen? Vielleicht schon. Wie lange blieb es in den
       Schlagzeilen? Vielleicht etwa so lange wie die jüngste Debatte um
       TV-Gelder. Es fehlt an einem ehrlichen Zorn, an einer ehrlichen Hoffnung
       auf Neues. „Irgendwie doof“ reicht nicht mehr.
       
       26 Jan 2025
       
       ## LINKS
       
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