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       # taz.de -- Neues Jagdgesetz in Niedersachsen: Tierschützer sehen erheblichen Stress für die Füchse
       
       > Jäger in Niedersachsen wollen protestieren: Sie befürchten mit der
       > Novellierung ein Ende fragwürdiger Praktiken bei der Ausbildung von
       > Jagdhunden.
       
   IMG Bild: Füchse werden in winzigen unterirdischen Gehegen gehalten, um Jagdhunde zu trainieren
       
       Göttingen taz | Die Landesjägerschaft (LJN) bläst zum Protest gegen die
       geplante Novelle des Niedersächsischen Jagdgesetzes und gegen die Grünen.
       Unter dem Motto „Jetzt geht’s ums Ganze – Jagd sichern, Natur bewahren“
       wollen Jagdleute und ihre Unterstützer kommenden Donnerstag in Hannover
       demonstrieren. Ein von Landesagrarministerin Miriam Staudte (Grüne) am
       Mittwoch vorgelegte Eckpunktepapier sei eine „Attacke auf die Jägerei“,
       heißt es. Die LJN erwartet nach eigenen Angaben mindestens 10.000
       Teilnehmende zu der Kundgebung.
       
       In ihrem Koalitionsvertrag hatte die rot-grüne Koalition vereinbart,
       [1][das Jagdgesetz zu novellieren und in Sachen Tierschutz auf den
       Prüfstand zu stellen]. Dabei versprachen die Parteien einen engen Austausch
       mit Jägerschaft und Naturschutzverbänden. Die Zusage wurde eingehalten,
       eine Annäherung gab es in den zahlreichen Gesprächen aber nicht. LJN und
       Grüne warfen und werfen sich gegenseitig gezielte Desinformation, fehlende
       Kompetenz und Stimmungsmache vor.
       
       Inhaltlicher Streitpunkt Nummer 1 ist die Nutzung lebender Tiere bei der
       Ausbildung von Jagdhunden. Dabei geht es etwa um den [2][Einsatz von
       lebenden Füchsen in Schliefenanlagen], also künstlichen Fuchsbauten. In
       diesen Anlagen werden Füchse in winzigen Gehegen gehalten und in
       unterirdischen Gangsystemen dafür missbraucht, Jagdhunde für die Baujagd
       auf Füchse und Dachse zu trainieren. Auch wenn sie durch einen Schieber
       geschützt sind, beklagen Tierschützer erheblichen Stress für die Füchse.
       
       ## Für die Jagdhundausbildung werden Enten flugunfähig gemacht
       
       Bei [3][der Hunde-Ausbildung an lebenden Enten] werden den Vögeln
       Krepppapiermanschetten über die Schwungfedern gestülpt oder einige
       Schwungfedern ausgerissen, um sie flugunfähig zu machen. Anschließend
       werden sie ins Wasser geworfen oder im Gebüsch versteckt, so dass der Hund
       sie aufstöbern kann.
       
       Staudte will diese durchaus fragwürdigen Methoden keineswegs verbieten,
       sondern lediglich überprüfen. Bei einer Reise nach Dänemark will sie die
       dortige Praxis, den Ersatz von lebenden Füchsen durch Dummies, in
       Augenschein nehmen, lebende Füchse durch Dummies ersetzen. Mit Blick auf
       die Enten soll ein Forschungsprojekt starten, um für die Zukunft
       alternative Ausbildungsmöglichkeiten zu evaluieren.
       
       Doch LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke, der viele Jahre für die CDU im
       Landtag saß, wendet sich gegen jegliche Beschränkung. „Solange die
       Ausbildung unserer Jagdhunde nicht gegen geltenden Tierschutz verstößt,
       gehört diese Ausbildung erlaubt“, sagt er. Und Dieter Hildebrandt,
       Vorsitzender der Göttinger Jägerschaft, ergänzt: „Wenn wir unsere Tiere
       nicht mehr ordentlich ausbilden, haben wir in spätestens zehn Jahren keine
       brauchbaren Jagdhunde mehr.“ Ausgebildete Jagdhunde könnten schließlich
       nicht nur Wild aufspüren, sondern auch kranke Tiere finden und helfen,
       diese von ihrem Leid zu erlösen.
       
       Dass Staudte versichert, das Ministerium sei den Kritikern mit dem Papier
       weit entgegengekommen, hält die LJN für reine Taktik. Zwar hätten überhaupt
       erst der massive Protest und Druck durch die Jäger die Koalition dazu
       gebracht, „nicht einfach den grünen Überlegungen zu folgen“. Aber „bei uns
       entsteht der Eindruck, dass die Grünen ihre Positionen nicht wirklich
       aufgeben wollen. Sie haben keine Argumente für ihre eigentlichen Pläne,
       konnten sich auch gegen die SPD nicht durchsetzen und versuchen nun, das
       ist unser Eindruck, die mit der SPD gefundene Einigung durch die Hintertür
       aufzuweichen.“
       
       Die Grünen haben die LJN-Spitze um Dammann-Tamke aufgefordert, zur
       Sachdebatte zurückzukehren: „In den vergangenen Wochen war der Umgang der
       Landesjägerschaft mit den Plänen der rot-grünen Landesregierung schlicht
       unredlich“, erklärt die Landtagsfraktion. Anstatt sich mit dem aktuellen
       Stand der Debatte zu beschäftigen, arbeite Dammann-Tamke „mit
       Falschinformationen, Überspitzungen und Diffamierungen“. Seine Äußerungen
       ließen glauben, „wir Grüne unternähmen einen Angriff auf den ländlichen
       Raum – das dient erkennbar vor allem der Mobilisierung von Protest vor der
       Bundestagswahl.“
       
       26 Jan 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Reimar Paul
       
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