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       # taz.de -- Israel schließt Botschaft in Irland: Das Ende einer unterkühlten Beziehung
       
       > Die israelische Botschaft in Irland wird geschlossen. Als Grund gibt
       > Israel die „extrem anti-israelische Politik“ Dublins an.
       
   IMG Bild: Traditionell eher pro-palästinensisch: Gesellschaft wie Politik in Irland
       
       Dublin taz | Israel schließt seine Botschaft in Dublin. „Die Entscheidung
       wurde vor dem Hintergrund der extremen anti-israelischen Politik der
       irischen Regierung getroffen“, begründete das israelische Außenministerium.
       Am Mittwoch voriger Woche hatte sich Irland der Klage Südafrikas gegen
       Israel wegen Verstoßes gegen die Völkermordkonvention vor dem
       [1][Internationalen Gerichtshof (IGH)] angeschlossen.
       
       Israel hatte bereits im Mai die Botschafterin Dana Erlich aus Dublin
       abgezogen, nachdem Irland zusammen mit Spanien und Norwegen Palästina
       formell anerkannt hatte. Die israelische Regierung zwang die Botschafter
       der drei Länder in Tel Aviv daraufhin entgegen aller diplomatischen Regeln,
       sich Filmmaterial vom Überfall der Hamas vom 7. Oktober anzusehen. Israel
       berief seine Botschafter auch aus Norwegen und Spanien ab. Doch keine
       andere Botschaft in der Europäischen Union, wie auch die Botschaft in
       Norwegen, wurden bisher geschlossen.
       
       [2][Die diplomatischen Beziehungen zwischen Irland und Israel waren von
       Anfang an schwierig]. Viele Jahre lang war Irland das einzige EU-Land, das
       keine israelische Botschaft unterhielt. Die Regierung in Dublin lehnte die
       Eröffnung einer Botschaft einerseits wegen der hohen Kosten für die
       Sicherheit ab, andererseits wollte man auch die lukrativen
       Handelsbeziehungen mit den arabischen Ländern und dem Iran nicht gefährden.
       Erst im Dezember 1993 stimmte die irische Regierung einer israelischen
       Botschaft zu – am selben Tag, als die „Palästinensische
       Befreiungsorganisation“ PLO eingeladen wurde, ein Büro in Dublin zu
       eröffnen.
       
       Im Oktober 2024 kündigte die Regierung die Verabschiedung eines Gesetzes
       an, das den Handel zwischen Irland und den völkerrechtlich illegalen
       Siedlungen [3][in den besetzten palästinensischen Gebieten] untersagt. Und
       im November erklärte Premierminister Simon Harris, dass die irischen
       Behörden den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu festnehmen
       würden, sollte er nach Irland reisen. Zuvor hatte der Internationale
       Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen ihn und seinen ehemaligen
       Verteidigungsminister Yoav Gallant erlassen.
       
       ## Jüdische Politikerin in Irland: „zunehmend unsicher“
       
       Der israelische Außenminister Gideon Saar sagte: „Die antisemitischen
       Aktionen und die Rhetorik, die Irland gegen Israel einsetzt, basieren auf
       der Delegitimierung und Dämonisierung des jüdischen Staates.“ Der
       Oberrabbiner Irlands, Yoni Wieder, sagte, die Schließung der Botschaft
       folge auf viele Monate, in denen sich irische Politiker geweigert hätten,
       „die Realitäten eines Krieges anzuerkennen, der gegen dschihadistische
       Terrororganisationen geführt“ werde, die auf die Zerstörung Israels aus
       seien.
       
       Der irische Regierungschef Simon Harris bezeichnete die Schließung der
       Botschaft als zutiefst bedauerlich: „Ich weise die Behauptung, Irland sei
       israelfeindlich, auf das Schärfste zurück“. „Irland ist für den Frieden,
       für die Menschenrechte und für das Völkerrecht. Irland will eine
       Zweistaatenlösung und dass Israel und Palästina in Frieden und Sicherheit
       leben“, erklärte er. Man werde sich nicht davon abhalten lassen, die Klage
       gegen Israel vor dem IGH weiterzuverfolgen.
       
       Orli Degani, eine in Deutschland geborene Jüdin mit israelischer
       Staatsbürgerschaft, die seit mehr als fünf Jahren in Irland lebt, sagte zur
       Irish Times: „Es ist enttäuschend, dass man meinte, die Botschaft wegen der
       einseitigen anti-israelischen Haltung der Regierung schließen zu müssen.“
       [4][Degani war im Frühjahr wegen ihrer pro-israelischen Haltung als
       Kandidatin der Sozialdemokratischen Partei von der Liste gestrichen
       worden]. Das sei damals „ein Affront gegen die Werte der Gleichheit und der
       Inklusivität“ gewesen, sagte sie. „Menschen wie ich fühlen sich in Irland
       zunehmend unwillkommen und unsicher.“
       
       16 Dec 2024
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /IGH-zur-israelischen-Besatzung/!6022440
   DIR [2] /Irland-und-Israel/!5973645
   DIR [3] /Netanjahu-und-die-Zweistaatenloesung/!5993144
   DIR [4] https://www.irishtimes.com/politics/2024/05/01/jewish-social-democrats-candidate-claims-she-was-dropped-after-raising-concerns-about-anti-semitism/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ralf Sotscheck
       
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