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       # taz.de -- Kanadas Premier Trudeau tritt zurück: Zum ungünstigsten Zeitpunkt
       
       > Justin Trudeau tritt zurück und hinterlässt ein Machtvakuum. Dabei ist es
       > fraglich, ob die Ideen der konservativen Opposition überhaupt etwas
       > taugen.
       
   IMG Bild: Schlechter Zeitpunkt für den Abgang: Trudeau nach seiner Rücktrittsverkündung
       
       Nun also Kanada. Wieder muss ein Regierungschef in einer Welle allgemeiner
       Unzufriedenheit über zu hohe Lebens- und Wohnkosten seinen Rücktritt
       erklären. [1][Justin Trudeau], 2015 als progressiv-liberaler Posterboy
       gestartet, stand [2][mit seinem Führungsstil schon länger in der Kritik].
       Und die Empörung über verschiedene Skandale hat er nie ausräumen können.
       Aber das radikale Absinken seiner Popularität und der seiner Partei ist
       ohne die wirtschaftlich-sozialen Probleme kaum zu erklären. Und das, obwohl
       Zweifel angebracht sind, ob die Vorschläge der konservativen Opposition
       taugen.
       
       Trudeaus Rückzug war wohl innenpolitisch nicht mehr zu vermeiden. Und doch
       kommt er zwei Wochen vor dem Amtsantritt Donald Trumps in den USA zum einem
       Zeitpunkt, der ungünstiger nicht sein könnte. Gerade jetzt bräuchte es eine
       Regierung, die kanadische Interessen gegen Trumps Zollandrohungen offensiv
       vertritt. Sowie eine, die aus einer Position legitimierter Souveränität
       heraus [3][Trumps Fantasien, Kanada wäre als 51. US-Bundesstaat viel besser
       dran], auslachen könnte.
       
       Stattdessen stehen Kanada mehrere Monate Machtvakuum bevor, wenn jetzt
       zunächst innerhalb der Liberalen Partei Trudeaus Nachfolge bestimmt wird,
       die dann Ende März trotzdem durch ein Misstrauensvotum im Parlament
       gestürzt werden kann, woran sich ein Wahlkampf anschließt.
       
       Doch trotz des Vorsprungs der Konservativen, die in den aktuellen Umfragen
       rund 25 Prozentpunkte vor Trudeaus Liberalen liegen, scheint das in Kanada
       keinen allgemeinen ideologischen Rechtsruck zu bedeuten. Zwar macht auch
       der konservative Parteichef und Premier in spe Pierre Poilievre ein
       bisschen Kulturkampf gegen „Wokeism“, er will die CO2-Steuer abschaffen und
       die Regulierungen für Öl- und Gasförderungen lockern. Aber weder das
       liberale Abtreibungsrecht, LGBTQ-Rechte und Cannabislegalisierung noch
       Grundsätze der Migrationspolitik stehen zur Debatte.
       
       Seit Trudeau 2015 den letzten konservativen Premier Stephen Harper ablöste,
       hat sich Kanada verändert – und das insgesamt wohl doch zum Guten.
       
       7 Jan 2025
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Bernd Pickert
       
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